
Nezrimoe
Regie: Pavel Medvedev
Russland 2007
Begründung:
Am Beispiel des G8-Gipfel in St. Petersburg 2006 enthüllt Regisseur Pavel Medvedev in seinem Film Nezrimoe die Rituale des zeitgenössischen Politikbetriebs: Die müde Choreographie der Presse, das brutale Ballett eines horrenden Sicherheitsapparats, die eingerosteten Gesten der Symbolpolitik. Wie ein Ethnologe nähert er sich seinem Gegenstand von den Rändern her. Aus kommentarlosen, ohne Zusatzmusik auskommenden Bildern, die unzweifelhaft auf die große Leinwand gehören und zum wiederholten Hinsehen einladen, fügt sich ein ruhiger, eleganter Film voll zurückhaltender, genauer Beobachtung, voller Sensibilität, der nebenbei auch viel über die aktuellen Verhältnisse im Russland der Oligarchen und des Putinismus erzählt. Und ein Film der Distanz: Denn zum verfremdenden Kontrast dient ein Friedhof und ein Steinmetz, der dort die Grabsteine zurechtmeißelt. Hier kann man an Brecht denken und seine Verse über die Vergänglichkeit der Macht: "An der Moldau wandern die Steine/ Es liegen drei Kaiser begraben in Prag./ Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine./ Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag."
Jury der FIPRESCI 2008:
Anjelika Artyukh (Russland), Mark Peranson (Kanada), Rüdiger Suchsland (Deutschland)