
Lebende Schatten: eine Werkschau des japanischen Experimentalfilmers.
Yamada Isao kam Ende der 70er Jahre als Seiteneinsteiger zur Regie. Nicht untypisch für den japanischen Experimentalfilm, der seit den 60er Jahren stark von Amateurfilmern geprägt wurde. Seinen Einstieg in die Filmwelt hatte der 1952 geborene Yamada in den frühen 70er Jahren als Mitglied der Theatertruppe von Terayama Shuji, der Skandalgestalt der damaligen japanischen Film- und Literatur-Avantgarde. Für ihn arbeitete Yamada in der Folge auch am Set Design mit.
Die Bildwelt von Yamadas Frühwerk ist noch geprägt durch Terayama, wenn auch ohne die Extreme von dessen antibürgerlicher Provokationslust. Yamadas frühe Filme durchzieht eher eine träumerische Atmosphäre. Europäisch geprägte Zuschauer werden Verweise auf Klassiker der europäischen Moderne wie Dali, Magritte und Cocteau entdecken - falsch laufende Uhren, ein rätselhafter Mann mit Mantel, Hut und Tasche. Der Mond und andere Himmelskörper spielen in Yamadas symbolisch aufgeladenen Filmen immer wieder eine Rolle - etwa in Umi no tokoya (A Marine Barber) und Makigai no ogi (The Fan of Spiritual Shell, beide Filme 30. April, 10.30 h). Mitte der 80er Jahre beschäftigt er sich immer wieder mit dem Thema Schatten als Metapher für die Kinoprojektion. In All Alone (1. Mai, 12.30 h) etwa versucht ein Schatten, eine Blume zu pflücken, eine Tür zu öffnen, einen Bleistift aufzunehmen und scheitert immer wieder. In den 90er Jahren bekamen Yamadas Filme eine eindeutig erotische Komponente, allerdings mit teilweise düster psychoanalytischen Untertönen, beginnend mit dem Traum eines Jungen von seiner nackten Mutter in Issho tetsugaku (Dress Philosophy, 2. Mai, 22.30 h). Kurz zuvor entstand Yamadas erster unter professionellen Bedingungen realisierte Langfilm Ammonite no sasayaki wo kita (I Heard the Ammonite Murmur), der 1992 auf den Filmfestspielen von Cannes lief. Doch das bedeutete keine Abwendung von seinem bevorzugten Filmmaterial: Yamada dreht weiterhin meist auf Super 8.