(Es gilt das gesprochene Wort)
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
lieber Herr Dr. Gass,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
die Oberhausener Kurzfilmtage haben ohne Zweifel Filmgeschichte geschrieben.
Im 50. Jahr ihres Bestehens sollte ein kurzer Blick in die Geschichte geworfen werden.
An erster Stelle muss natürlich das Oberhausener Manifest von 1962 erwähnt werden.
Es markiert den Beginn eines filmpolitischen Aufbruchs, der zu einer Blüte des deutschen Autorenfilms geführt hat.
Was damals das Glaubensbekenntnis der jungen deutschen Filmemacher war - "Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen." - könnte seither als Motto über jedem Oberhausener Kurzfilmfest stehen.
Das Festival ist weltweit das älteste Kurzfilmfest und ganz sicher international eines der renommiertesten.
Es kann mit großen Namen aufwarten, die als unbekannte junge Talente hier in Oberhausen ihre Regiedebüts zeigten:
Wim Wenders, Werner Herzog, Wolfgang Petersen, Sönke Wortmann, um nur einige zu nennen.
Hier in Oberhausen wird jedes Jahr künstlerische und kulturpolitische Erneuerung formuliert.
Sieben Tage lang herrschen hier der Eigensinn, die Widerspenstigkeit, die künstlerische Freiheit, die sich herausnimmt, über die Realität hinaus zu wachsen.
In Oberhausen hat das Unkonventionelle eine Plattform. Wer hierher kommt, sucht nicht die Unterhaltung.
Sondern sucht die Auseinandersetzung - künstlerisch, inhaltlich und auch politisch.
Meine Damen und Herren,
in Oberhausen werden aber nicht nur Filme geschaut, bewertet und gehandelt - hier wird und wurde auch immer Filmpolitik diskutiert.
Alle Filmschaffenden, ob sie nun kurze oder lange Stücke drehen, wünschen sich den Erfolg.
Denn Film ist ein Massenmedium, und alle Regisseure und Produzenten wollen ein möglichst großes Publikum.
Nun hält sich hartnäckig das Gerücht, anspruchsvolle Filme seien per se ein Minderheitenprogramm.
Ein Erfolg an der Kinokasse sei nicht mit kulturellem Anspruch vereinbar.
Ich glaube das nicht. Ich bin im Gegenteil davon überzeugt, dass kulturelle Brillianz und ökonomische Effizienz keine Gegensätze sein müssen.
Aber in einem so globalisierten Bereich, wie es die Filmindustrie seit langem ist, gibt es entscheidende Faktoren:
Zum einen Riesenbudgets für Marketingkampagnen, zum anderen der Zugang zu Kinoketten, die von internationalen Gesellschaften geführt werden.
Dies sind nur zwei von mehreren Faktoren, die zum kommerziellen Erfolg eines Films beitragen.
Trotzdem hat die Politik Gestaltungsmöglichkeiten, um dem deutschen Film zum Erfolg zu verhelfen.
So sind mit dem neuen Filmförderungsgesetz die Budgets deutlich erhöht worden.
Die Absatzförderung wurde verbessert. Die dafür vorgesehenen Mittel haben wir auf 14 Millionen Euro erhöht.
Und wir werden helfen, die Außenrepräsentanz des deutschen Films weiter zu verbessern.
Es geht dabei um Exportchancen, aber auch, das gebe ich ganz offen zu, um die Sympathiewerbung, die erfolgreiche deutsche Filme für unser ganzes Land bringen.
In der deutschen Filmwirtschaft arbeiten derzeit über 130.000 Menschen.
Das ist nicht nur ein kreativer Motor, der Kultur schafft, sondern auch ein wichtiger Arbeitsmarkt. Ein Arbeitsmarkt mit Wachstumspotenzial.
Filmproduktionen erfordern jedoch Kapital, und da tut sich ein Bereich auf, in dem wir besser werden müssen.
Deutsche Geldgeber investieren weniger in deutsche oder europäische, als vielmehr in Hollywood-Produktionen.
12 Milliarden Dollar, sagen Brancheninsider, sind aus deutschen Medienfonds direkt in die USA geflossen.
Diese Investitionen müssen verstärkt nach Deutschland gelenkt werden.
Meine Damen und Herren,
beim Kurzfilm werden Zuwachsraten verzeichnet, von denen andere Bereiche nur träumen können.
Die Zahl der beim Festival eingereichten Filme ist beträchtlich gestiegen - um über 40 Prozent in den vergangenen drei Jahren.
Internationale Preise und Auszeichnungen machen den deutschen Kurzfilm zur erfolgreichsten Gattung des deutschen Filmschaffens.
Es gab so zahlreiche Oscars und Nominierungen, wie für kein anderes Land:
In diesem Jahr waren wieder zwei deutsche Filme für den Kurzfilm-Oscar nominiert.
Was, um das ganz unbescheiden zu sagen, sicher auch damit zu tun hat, dass kein anderes Land so viel für den Nachwuchs tut wie wir.
Oft gilt ja der Kurzfilm als Probelauf, als Übungsfeld, dem dann das Eigentliche, der große Film, folgt.
Das ist sicher sehr oft der Fall. Die Geschichte des Oberhausener Kurzfilmfestivals zeigt das.
Doch die kleine, feine Form kann noch mehr sein als das, mehr als eine Fingerübung für das Epos.
In ihrer verdichteten Form sind Kurzfilme die Lyrik der Filmkunst.
Ich möchte ein Plädoyer wagen für diese ganz eigene Filmkategorie - und für ein Minderheitenprogramm, das als Nukleus für die Entwicklung der Filmkunst wirkt.
Oberhausen und die vielen anderen Kurzfilmfestivals muss man darum schätzen wie ein - man kann fast sagen: - Biotop.
Denn die Laboratorien sind rar, und das Unangepasste, Widerborstige fällt sonst allzu leicht dem Mainstream und den Quoten zum Opfer.
Die Förderung des Kurzfilmschaffens ist daher ein Schwerpunkt der filmpolitischen Anstrengungen dieser Bundesregierung.
Wir haben dafür trotz schwieriger Kassenlage einiges getan:
Ich weiß: Diese Summe mag bescheiden klingen, aber wir wollen damit erreichen, dass auch experimentelle Filme verstärkt eine Chance auf Realisierung haben.
Vielleicht mehr denn je ist dieses Kurzfilmfestival die Bühne für Innovatives - auch technisch Neues und für Experimente jenseits des wirtschaftlichen Erfolgsdrucks.
Meine Damen und Herren,
es gibt keine Klagen, was die Qualität und die Quantität an Kurzfilmproduktionen angeht.
Doch wo sind diese ganzen guten Filme zu sehen?
Parallel zum Festival findet hier in Oberhausen das Kolloquium "Kurzfilm ins Kino!" statt.
Der "Vorfilm" im Kino, den ich aus meiner Jugend noch so gut kenne, den gibt es nicht mehr.
Er musste den Werbefilmen weichen, die dem Kinobetreiber - das kann man auch verstehen - das Geld bringen.
Und, wenn es um die Ausstrahlung von Kurzfilmen geht, mögen sich auch die Fernsehsender - das sei kritisch angemerkt - ihres Kulturauftrages nicht so recht erinnern.
Mit zwei Ausnahmen, die ich hier ganz ausdrücklich dafür loben möchte: Arte und 3SAT.
Allen anderen - ja, auch den Privaten - sei gesagt: Keine Angst vor dem Kurzfilm!
Dieser Appell richtet sich in gleicher Weise an Verleiher und Kinobetreiber.
Mit gutem Beispiel gehen hier die Kommunalen Kinos voran.
Dort gibt es ganze Reihen nominierter und preisgekrönter Kurzfilme, die auf Tournee gehen - gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Frau Weiss.
Meine Damen und Herren,
1962, als von Oberhausen das Bekenntnis zum neuen Film ausging, war das Festival vom Gefühl des Aufbruchs, der Lust am Gestalten und von Zuversicht geprägt.
Heute, nach 42 Jahre, können wir feststellen:
Der Kurzfilm hat sich jung gehalten, und Oberhausen auch. Diese Atmosphäre, diese kraftvolle Kreativität prägen die Kurzfilmtage immer noch.
Dass dies so bleiben möge - das ist mein Jubiläumswunsch für das Festival und für den deutschen Kurzfilm.
Im vergangenen Jahr schrieb die Neue Ruhrzeitung über die Kurzfilmtage:
"So viele gute Filme - so wenig Zeit".
Also nutzen Sie diese Woche gut, meine Damen und Herren.
Ich wünsche den 50. Internationalen Oberhausener Kurzfilmtagen viel Erfolg und ein möglichst breites Echo.
Allen Gästen und Filmschaffenden eine spannende und anregende Woche.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.