Kurzfilme sind, soweit sie sich nicht der Werbung oder der Wirtschaft verschreiben, qua Gattung nichts zum Repräsentieren, sondern Experiment und Fragment, An- und Probeläufe, Abschlussarbeiten und Abschussrampen. Das große Kino ist in Oberhausen nicht zu Hause, doch mitunter wird es ins Visier genommen, oder es wird sich, und sei es für zwanzig Minuten, danach gestreckt. Andreas Rossmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Mai 2005
Man konnte heuer in Oberhausen vom dauernden, latenten Gegensatz zwischen Digitalvideo und Film sprechen. Zelluloid scheint immer mehr zum bloßen Kinoarchetypus zu verkommen - das Material, nach dem man sich sehnt, das aber unpraktisch geworden ist. Hans Schifferle, Süddeutsche Zeitung, 12. Mai 2005
Was das Festival einte, war ein funkelndes Konzert künstlerischer Differenzen. Etwas Besseres kann es gar nicht geben. Das Herz dabei war die Retrospektive. Zwar mochte man der Reihe "Der gefallene Vorhang - das Ich und das Andere seit 1989" entgegen halten, dass noch weniger als sonst bei diesen traditionellen Sonderprogrammen so recht klar wurde, worum es eigentlich ging, doch das spielte keine Rolle. ... Tatsache war, dass jedes der Programme vor filmhistorischen Entdeckungen nur so strotzte und in der assoziativen Reihung mehr auslöste als alle Theorie. Daniel Kothenschulte, Frankfurter Rundschau, 12. Mai 2005
Kino zwischen gestern und morgen, damit beschäftigte sich auch die große Retrospektive der Kurzfilmtage. Unter dem Titel "Der gefallene Vorhang" wurden Bilder und Vorstellungswelten des kapitalistischen Westens und des sozialistischen Ostens gegenübergestellt, und die Nachwirkungen nach dem Fall der Mauer untersucht - ein unglaublicher Bilder- und Genredschungel, der jede Menge Unterschiede präsentierte, aber auch viele seltsame Annäherungen, etwa die rigide, sehr geschlossene US-Gesellschaft, wie sie in 'educational films' deutlich wird. Hans Schifferle, Süddeutsche Zeitung, 12. Mai 2005
Kein etabliertes Festival in Deutschland macht uns die Historizität der Medien auf vergleichbare Weise bewusst. Nirgendwo sonst wird mit Filmgeschichte derzeit kreativer umgegangen." Daniel Kothenschulte, Frankfurter Rundschau, 12. Mai 2005
Mit 134 Beiträgen aus 36 Ländern bot das Oberhausener Festival einmal mehr einen Querschnitt durch das Genre. Selbstbewusst machte es sich in dem Sonderprogramm "Der gefallene Vorhang" selbst zum Thema. Filme aus den USA, aus China, Russland, Deutschland, Polen und England dokumentierten die Kurzfilmgeschichte seit dem Fall des Eisernen Vorhangs. Gabrielle Schultz, Die Welt, 11. Mai 2005
Das Sonderprogramm verlieh den Oberhausener Kurzfilmtagen einmal mehr einen prägenden Zug. Nichtsdestoweniger trugen auch die Wettbewerbe und die anderen Specials dazu bei, die filmische Verschränkung von Politischem und Experimentellem zu demonstrieren, die in Oberhausen seit Jahren nicht nur auf die Fahnen geschrieben, sondern auch auf die Leinwand projiziert wird. Barbara Wurm, Freitag, 13. Mai 2005
Schon des öfteren haben sich in den vergangenen Jahren die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen als Pionier bei Technik und Programm hervorgetan. Unter den deutschen Filmfestivals gehörten sie zu den ersten, die CD-ROMs und Internet-Projekte, interaktive Medien und virtuelle Welten vorstellten. Außerdem verhalf das agile Team um Festivalleiter Lars Henrik Gass dem Musikvideo durch eigene Programmreihen und einen Wettbewerb zum Durchbruch als eigenständige künstlerische Form des Kurzfilms. Mit Reelport, einer neuen Online-Einreichplattform für Filme, geht Oberhausen nun wieder in technologischer Hinsicht voran und erweist sich erneut als eines der innovativsten Filmfestivals hierzulande. Reinhard Kleber, Filmecho/Filmwoche, Nr. 20/2005
Es gab eine Menge dieser kleinen Filme des Innehaltens, Reflektierens, manchmal resignierend den Status quo in Kauf nehmend, dann aber auch wieder hoffnungsvoll in die Zukunft blickend. Das diesjährige Oberhausener Festival hat endlich wieder bewiesen, dass der Kurzfilm immer noch die Würze des Kinos sein kann. Rolf-Rüdiger Hamacher, Westfälische Rundschau, 11. Mai 2005
Die 51. Internationalen Kurzfilmtage in Oberhausen (5. bis 10. Mai) stehen im Zeichen der Annäherung von bildender Kunst und Kurzfilm. ART, Mai 2005
Die Kurzfilmtage sind [...]auch ein Wirtschaftsfaktor. Das sollte man nicht vergessen, wenn in diesen Tagen wieder heftig über die Kosten der Filmförderung in NRW diskutiert wird. Michael Vaupel, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 5. Mai 2005
Zur Halbzeit hat das traditionsreiche Festival auch nach dem Goldjubiläum des vergangenen Jahres mit bislang oft ausverkauften Vorstellungen überrascht - und im internationalen Wettbewerb mit einer Reihe erstaunlich guter Beiträge aus eher neuen Filmländern. Michael Schmitz, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 9. Mai 2005
Kurze Filme machen süchtig und die Atmosphäre bei den Kurzfilmtagen macht's auch: Wer einmal hingeht, kommt bestimmt auch wieder.[...] Ein besonderes Erlebnis sind die Kurzfilmtage selbstverständlich nicht nur für die Besucher, sondern auch für die FilmemacherInnen, die sich in den Wettbewerben mit den anderen Künstlern messen. Tatjana Turanskyj ist aus Berlin in ihre alte Heimat zurückgekommen. Mit ihren drei Kolleginnen vom Regisseurinnen-Kollektiv "Hangover Ltd" hat sie den Film "Remake" gedreht, in dem sich alles um vier Frauen und einen Mann in einer wodkagetränkten Nacht dreht: "Aufregend ist das, wieder in Oberhausen zu sein", sagt die 38-Jährige, die vor 20 Jahren wegging, "als Teenie habe ich fünf Jahre bei der Filmothek der Jugend gearbeitet." Mit dem Film zu den Kurzfilmtagen eingeladen zu sein, sei ein großes Kompliment. Monika Idems, Neue Ruhr Zeitung, 9. Mai 2005
Nach sechs Tage intensiven Programms kehrt man aus Oberhausen nicht mit etwas Definitivem in der Hand zurück, sondern mit einem verwickelten Strang von Fragen. [...] Eines ist sicher: In Oberhausen wird die Grenze zwischen Arbeiten, die für das Kino bestimmt sind, und Arbeiten, die für Galerien der zeitgenössischen Kunst bestimmt sind, immer schwächer. Elena Marcheschi, Il manifesto (Italien), 28. Mai 2005
Dass Politik und (politische) Haltung auf einem Filmfestival keine "Themenverfehlung" darstellen, war ebenso deutlich in den gezeigten Filmen und Videos zu spüren: Nationale Identität, Kritik am kapitalistisch geprägten Alltag, Migration und illegalisierte Einwanderung standen im Mittelpunkt von Arbeiten, in denen sich dies oft mit den Biografien der Regisseure oder der Reflexion der Bildproduktion verknüpfte. Claudia Slanar, Der Standard (Österreich), 12. Mai 2005
Als im besten Sinne "eigensinnig" präsentierten sich denn auch die Programme des sich seit jeher als politisch verstehenden Festivals. Von strukturalistischen Experimenten (Józef Robakowski) über Super-8-Poesie (Gruppe Anarchistische GummiZelle) und bombastischer Cinemascope-Sinfonie ("Optinen ääni" vom Finnen Mika Taanila) bis hin zur Loop-Prügelei ("Fisticuffs" von Miranda Pennell) und einer Installation von Christoph Girardet boten sie ein reizvolles Meer an Stilen und Ästhetiken. Oliver Baumgarten, Blickpunkt:Film, 30. Mai 2005
Im Mai verwandelt sich die kleine Stadt Oberhausen in den avanciertesten Brennpunkt der globalen Kurzfilmszene. Den Einen zu experimentell, den Anderen zu konventionell, definiert sich das Festival im Wesentlichen durch sein Engagement für die Entdeckung von Innovationen im bewegten Bild sowie durch seine Einzigartigkeit und Kompromisslosigkeit. Shai Heredia, The Hindu (Indien), 29. Mai 2005