Seit mehr als 50 Jahren eine der berühmtesten Probierstuben des Kinos. Stern, 20. April 2006
Dass in Oberhausen Politik und Ästhetik längst keine Gegensätze mehr darstellen, sah man darin, wie die "Radical Closure"-Reihe, die stets auch den Wahrheitsgehalt von Bildern hinterfragte, mit den Wettbewerbsfilmen korrespondierte." Hans Schifferle, Süddeutsche Zeitung, 11. Mai 2006
Das Beste an Oberhausen ist vielleicht, dass es nicht versucht, Kanten abzuschleifen oder sich für seinen Festivalort in der Provinz zu entschuldigen... Festivals sind schließlich Anlässe zum Feiern: glücklich die am Rand stehen. Mike Sperlinger, Frieze, September 2006
Der kurze Film muss sich nicht ständig neu erfinden, dennoch tut er es. Vielleicht gerade deshalb, weil er nicht dem kommerziellen Druck an den Kinokassen ausgesetzt ist. Dass der kurze Film zur Schule des lustvollen Sehens wird, haben die 52. Internationalen Kurzfilmtage in Oberhausen eindrucksvoll bewiesen. Seit Lars Henrik Gass die Leitung übernommen hat, bilden sich einmal im Jahr eine Woche lang Schlangen vor den Kassen. Denn das Gass-Team hat das älteste Kurzfilmfestival der Welt mit Filmen zu seinen Wurzeln zurückgeführt, die mit Sehgewohnheiten brechen, die unerwartet mit der Sprengkraft einer Hundertstel Sekunde verblüffende Sichtweisen auf das Leben offenbaren. Gabrielle Schultz, Die Welt, 10. Mai 2006
Vielleicht ist [Robert] Nelsons Kino so etwas wie südkalifornischer Dadaismus, verspielte, versponnene, verdichtete Montagen aus Elementen des Vaudeville, des Slapstick, der Pin-up- und Autokultur, vermählt mit dem Geist des I Ching. Seine Filme überwältigen den Zuschauer nicht. Aber man spürt doch, und gerade deshalb, ihre Größe. In einer genuin amerikanischen Lässigkeit und einer schönen Bescheidenheit liegt diese Größe begründet, und natürlich in dieser radikalen Freiheit im Umgang mit Bild und Ton. [...] Wie eine Erinnerung an die Freiheit, an eine verlorene Zeit, da die Lust am Filmemachen und Filmeschauen noch etwas bedeutete, wirken heute Nelsons Bilder. Fragen um diese Freiheit und ihr Gegenstück, die Abgeschlossenheit, standen im Mittelpunkt der diesjährigen Kurzfilmtage. "Radical Closure" hieß ein vielschichtiges Special des Festivals, in dem vor allem Filme aus dem Nahen Osten gezeigt wurden. Hans Schifferle, Süddeutsche Zeitung, 11. Mai 2006
Oberhausen innerhalb und außerhalb der Kinos kann man auch als einen Katalog der popkulturellen Fragmente lesen, als ein arkadisches Wasteland. Hans Schifferle, Süddeutsche Zeitung, 11. Mai 2006
Die Glitzerwelt des Kinos feiert sich anderswo. Hier geht es seit je um Filme, "in denen ein wichtiges Anliegen spürbar ist", wie Festivalleiter Lars Henrik Gass in seiner Rede betonte. Andreas Rossmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Mai 2006
Die anspruchsvollsten und überzeugendsten Kurzfilme waren jene, die das eigene Medium reflektieren. Andreas Rossmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Mai 2006
Was ist Kunst? Was ist Theater? Was ist Film? Man hat sich daran gewöhnt, diese Frage anhand der Wirkungskontexte zu beantworten. Kunst ist, was das Kunstmuseum zeigt, Theater, was die Bühnen spielen, und Film ist eben, was im Kino läuft. Mit dieser einfachen Regel kommt man in der Praxis schon recht weit. Sie erinnert uns daran, dass die Definition von Kunst noch nichts mit ihrer Qualität zu tun hat. Den Kurzfilm abr kann sie nicht erklären, weil er kein Zuhause hat. Natürlich könnte man sagen, der Kurzfilm sei das, was in Oberhausen läuft. Damit aber wollten sich schon die Unterzeichner des berühmten Manifests von 1962 nicht zufrieden geben. Die Bedeutung der Kurzfilmtage besteht spätestens seit den achtziger Jahren, als die Filmtheoretikerin Karola Gramann die Leitung übernahm, in der Kontextproduktion. Daniel Kothenschulte, Frankfurter Rundschau, 11. Mai 2006
Mitunter hätte man sich bei "Radical Closure" eine intensivere Auseinandersetzung mit den gezeigten künstlerischen Strategien erhofft. Nichtsdestotrotz ergaben die Filme und Dokumente eine beeindruckende Landkarte, auf der sich Bilder nicht gegenseitig verdeckten, sondern sich im Laufe von fünf Tagen produktiv ergänzten. Dominik Kamalzadeh, die tageszeitung, 11. Mai 2006
Politische Widerständigkeit ist eine Tradition, die die Kurzfilmtage seit ihrer Gründung vor 52 Jahren programmatisch begleitet und auch von dem seit 1998 amtierenden Festivalleiter Lars Henrik Gass gepflegt wird. Bei aller Vielfalt sieht sich das Festival dabei bewusst als lebendiges "Korrektiv" zu einem zunehmend vereinheitlichten Markt und zu einem Kulturbetrieb, der sich in Konkurrenztreiben verliert. Im Katalog fällt das emphatische Wort vom "arkadischen Ort". Ein Begriff, der gut passt zur friedlichen Koexistenz verschiedener Filmlebensformen unter den im deutschen und internationalen Wettbewerb versammelten Filmen. Silvia Hallensleben, Der Tagesspiegel, 11. Mai 2006
"Nächstes Jahr dann mit einem eigenen Kurzfilm!", rufen sich nicht selten die Besucher der Kurzfilmtage in Oberhausen zum Abschied zu. Was man als unbedingtes Lob auf das Festival zum einen und auf das Genre zum anderen verstehen muss. Nah dran zu sein am Puls der Zeit, an dem, was "auf den Nägeln brennt" und deshalb zur Tat inspiriert, dieses Gefühl zu vermitteln verstehen die Festivalmacher in ihren Themenschwerpunkten und Reihen jedes Jahr aufs Neue. Barbara Schweizerhof, Freitag, 12. Mai 2006
Die Film-Welt zu Gast bei Freunden. Freizeit (Beilage der WAZ-Gruppe), 28. April 2006
Gefühlte Bilanz: zu kurz Westdeutsche Allgemeine Zeitung Oberhausen, 10. Mai 2006
Hier siehst du alles: mutige Dokumentationen aus Afrika, die dich erschüttern, poetische Animationen aus Malaysia, die dich bezaubern, experimentelle Arbeiten aus Frankreich, die du ums Verrecken nicht verstehst, aus Deutschland durchgeknallte Mischungen verschiedener Genres, bei denen du schallend lachen musst, oder Spielfilme aus England, bei denen dir die Tränen kommen. Monika Idems, Neue Ruhr Zeitung, 29. April 2006
In der Lichtburg unser Film: "Reigen der Ziegen" auf riesenhafter Leinwand vor ausverkauften Rängen; ein bisschen wie im Märchen. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen: sechs Tage lang Kurzfilm sechs Tage lang Oberhausener Gastfreundschaft allererster Güte. Michael Sasdi, Schweiz (Regisseur "Reigen der Ziegen" im Internationalen Wettbewerb 2006)
Wie man intelligent Form und Inhalt verknüpft, konnte man in der dem amerikanischen Experimentalfilmer Robert Nelson gewidmeten Retrospektive lernen: sein selten zu sehendes Werk gehörte zu den Höhepunkten eines überdurchschnittlichen Kurzfilmjahrgangs, der auf die nächste "Ernte" Appetit macht. Rolf-Rüdiger Hamacher, Westfälische Rundschau, 10. Mai 2006
In Oberhausen kann man sich auf eine umfangreiche und aufregende Filmauswahl verlassen. Kulturspiegel, 29. April 2006
Oberhausen ist eines der ältesten und avantgardistischsten Filmfestivals der Welt. [...] Weil es Kurzfilme aller Art präsentiert - von Dokumentar- und Spielfilmen bis zu Kunstfilmen und Musikvideos - und Kurzfilme auf allen Medien aufnimmt - von Super 8 und 16 mm bis zu 35 mm und digitalen Videos - ist es heute als der beste Ort für die Jagd nach neuen Talenten bekannt. Das Festival verwischt nicht einfach die Grenze zwischen kommerziellem und nicht-kommerziellem Film - man kann wohl sagen, dass es diese Grenze ist. Kaelen Wilson-Goldie, The Daily Star, Libanon, 12. Mai 2006
Die sich auffällig häufende Neigung zum Dokumentarischen und zum technisch nicht perfekten, "rauen" Bild lässt sich auch als Sehnsucht nach einem unverstellten Zugriff auf die Wirklichkeit, letztlich nach einer neuen Ernsthaftigkeit interpretieren. Der trugen die Festivalmacher in Oberhausen im Begleitprogramm Rechnung durch eine außerordentlich gut besuchte Diskussionsreihe zu aktuellen Themen. Wie überhaupt sowohl in der Auswahl der Nebenreihen als auch der Aufgeschlossenheit den neuen Medien gegenüber - Podcasts auf der Homepage - die Festivalleitung einen Sinn für Zeitgenossenschaft an den Tag legt, der den negativen Assoziationen des "Altehrwürdigen" entgegenwirkt und gleichzeitig die Tradition des Engagements, für die Oberhausen auch steht, recht erfolgreich fortsetzt. Barbara Schweizerhof, epd film 7/2006
Die seit langem zu beobachtende Osmose zwischen Filmszene und Kunstbetrieb schlug sich im Programm explizit in einer eigenen Sonderreihe nieder. Zwölf Verleiher experimenteller Filme stellten eine Auswahl ihres Sortiments vor, das von klassischen Museums-Loops bis zu Fingerübungen renommierter bildender Künstler wie Lawrence Weiners "Inherent in the Rhumb Line" (USA 2005) reichte. Wer jedoch eine strenge Linie zwischen derartigen Kunstmarkt-Screenings und den Wettbewerbsvorführungen ziehen wollte, geriet rasch in Erklärungsnot. Michael Kohler, film-dienst 12/2006
(...) Eine erstklassige Phalanx an Dokumentarfilmen, wie man sie seit den seligen Tagen der osteuropäischen Dokumentarfilmstudios nicht mehr gesehen hat. Georg Immich, Film & TV Kameramann 6/2006
Mit fachkundig besetzten Gesprächsrunden über Kulturpolitik und Medienpädagogik, Internetfernsehen und Verkaufsstrategie für bewegte Bilder wurde Oberhausen in neuem Gewand seinem Ruf gerecht, ein diskussions- und reflexionsfreudiges Festival zu sein. Reinhard Kleber, filmecho/filmwoche, 20. Mai 2006
Gerade leicht konsumierbar sind die künstlerischen Extreme aus der ganzen Welt nicht - und doch findet die aktuelle internationale Filmavantgarde erfreulicherweise ihr Publikum. Nicht nur ausverkaufte Kinos in der Oberhausener Lichtburg, auch zum Bersten gefüllte Auditorien der Diskussionsrunden sprechen für sich. Oliver Baumgarten, Blickpunkt:Film, 22. Mai 2006
Die Oberhausener Kurzfilmtage haben einmal mehr die besondere Fähigkeit des internationalen Kurzfilms bestätigt, Gefühle und Problematiken der heutigen Gesellschaften in allen Einzelheiten zu begreifen und sie mit durchdringender ästhetischer Kraft zu transportieren. Dieter Wieczorek, Documents, Frankreich, 3/2006
Zwar ist Oberhausen durchaus bereit, auf zermürbender Ernsthaftigkeit zu bestehen - aber eben nur, wenn unbedingt notwendig. Dies bewiesen auch dieses Jahr die besten der auf dem Festival gezeigten Arbeiten, die ihre Hintergründigkeiten und Experimente mit technischer Brillanz und Liebe zum Gezeigten verbanden. Carsten Tritt, Schnitt, Nr. 43, 3/2006
Film/Montage im Labor, eine unendliche Anzahl an möglichen Verknüpfungen, Aufspaltungen, Vervielfältigungen, permanente Bedeutungsverschiebungen, Zwischenräume. Film als punktuelle Fixierung eines Potenzials. Da scheint es schon fast nahe liegend, dass Nelson einige der Filme (ca. 30) Jahre später wieder bearbeitet, neu schneidet oder zerstört. Es sind vorläufige Filme, die sich ständig verändern (können) oder aber auch verschwinden, nur als Titel zurückbleiben. Filme, die einen klassischen Werkbegriff, der auf Einheit, Kontingenz und Kontinuität baut, aushebeln. Tanja Widmann in Malmö, Österreich, Nr. 32, Spätfrühling 2006
Neben dieser aktuellen politischen Dimension von pointierten künstlerischen Interventionen [im Programm "Radical Closure"] wurde in Oberhausen einmal mehr daran erinnert, dass die kurze Form gerade im Avantgardebereich von jeher anerkannt war. Daran, dass die Frage der Dauer eines Films zunächst einmal auch eine konzeptuelle Entscheidung darstellt, die bestimmten Inhalten oder filmischen Experimenten angemessen ist. Isabella Reicher, Der Standard, Österreich, 10. Mai 2006