
Jury des Deutschen Wettbewerbs 2006:
Alexandra Seibel (Österreich), Alexandra Stäheli (Schweiz), Jan Verwoert (Deutschland)

Preis für den besten Beitrag des Deutschen Wettbewerbs, dotiert mit EUR 5.000
Rien du tout
Regie: Maya Schweizer Clemens von Wedemeyer
Deutschland/Frankreich 2006
Begründung:
Die deutsche Jury vergibt den Preis für den besten Beitrag des deutschen Wettbewerbs an den Film "Rien du tout" von Clemens von Wedemeyer und Maya Schweizer. Der Film beschreibt treffend die prekären Arbeitsverhältnisse, die heute immer mehr das gesellschaftliche Leben bestimmen. Er tut dies jedoch nicht im Stil einer Sozialreportage mit voraussehbarer Pointe. Stattdessen entwerfen Wedemeyer und Schweizer eine Reihe von Szenen, die sich während der Proben zu einem Theaterstück abspielen könnten. Durch diese Verfremdung der Situation zeigen sich die Abhängigkeiten, Unsicherheiten und Widerstände, die das Arbeitsverhältnis zwischen den Akteuren bestimmen, umso deutlicher. Jedes dieser Verhältnisse gestaltet sich anders, die Kamera konzentriert sich auf Details und bleibt unruhig, um dann, zum Schluss überraschend alle Akteure in einem Bild zu versammeln, einem Bild, das in einem eindrucksvollen Tableau eine Gesellschaft zeigt, in der alles auseinander fällt, aber alle von einander abhängig bleiben.

3sat-Förderpreis, dotiert mit EUR 2.500 für einen Beitrag, der sich durch eine neue Sichtweise auszeichnet. Der Preis umfasst darüber hinaus das Angebot, den ausgezeichneten Beitrag zu erwerben und im 3sat-Programm zu präsentieren.
o.T.
Regie: Anna Berger
Deutschland 2005
Begründung:
Den 3sat Förderpreis vergeben wir an den Film "o.T." von Anna Berger. Der Film handelt vom Schmerz über den Tod der eigenen Mutter. Im Voice-Over spricht eine junge Frau über die Unmöglichkeit, diesem Schmerz mit Therapien beizukommen. Sie tut dies mit demselben lakonischen Humor, der auch die Bilder des Filmes prägt. Es sind Bilder von absurden Momenten, in denen sich der Riss zeigt, der durch die Welt geht, wenn alles im Leben irgendwie nicht mehr stimmt. Man muss lachen, aber dieses Lachen ist immer zugleich eine Art, einen Schmerz anzuerkennen, der nicht weggeht. Anna Berger findet so mit einfachen Mitteln starke Bilder und Formulierungen für eine Form der Trauer, die im Humor liegt.

Lobende Erwähnungen der Jury des deutschen Wettbewerbs
Gut möglich, dass ich fliegen kann
Regie: Anna Doose
Deutschland 2006
with you
Regie: Eva Könnemann
Deutschland 2006
Begründung:
Die deutsche Jury spricht darüber hinaus lobende Erwähnungen für zwei Filme aus, die, wie wir finden, auf verschiedene Weise zeigen, wie man Filme machen kann. Zum einen ist das "Gut möglich, dass ich fliegen kann" von Hanna Doose, die mit den Mitteln des Kurzfilms ein komplettes Melodram inszeniert und dem Übermaß an Gefühl, das dabei entsteht, auf überraschende Weise in Gesangseinlagen Ausdruck verleiht. Zum anderen ist das von Eva Könnemann, die eine einzelne Figur in einer realen Situation filmt und diese Bilder nur mithilfe eines Voice-Overs zu einer Geschichte zusammenfügt.