Das Ich existiert nicht. Es ist ein soziales, ästhetisches, politisches, historisches oder zeitgenössisches Konstrukt, das immer nur für einen bestimmten Zweck geschaffen wird.
Die Illusion des Ich stellt diese These zur Diskussion. In einer Serie von vier zusammenhängenden Gesprächen sollen vergangene und gegenwärtige Ausprägungen des „Ich“ in den darstellenden Künsten und vor allem im Künstlerfilm und -video näher beleuchtet werden, von frühen Definitionen des Genres als „personal film“ über die Beziehung zwischen dem Privaten und dem Politischen in den späten 1960er und 1970er Jahren bis hin zu Video- und Identitätsstrategien der 1980er und zum neu erwachten Interesse der zeitgenössischen Kunst und kritischen Theorie am Affekt.
Jedes Podium entwickelt eine andere Alternative zum Format der Podiumsdiskussion, die jedoch immer das Gespräch mit dem Publikum mit einschließt. Wie Markierungen auf einer imaginären Landkarte werden Gespräche, Archivmaterial, performative Präsentationen, eine Vorlesung und ein runder Tisch verschiedene Vorstellungen vom Ich und seinen Manifestationen zur Diskussion stellen.
Beiträge von Künstlern, Filmemachern, Kulturhistorikern, Theoretikern und Kuratoren fügen sich so im Lauf des Festivals zu einer einzigartigen, organischen und öffentlichen Diskussionsplattform zusammen. Gleichzeitig greift das Programm andere Veranstaltungen des Festivals auf und reflektiert sie, mit einer Diskussion zu „Vom Meeresgrund. Das Experiment Film 1898-1918“ und Gästen, die das No Wave Profil begleiten.
Der Kurator:
Ian White ist Außerordentlicher Filmkurator für die Whitechapel Art Gallery in London und entwickelt außerdem unabhängige Projekte. Für die Kurzfilmtage kuratierte er unter anderem 2007 das Thema Kinomuseum. Er ist Autor und Künstler.