Brüder Lumière: Concours de boules
Der Begriff „Ereignis“ stammt vom neuhochdeutschen Verb „eräugen“ ab, meint also ursprünglich, dass sich etwas ereigne, damit es „eräugt“, also angeschaut werden könne. Sportliche Ereignisse werden im Film und im Fernsehen oft so dargestellt, dass nicht nur die Sportlerinnen und Sportler, sondern auch die im Bild erscheinen, die am Ort das Geschehen betrachten. Es ist, als wollte diese Bildgestaltung sagen, dass das Ereignis des Betrachtens wert sei. In einer der „Vues“, die von der Firma Lumière seit 1895 mit einer der selbstgebauten Kameras aufgenommen wurden, sorgen 1896 die, die zuschauen, zudem für eine weitere Bewegung, die quer zur Bewegung des Sports – hier vom „Jeu des bolues“ – stattfinden. Manche dieser Bewegungen sind durch die Kamera und den Operateur provoziert. So läuft einer der Spieler nach seinem Wurf nach vorne und jubelt, gerät dabei in Gefahr, den Blick der Kamera zu verstellen. Da muss ihn ein Ruf des Operateurs ereilt haben, denn er weicht nach rechts zurück. Seine ausholende Armbewegung signalisiert, dass der Blick doch nun frei sei. Danach weist er andere Zuschauer daraufhin, den Blick der Kamera nicht zu verstellen. Damit das Ereignis selbst zu sehen ist.
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