Andere

Thema

„Solidarität als Störung“, kuratiert von Branka Benčić (Kroatien) und Aleksandra Sekulić (Serbien), war als Thema-Programm der Kurzfilmtage 2020 konzipiert und musste wegen Corona abgesagt werden. Nun holen wir ein Thema online nach, das aktueller ist denn je. Das Programm fragt, wie Solidarität, mit filmischen Mitteln als politisches Projekt neu definiert werden kann. Ausgehend von einem Schwerpunkt auf Filmen aus dem ehemaligen Jugoslawien seit den 1960er Jahren, untersuchen die Kuratorinnen das Konzept und seine Geschichte in einem breiteren Kontext, von kollektiven Filmbewegungen bis zur Ästhetik der Arbeiter als politische Subjekte.

Die Bandbreite reicht von Meisterwerken der „Schwarzen Welle“ wie Želimir Žilniks Nezaposleni ljudi (Die Arbeitslosen) von 1968 bis zu jüngeren Arbeiten wie Nika Autors Obzornik 63 – Vlak senc (Newsreel 63 – The Train of Shadows) von 2017, von Jean-Marie Straub und Danièle Huillets Europa 2005-27 Octobre (2006) bis zum Museum Songspiel 20XX (2011) des Petersburger Chto Delat-Kollektivs.

Die Kuratorinnen

Branka Benčić ist Kuratorin und Kunsthistorikerin, Direktorin des Museums für moderne und zeitgenössische Kunst in Rijeka, Kroatien. Sie hat Ausstellungen und Vorführungen in Kroatien und international kuratiert und war künstlerische Leiterin des Apoteka Space für zeitgenössische Kunst, kuratierte die Artists Cinema-Reihe im Museum für zeitgenössische Kunst Zagreb und das Think Film-Programm Cinemaniac für das Pula Film Festival. Sie kuratierte den kroatischen Pavillon auf der 57. Biennale von Venedig (2017).

Aleksandra Sekulić ist Philologin für allgemeine Literatur und Literaturtheorie und Programmkuratorin am Zentrum für Kulturelle Dekontamination (CZKD) in Belgrad. In den 2000er Jahren war sie Programmkuratorin und Filmproduzentin am Akademischen Filmzentrum in Belgrad und Mitglied der Low-Fi Videobewegung, des Projekts Media Archaeology und des Kollektivs Kosmoplovci in Belgrad.

Thema – Hintergrund

Ebenso bedeutsam wie die Wettbewerbe und seit den 1990er Jahren ein zentraler und erfolgreicher Teil des Profils der Kurzfilmtage ist das Thema, ein umfangreiches Programm zu jährlich wechselnden Fragestellungen. Die Kurzfilmtage stellen hier die enorme Ausdifferenzierung der kurzen Form, ob Avantgarde-, Werbe- oder Wissenschaftsfilm, ob erweitertes Kino oder lineare Installations-Auskoppelung, innerhalb thematischer Kontexte dar. So schaffen sie ein Forum für filmische und gesellschaftliche Diskussionen, die sich, ausgehend vom Kurzfilm, weit über filmbezogene Fragestellungen hinaus erstrecken und einen übergreifenden Dialog über Bildproduktion in den Künsten, den neuen Technologien und Wissenschaften führen.

Themen der letzten Jahre

U.a. „Das Auge der Bombe“ (1991), „Werbefilm“ (1992), „HDTV“ (1992), „Konfrontation der Kulturen“ (1993), „Instudriefilmfaszination“ (1995), „Hyper Media“ (1997), „Nützliche Bilder“ (1998), „1968/98“ (1998), „Städte, Territorien“ (1999), „Pop Unlimited?“ (2000), „Sex, Rock'n'Roll and History“ (2000), „Out of Time“ (2001), „Katastrophe“ (2002), „re<lokal>isierung“ (2003), „50 Jahre Kurzfilme in Oberhausen“ (2004), „Der gefallene Vorhang“ (2005), „Radical Closure“ (2006), „Kinomuseum“ (2007), „Dreh Dich nicht um! Kinder, Kindheit, Kino“ (2007),  „Wessen Geschichte?“ (2008) und „Grenzgänger und Unruhestifter“ (2008) „Unreal Asia“ (2009), „Vom Meeresgrund: Das Experiment Film 1898-1918“ (2010), „Das Kino der Tiere. Eine kurze Geschichte des Tierfilms“ (2011), „Provokation der Wirklichkeit: Mavericks, MouveMents, Manifestos“ (2012), „Flatness: Kino nach dem Internet“ (2013), „Memories Can't Wait - Film without Film“ (2014), „Das Dritte Bild – 3D-Kino als Experiment“ (2015), „El pueblo – Auf der Suche nach dem neuen Lateinamerika“ (2016), „Soziale Medien vor dem Internet“ (2017), „Abschied vom Kino – Knokke, Hamburg, Oberhausen“ (1967–1971) (2018), „Die Sprache der Verlockung: Trailer zwischen Werbung und Avantgarde“ (2019).

Kontakt

Profile

In den Profilen stellen die Kurzfilmtage traditionell herausragende Filmemacherinnen und Filmemacher vor, die sich zum Teil über Jahrzehnte hinweg mit der kurzen Form in allen ihren Facetten beschäftigt haben. Die Programme werden stets persönlich von den Künstlerinnen oder Filmemachern vorgestellt.

Baloji

2019 war Balojis Zombies die Entdeckung der Kurzfilmtage: Ein Tanzvideo, das visuell extravagant und mühelos zwischen Glamour, Straßenfest und Müllkippe wechselte und mit dem Hauptpreis der Internationalen Jury ausgezeichnet wurde. Besser bekannt als Rapper und DJ, hat Baloji seitdem ein kleines, aber beeindruckendes Kurzfilmwerk geschaffen, das die Kurzfilmtage in der ersten Werkschau seiner Arbeiten überhaupt präsentieren. Angesiedelt irgendwo zwischen Kurzfilm und Musikvideo, reichen sie von der Parodie auf das Unterhaltungsfernsehen in afrikanischen Diktaturen bis zur Liebeserklärung an die Schönheit.

@ Baloji

Melika Bass

2018 wurde ihr Film Creature Companion von der Internationalen Jury mit einer Lobenden Erwähnung ausgezeichnet, nun präsentieren die Kurzfilmtage eine Auswahl der Arbeiten der vielfach ausgezeichneten amerikanischen Regisseurin und Installationskünstlerin Melika Bass, die unter anderem 2021 als USA Artist im Bereich Film nominiert war. Die Auswahl umfasst Filme aus den Jahren 2008 bis 2018. Bass‘ Filme sind metaphorische Narrative, oft getragen von stillen, sich wiederholenden Bewegungen, mit einem genauen Blick auf die ritualisierten Bewegungsabläufe des menschlichen Körpers und oft angesiedelt im Mittleren Westen der USA.

@ Melika Bass

Marie Lukáčová

Die tschechische Videokünstlerin Marie Lukáčová, Mitbegründerin der feministischen Gruppe „The Fourth Wave“, arbeitet aktivistisch und feministisch, gleichzeitig sind ihre Filme immer durchlässig für Utopien, Sagen oder Fantasien, durchsetzt von surrealen Elementen, die die Fehler im (gesellschaftlichen) System bloßlegen. 2020 gewann sie mit Milenina píseň eine Lobende Erwähnung der Ökumenischen Jury, 2021 wurde ihr neuer Film Pole Žin für den Internationalen Online-Wettbewerb ausgewählt. Nach zahlreichen Ausstellungen in Tschechien, Polen und Griechenland präsentieren die Kurzfilmtage nun erstmals auf einem Filmfestival eine Auswahl ihrer Arbeiten.

Salla Tykkä

International bekannt wurde die finnische Fotografin und Videokünstlerin Salla Tykkä mit einer Trilogie, in der sie männliche Filmgenres in weibliche Erweckungsgeschichten verwandelte. Mit Lasso (2000), in dem der Western seziert wird, war sie 2002 in Oberhausen im Internationalen Wettbewerb. Tykkä blickt auf zahlreiche Gruppen- und Solo-Ausstellungen zurück, unter anderem nahm sie 2001 an der Venedig-Biennale teil. Die Kurzfilmtage haben ihre Arbeiten seitdem häufig gezeigt, nun präsentieren sie einen Überblick über das Werk einer Künstlerin, die in ihren Arbeiten autobiografische Bezüge zu Analysen der Beziehungen zwischen weiblichen und männlichen Figuren, zwischen Sexualität und Emotion ausweitet.

@ Salla Tykkä

Bisherige Profile

Sandor Aguilar (2017), Eija-Lisa Ahtila (2000), Victor Alimpiev/Olga Stolpovskaya (2006), Wojciech Bakowski (2014), Craig Baldwin (2000), Guy Ben-Ner (2007), Majoleine Boonstra (2007), Louise Botkay (2018), Linda Christanell (2012), Raquel Chalfi (2016), Jem Cohen (2001), Josef Dabernig (2016), Kiri Dalena (2019), Amit Dutta (2010), Nicolás Echevarría (2009), Heinz Emigholz (2001), Factory of Found Clothes (2009), Helga Fanderl (2013), Jeanne Faust (2016), Herbert Fritsch (2009), Susannah Gent (2020), Karpo Godina/Želimir Žilnik (2002), Marina Grižnić/Aina Šmid (2003), Bert Haanstra (1998), Anne Haugsgjerd (2016), Stefan Hayn (2005), James Herbert (1999), Yamada Isao (2004), Ito Takashi (2015), Ken Jacobs (1996), Jim Jennings (1998), William E. Jones (2011), Larry Jordan (2001), Aryan Kaganof (2014), Kanai Katsu (2007), Patrice Kirchhofer (2008), Ken Kobland (2007), Eva Könnemann (2018), Andrew Kötting (2008), Petar Krelja, Krsto Papić und Zoran Tadic (2013), Grzegorz Królikiewicz (2011), Mark Lewis (2005), Salomé Lamas (2018), Dušan Makavejev (2003), Mara Mattuschka (2014), John Maybury (2002), Philbert Aimé Mbabazi Sharangabo (2020), Bjørn Melhus (2017), Deimantas Narkevicius (2014), Erkka Nissinen (2015), Matsumotu Toshio (2009), Münchner Gruppe: Klaus Lemke/Rudolf Thome/Max Zihlmann (2003), Gunvor Nelson (2010), Robert Nelson (2006), Vera Neubauer (2012), Ho Tzu Nyen (2013), No Wave (2010), Jayne Parker (2004), Kayako Oki (2019), Miranda Pennell (2006), Ilppo Pohjola (2012), Luther Price (2013), Laure Prouvost (2013), William Raban (2015), Jennifer Reeder (2015), Lis Rhodes  (2008), Jósef Robakowski (2005), Roee Rosen (2012), Roter Hahn 1907 (2011), Larissa Sansour (2017), Sarajevo Documentary School (2009), Boris Schafgans (2006), Maya Schweizer (2020), John Smith (2002), Alexander Sokurov (2019), Eva Stefani (2019), Barbara Sternberg (2017), Sun Xun (2016), Jaan Toomik (2017), Robert Van Ackeren (2001), Mona Vătămanu & Florin Tudor (2018), Vipin Vijay (2015), Laura Waddington (2005), Orson Welles (2000), Joyce Wieland (2002), Charles Wilp (2001), John Wood & Paul Harrison (1999), Fred Worden (2010), Nina Yuen (2017) und Akram Zaatari (2008).

Profile im Rückblick

Die Profile aus dem letzten Jahr finden Sie hier.

Kontakt

Katharina Schröder
schroeder(at)kurzfilmtage.de

Verleihe

2006 erweiterten die Kurzfilmtage ihren Markt durch Screenings aus den Katalogen ausgewählter internationaler Verleihe experimenteller und künstlerischer Kurzfilme. Der Erfolg war überwältigend: Vom ersten Tag an waren die Säle voll besetzt und das Interesse des Publikums groß. 2021 werden vierzehn internationale Verleihe ihre Kataloge vorstellen.

Hintergrund

2006 führten die Kurzfilmtage diese Sektion ein und schlossen damit eine Lücke: Eine internationale Plattform für Screenings, Begegnungen und Fachdiskussionen, spezifisch zugeschnitten auf Verleihe von Avantgarde- und Experimentalfilmen, gab es damals nicht. Die Sektion entwickelte sich sehr schnell zum weltweit größten Showcase für Verleihe von künstlerischen Filmen und ist heute eine feste Größe im Terminkalender des an Kurzfilm interessierten Fachpublikums. Vertreter*innen aller Verleihe sind in Oberhausen. Damit ist diese Programmreihe nicht nur Schaufenster aktueller internationaler künstlerischer Bewegtbilder, sondern auch eine lebendige Plattform für Kontaktpflege und Austausch.

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Archive

Seit 2013 rücken die Kurzfilmtage hier ein oft vernachlässigtes Thema in den Vordergrund: die Archivierung und Restaurierung von experimentellen Filmen. Internationale Archive werden eingeladen, ihre Bestände und ihre Arbeit vorzustellen. Von Anfang an stieß diese Sektion auf großes Interesse und hat sich beim Publikum wie beim Fachpublikum schnell als einer der beliebtesten Teile des Festivals etabliert.

Chaos der Gegenwart: Robert Frank/Visual Studies Workshop

Mit dem Fotoband „The Americans“ (1958) schuf Robert Frank einen Meilenstein der modernen Fotografiegeschichte, nur um sich den Rest seines Lebens dem Kurzfilm zu widmen – zwei Mal, für The Present und True Story, wurde er auf den Kurzfilmtagen mit Hauptpreisen geehrt. 1971 übernahm er einen Lehrauftrag des gerade gegründeten Visual Studies Workshop in Rochester (USA) und gab seinen sechs Studenten auf, „das Chaos der Gegenwart zu beschreiben“. Das Resultat ist About Us; der Visual Studies Workshop stellt den kaum bekannten und selten gezeigten Kurzfilm nun in Oberhausen vor.

Jubiläum für Experimente: Collectif Jeune Cinema

Anfang der 1970er Jahre organisierte sich die Filmkunst neu. Überall auf der Welt schlossen sich Filmemacher nach dem Vorbild der New Yorker Filmmakers Coop zusammen, um gemeinsam für den progressiven Film zu kämpfen. Aus diesem Geist wurde auch Collectif Jeune Cinema (CJC) geboren, eine Pariser Verleihkooperative, die dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Gegründet im Kontext des Festival International du Jeune Cinéma von Hyères, zählt das Kollektiv heute rund 400 Mitglieder aus allen Teilen der Welt und verleiht mehr als 1 600 vorwiegend experimentelle Filme. Aus diesem reichhaltigen Archiv stammt auch das Jubiläumsprogramm, mit dem sich CJC in Oberhausen vorstellt: Selten gezeigte Filme aus der französischen Untergrundszene der 1970er und 1980er Jahre, von Filmemachern wie Pierre Bressan und Jean-Pierre Ceton, darunter mit Yves-André Delubacs Le chant des Signes ein klassischer Dachbodenfund.

Bisher eingeladene Archive

Academy Film Archive, Los Angeles (2015); ACC Film and Video Archive, Gwangju (2018); BFI National Archive, London (2015); Center for Visual Music, Los Angeles (2016); Centre Georges Pompidou, Paris (2016); Cinémathèque de la Ville de Luxembourg und Centre national de l'audiovisuel, Luxemburg (2018); Cinémathèque Française, Paris (2013); Cinemateca Portugesa, Lissabon (2017); Cyland Video Archive, St. Petersburg (2020); Eye Film, Amsterdam (2014); Filmoteca de Catalunya, Barcelona (2018); Filmoteka Muzeum, Warschau (2014); Fundacja Arton, Warschau (2020); Gosfilmofond, Moskau (2017); Harvard Film Archive, Cambridge (2014); Home Movies - Archivio Nazionale del Film di Famiglia, Bologna (2017); Israel Film Archive, Jerusalem (2019); Österreichisches Filmmuseum, Wien (2015); Národní filmový archiv, Prag (2019); National Film Center, Tokyo  (2015); Pacific Film Archive, Berkeley (2013); Slovak Film Institute, Bratislava (2018); Slovenska Kinoteka, Ljubljana (2013), Swedish Film Institute, Stockholm (2017); The Temenos Archive, Zürich (2014); Videokunstarkivet, Oslo (2016); Walker Art Center, Minneapolis (2019).

Kontakt

Katharina Schröder
schroeder(at)kurzfilmtage.de

Labs

Kollektive Unternehmungen auf Zelluloid
In dieser Sektion präsentieren die Kurzfilmtage seit 2018 Anliegen und Arbeiten internationaler Künstlerlabore, die mit analogem Film arbeiten und eigene, kollektive Distributionsmodelle entwickeln. Labs aus der ganzen Welt werden eingeladen, Arbeiten zu präsentieren, die aus aktuellen Workshops hervorgegangen sind.

Labs Hintergrund

Labs: Kollektive Unternehmungen auf Zelluloid
2018 eingeführt, widmet sich „Labs“ den zahlreichen Künstlerlaboren, die ein Netzwerk gebildet haben und mit eigenen Veranstaltungen an die Öffentlichkeit treten (filmlabs.org). Damit setzt die Sektion die Beschäftigung der Kurzfilmtage mit Alternativen zur Herrschaft des Digitalen fort. Hier geht es um die Interaktion zwischen Zelluloid und fotochemischen Verfahren, ebenso wie um kollektive, unabhängige Produktions- und Distributionsmodelle. Die kommerzielle Auswertung des analogen Films geht ihrem Ende entgegen. Welche Perspektiven können der analoge künstlerische Film und kollektive Arbeitsweisen in unserer postkinematografischen Wirklichkeit haben? So wird ein Diskurs über Fragen der Produktion, des Verleihs, der Aufführung sowie der Ästhetik vertieft.

Projektkoordinator

Vassily Bourikas
bourikas(at)kurzfilmtage.de

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Conditional Cinema: Blast of Absence

Ursprünglich war Conditional Cinema als dreijähriger organischer Zyklus konzeptioneller Filmprogramme von 2018 bis 2020 geplant. Letztes Jahr zwang uns die Pandemie, den dritten Teil um ein Jahr zu verschieben. Jetzt präsentieren wir in der gegenwärtigen und ziemlich instabilen Situation einen thematischen Zwischenbericht zum Konzept der Abwesenheit.

Dieses Streaming-Experiment feiert den abwesenden Sektor mit Filmen über gar nichts, über abwesende Menschen, Lehmskulpturen, Nicht-Orte und Geister.

Das Programm beginnt mit The Infection Tryptich. Mit seiner Aufnahme des schnellen menschlichen Akts des Niesens begann Edison nicht nur mit dem urheberrechtlich geschützten Filmemachen, sondern sagte auch zukünftige pandemische Schrecken voraus.

Wir lassen uns von Kinoarbeiten begeistern, die gegen den Strich bürsten und um sich herum eine sanfte Leere erzeugen – nur damit die Zuschauer eintreten und übernehmen können. Bei den meisten sind menschliche Protagonisten abwesend oder zumindest nicht im Bild.

Manuela de Labordes Ficciones ist seit dem Frühjahr 2018 das Herzstück und der sich konstant weiterentwickelnde Prozess des Conditional Cinema-Zyklus. Es folgt dem organischen Wachstum der Akteure, der kleinen von der Künstlerin geschaffenen Lehmskulpturen, gefolgt von sich ansiedelndem Moos, Sprießen und Welken. Dieses langsame und anmutige Projekt findet nun mit der Premiere des fertigen wunderbaren Films seinen Abschluss.

Der Conditional Cinema-Zyklus wird im Mai 2022 abgeschlossen werden, zurück im sicheren Kino.

Conditional Cinema Hintergrund

Die Kurzfilmtage untersuchen in ihren Programmen immer wieder den Kinoraum und seine Möglichkeiten, erkunden Darstellungsformen des Films, die über die reine Projektion hinausgehen. In dieser Reihe steht Mika Taanilas Projekt für Oberhausen, „Conditional Cinema“, in dem es in drei Teilen um Live Cinema als Werkzeug zur Erforschung post-kapitalistischer Utopien in der Kunst geht. Taanila, der 2014 für die Kurzfilmtage das erfolgreiche Thema „Memories Can’t Wait – Film Without Film“ kuratierte, legt hier sein besonderes Augenmerk allem darauf, wie live-„Filme“ auf den Rückgang manueller Arbeit und das Problem des obsoleten Menschen reagieren.

Conditional Cinema 2019: Das Kino der Worte

Manchmal sprechen Worte lauter als Taten. Der zweite Zyklus von Conditional Cinema konzentriert sich auf die menschliche Stimme und Sprache als zentrale filmische Elemente und feiert Spoken Film und das „Kino der Worte“.

Das finnisch-deutsche Künstlerkollektiv Speech Karaoke Action Group lädt das Publikum ein, an einer Echtzeit-Collage von Reden über das Kino teilzunehmen und aus einem riesigen Pool seine Lieblings-„Filmrede“ auszuwählen – und aufzuführen, genau wie ein Lieblingslied beim Karaoke. Peter Miller setzt seine Erkundung des Kinoraums fort und konzentriert sich diesmal auf die menschliche Präsenz und manuell erzeugte Echtzeitklänge. Die mexikanische Filmemacherin Manuela de Laborde spricht über die zweite Phase ihres dreijährigen Filmprojekts Ficciones. Marguerite Duras' Le Camion ist ein echtes Manifest des konditionellen, extrem imaginären Kinos der Möglichkeiten: eine eindringliche Liebesgeschichte, welche die Fähigkeit der Zuschauer, sich den ganzen Film auf Grund minimaler Anhaltspunkte vorzustellen und zu konstruieren, voll ausnutzt.Das auf drei Jahre angelegte Projekt Conditional Cinema bildet Territorien des Kinos und der Kinokultur ab, die als „unfertige Szenarien“ oder „Filmskelette“ bezeichnet werden können. Im Jahr 2020 schließt sich der Kreis mit dem Schwerpunkt auf dem Thema „Der veraltete Mensch“.

Conditional Cinema 1

Film Speeches, Speech Karaoke Action Group/Oliver Kochta-Kalleinen, Finnland, 2019, 90’00”

Beim Speech-Karaoke wählt man, wie der Name schon sagt, eine Rede statt eines Songs. Unter dem Namen The Speech Karaoke Action Group wirken alle zusammen an dem Projekt mit, das stetig erweitert wird. Die SKAG vertritt keine bestimmte politische oder ideologische Überzeugung.

Speech Karaoke Action Group sind eine multidisziplinäre Künstlergruppe aus Helsinki. Bereits seit einigen Jahren veranstaltet die SKAG in Finnland und international partizipative Veranstaltungen – mit gutem Erfolg. Gruppenmitglieder sind die Künstler Frank Brümmel, Krister Gråhn, Tellervo Kalleinen, Oliver Kochta-Kalleinen, Tuomas Aleksander Laitinen, Carl Sebastian Lindberg, Essi Ojanperä, Pilvari Pirtola, Johanna Raekallio, Satu Rautiainen, Pasi Rauhala, Jyrki Riekki, Hanna Saarikoski and Julius Valve.

Conditional Cinema 2

Ficciones (rushes), Manuela de Laborde, Deutschland/Mexiko, 2019, 15’00”

Teil zwei von „Ficciones“ für Conditional Cinema präsentiert Rushes, die moosbewachsene Figuren zeigen, aufgenommen von mehreren, in einer mobilen Struktur angeordneten Kameras. Währendessen trägt die Künstlerin ihre persönlichen, mit der linken Hand geschriebenen Notizen vor.


This Thing Connecting Us, Peter Miller, Deutschland, 2019, 20’00”

... Ortspezifische ton-/licht-gebundene Überleitung zu ...

Frames per Second (performance), Peter Miller, Deutschland, 2019, 15’00”

Conditional Cinema 3

The Better Way Back to the Soil, Youki Hirakawa, Japan, 2017, 7’30”
Le Camion, Marguerite Duras, Frankreich, 1977, 76’00”

 „...In Youki Hirakawas faszinierendem Kurzfilm The Better Way Back to the Soil arrangiert der Künstler die Titel verschollener Stummfilme zu einer dezenten Komposition. Neben viel Schwarz sind auf der Leinwand nur die Titel und die Produktionsjahre der Filme zu sehen. Auf der Tonspur liest ein Erzähler genau diese Informationen vor; ein Arrangement, das wie ein poetisches Rätsel anmutet. Schätzungen zufolge sind etwa 80% der frühen, bis in die 1930er-Jahre gezeigten Stummfilme für immer verloren. So wird Hirakawas Werk zu einer feinsinnigen Betrachtung von Filmgeschichte und Zeit. Marguerite Duras’ Film Le Camion aus dem Jahr 1977 ist ein echtes Manifest des konditionalen, äußerst fantasievollen Kinos der Möglichkeiten. In dem narrativen Spielfilm, der sich an einem Tisch abspielt, dreht sich alles um das Lesen (nicht das Darstellen!) eines hypothetischen Drehbuchs für einen zukünftigen Film. Im ganzen Film sind nur eine Handvoll Außenaufnahmen zu sehen – vor allem Landschaften an Autobahnen. Erzählt wird eine eindringliche Liebesgeschichte, die die Fähigkeit des Publikums, sich den gesamten Film anhand minimaler Anhaltspunkte vorzustellen und zu konstruieren, voll ausschöpft. Was das Spannungsverhältnis zwischen Realität und Fiktion noch steigert: Die Rollen der Lesenden werden von Marguerite Duras (M. G.) selbst und von Gérard Depardieu (G. D.) gespielt. […] Die Gegenüberstellung von Hirakawa und Duras verdeutlicht die extremen Gegensätze eines potenziellen Films. Während Hirakawa für seinen Film harten, historischen Fakten und ultra-minimalistischen Regeln folgte, malte sich Duras für ihren Film, der eigentlich überhaupt nicht gedreht werden sollte, ein ganzes Universum aus. Jede Geschichte hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Das dreijährige Projekt Conditional Cinema befindet sich nun in der Mitte. Dies ist der Jahresbericht. 2021 wird sich der Kreis mit dem Schwerpunkt „Der obsolete Mensch“ schließen.“ (Mika Taanila)

 

Conditional Cinema 2018: Live Cinema

Ein Grund für IKEAs phänomenalen Erfolg lag in der Idee, den Zusammenbau der Haushaltsgegenstände von den Fabriken ins heimische Wohnzimmer zu verlegen.  Kann man sich Filme vorstellen, die sich der Zuschauer zusammenbauen muss? Das Projekt Conditional Cinema ist der Versuch den trendige Begriff des „live cinema“ als Werkzeug einzusetzen – wie IKEAs Inbusschlüssel –, um die Utopien von Kunst nach dem Kapitalismus zu erforschen. Welche Rolle spielen Kino und Bewegtbild im Postkapitalismus? Der dunkle und im Wesentlichen stille Raum des Kinos ist öffentlich und zugleich extrem privat, nah und doch fern. Was, wenn das Kino das letzte friedliche und intime Refugium ist, das uns in diesen turbulenten Zeiten noch bleibt. Conditional Cinema besteht aus drei Sequenzen, die das Thema in jährlicher Weiterentwicklung von 2018 bis 2020 herausbilden. „Conditional“ im Sinne von etwas bestimmtes voraussetzen wie bei der menschlichen Kondition oder eben auch Vorführbedingungen ... (Mika Taanila)

Live Cinema
Die erste Ausgabe 2018 präsentiert Arbeiten im traditionellen Kinorahmen, aber mit der Maßgabe, das Bewegtbild als fließende Kunstform und nicht als fixiert und final zu verstehen: generative, improvisierte, halbautomatische, systemische oder reduzierte Filme, die erst im jetzt entstehen.

Conditional Cinema 1

This Thing Connecting Us, Peter Miller, Germany, 2018, 20'00''
Set, Peter Miller, Germany, 2016, 09'45''
Stained Glass, Peter Miller, 2016, 10'00''
ST*R, Peter Miller, Germany, 2018

Peter Miller arbeitet schon lange mit Projektion als Performance. Seine subtilen filmischen Werke verschieben den Fokus von vorbestimmten narrativen Ereignissen auf „das Jetzt“, auf die Linse, den Strahl, das Flimmern. Millers Filme sind auf den ersten Blick lieb und nett, aber bohren tief. Hat man sie einmal live erlebt, kommen sie in dunklen Nachtstunden immer wieder. Die zarte Leichtigkeit ihrer Ausführung und die Offenheit des „Inhalts“ sind der schöne, ruhelose Brennstoff für das wahre Kino von jedermanns ureigener imaginärer Welt. Wir werden ein Programm mit poetischen Miller-Werken sehen, die sich um himmlische Themen drehen. So leistungsstark diese planetarischen Werke ihrem konzeptuellen Denken und ihrer Form nach sind, so materialistisch, ja geradezu bodenständig, sind sie per se.

Conditional Cinema 2

The Filmers' Almanac, Owen O'Toole, USA, 1988, 180'00'' 

The Filmers' Almanac war ein Gemeinschafts-Super-8-Film, den der Mail-Art-Künstler und Kinoaktivist Owen O’Toole 1988 von seinem Hauptquartier in Somerville, Maine, aus federführend geleitet hat. Inspiriert von Hollis Framptons unvollendet gebliebenem, kalendarischem Filmzyklus „Magellan“ enthält dieser Gemeinschaftsfilm über 200 Beiträge: Miniaturfilme von Künstlern, Filmemachern und Filmamateuren aus aller Welt. Die Idee bestand darin, dass jeder einzelne Mitwirkende an einem ausdrücklich festgelegten Tag des Jahres 1988 höchstens eine Standard-Super-8-Rolle (max. 15 Meter) drehen und anschließend an O’Toole schicken sollte, der ausnahmslos alles montierte. Mit dieser weltweiten Initiative wollte O’Toole die Rolle des einzelnen Autors verwischen und subjektiven Geschmack sowie eine zwanghafte „Qualitätskontrolle“ umgehen: „Ich will meine eigenen Kapazitäten und die der offenen Tausch-Community ausloten, die über die Post zugänglich wurde. Wir hoffen, eine massive Kollektivsicht auf die Vergänglichkeit zusammenzustellen, womöglich eine Methode, die Dimensionen unseres Planeten auszuloten“.

Das Projekt ist ein faszinierendes Zeitstück, ein kurzer Einblick in die Blütezeit des künstlerischen Super-8-Filmemachens und allgemein des Film-Networkings vor Erfindung des Internets. Die gesamte Korrespondenz zwischen O’Toole und dem Netzwerk seiner Mitkünstler erfolgte per Post. Die Screenings des Gesamtwerks waren jedes Mal anders und improvisiert, je nach den technischen Möglichkeiten des Kinos und der Aufmerksamkeitsspanne des Publikums. Zwischen 1989 und 91 wurde die Arbeit ein paar Dutzend Mal auf verschiedenen kleinen Filmfestivals und bei Kunstveranstaltungen in den USA vorgeführt. In Europa war sie in Braunschweig, Bielefeld, Bonn, Paris und Helsinki zu sehen, wohin O’Toole mit den Filmrollen im Handgepäck reiste. Schließlich führten das MoMA in New York und die San Francisco Cinematheque den The Filmers’ Almanac als Teil ihres extensiven „Big As Life“-Programms vor, das der Kunst des Super-8-Filmemachens gewidmet war. Wir sind stolz darauf, dass wir das Werk in seiner ursprünglichen Pracht präsentieren können, auf Zelluloid und mit einer ganzen Reihe unterschiedlicher Tonquellen,Farbgels, einer „lazy Susan“, Stimmungskurven und anderen rätselhaften Vorführanweisungen. Die Vorführung von The Filmers’ Almanac in Oberhausen, 30 Jahre nach seiner Entstehung, ist eine Hommage an Owen O’Toole, der im letzten Juli einer langen Krankheit erlegen ist.

Conditional Cinema 3

Ficciones, Manuela de Laborde, Mexico, 2018, 30'00''

Manuela de Labordes Werk Ficciones (2018), eine Zusammenarbeit mit dem Soundkünstler David Goldberg für Conditional Cinema, wird zu einem dreijährigen Zyklus werden, einem Prozess, der sich mit der Zeit entwickelt. Eine Reihe von Tonfiguren wurde entwickelt, die Pflanzenformen ähneln, um die „movies“ anhand lebender Objekte zu erforschen. Diese Skulpturen bilden das Darstellerensemble in ihrem Film – organisches Live Cinema in Form von Gärtnern und Pflegen. Im ersten Teil dieses Zyklus werden die Figuren „gepflanzt“ und nackt, wie sie sind, betrachtet, bevor das Wachstum sie in Form einer Performance umgeben wird. In seinem Ablauf kann das Werk Erinnerungen wachrufen an den Einsatz von Zeit in der Filmgeschichte, von Warhols stummen „Screen Test“-Serien (1964–66) zu Richard Linklaters „Boyhood“ (2014). Indem über das Videosignal die dezente Präsenz von Grüntönen auf die Leinwand geworfen wird, wird deren Gegenwart zu filmischer Fiktion erhoben.

Literal Transition, Anton Nikkilä, Finnland, 2018, 30'00''

Anton Nikkilä ist Komponist und Übersetzer. In seinem Kellerstudio ist die Zeit laut dem Museumskalender an der Wand im Jahr 2015 stehen geblieben. Während er auf „Suprematismus“ von Kasimir Malewitsch, 1915, starrte, das auf der letzten Kalenderseite abgebildet war, erträumte Nikkilä sich ein unmögliches Projekt: Es ist an der Zeit, die ästhetischen Ideale der historischen russischen Avantgardekunst irgendwie umzukodieren und mithilfe der Bausteine heutiger Technomusik wieder neu zusammenzustellen. Aber wie soll das gehen, wenn es keine Revolution gibt, die diese Konstruktionen elektrifiziert und animiert? Und warum? Nikkilä hat darauf keine Antwort, macht aber weiter, ohne sich um irgendeine historische oder politische Korrektheit zu scheren, und verwendet alte kryptische Gemälde und theoretische Texte als semi-prozessuale Anleitung zum Komponieren. Literal Translations (2018) ist eine Film-ohne-Film-Performance mit Computermusik für ein vertikal aufgebautes quadrophones anti-immersives 2D-Tonsystem sowie Zwischen- und Untertitel, die im Raum schweben.

Der Kurator

Mika Taanila lebt und arbeitet als Filmemacher in Helsinki. Seine Arbeiten wurden unter anderem auf der Biennale Venedig (2017) gezeigt, auf der Aichi Triennale (2013) und der Documenta (2012). Einzelausstellungen unter anderem: Padiglione de l’Esprit Nouveau Bologna (2020), STUK Leuven (2018), Kiasma Helsinki (2013/14), CAM St. Louis (2013) und TENT Rotterdam (2013). 2014 kuratierte er das “Memories Can’t Wait – Film without Film” Themenprogramm in Oberhausen.

Kontakt

re-selected

Das Projekt „re-selected“ untersucht Filmgeschichte als Geschichte individueller Filmkopien und widmet sich ausgewählten Filmen aus dem Bestand des Archivs der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen. 2021 setzt „re-selected“, kuratiert von Tobias Hering, in der dritten Ausgabe seine Untersuchung fort. 

Auch wenn ein Projekt, dass sich Filmkopien und ihren Besonderheiten widmet, in einem Online-Festival nur schwer abgebildet werden kann, bleibt die Frage einer Neubetrachtung analoger Archiv- und Kinopraktiken nach wie vor relevant. 2021 ist das Programm dem Filmkurator und -kritiker Amos Vogel gewidmet, der über viele Jahre die Kurzfilmtage zunächst als Jurymitglied und dann als Mitauswähler in den USA geprägt hat. Gezeigt werden vier Filme aus unserem Archiv, die ihm nachweislich viel bedeutet haben, und die keine weitere Einführung brauchen: Sunday (1961) von Dan Drasin, Relativity (1966) von Ed Emshwiller, Agnes Vardas Black Panthers (1969) und schließlich Gunvor Nelsons Kirsa Nicholina (1969).

Über re-selected: Filmgeschichte als Kopiengeschichte

Das 2018 gestartete Projekt re-selected nimmt sich drei Jahre Zeit, um sich am designierten „Ende des analogen Zeitalters“ ausgewählten Filmen aus dem analogen Bestand des Archivs der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen zu widmen und Filmgeschichte als Geschichte individueller Filmkopien zu untersuchen.

Anstatt die digitale „Rettung“ eines filmischen Werkes als Ideal zu propagieren, interessiert sich das Projekt gerade für die Eigenheiten einer Kopie, die bei der Digitalisierung in der Regel getilgt werden. Sie können Aufschluss geben über einen konkreten Werdegang, lokale Öffentlichkeiten und zeitgeschichtliche Konstellationen. Wo und wann wurde ein Film überhaupt gezeigt, wer hat ihn gesehen, in welcher Fassung, in welcher Verfasstheit? Jede Kopie ist ein Original – und das nicht erst, wenn sich erweist, dass sie die einzige verbliebene Kopie eines Films ist.

re-selected ist ein gemeinsames Projekt der Kurzfilmtage mit dem Arsenal - Institut für Film und Videokunst im Rahmen von „Archive außer sich“ in Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt, gefördert im Rahmen von „Das Neue Alphabet“ durch die BKM auf Grundlage eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

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Katharina Schröder
schroeder(at)kurzfilmtage.de

Goethe-Institut Beirut

Seit 2020 gibt es eine besondere Kooperation der Kurzfilmtage mit dem Goethe-Institut: jedes Jahr stellt eines der deutschen Auslandsinstitute die Kultur- und Kurzfilmszene seines Gastgeberlandes vor. 2021 geht die Reise in das von der katastrophalen Explosion im Hafen erschütterte Beirut. Unter dem Titel „Prophecies from the Sea“ sind sowohl aktuelle Filme zu sehen, die sich direkt mit der Explosion, ihren Ursachen und Folgen beschäftigen, als auch ältere Arbeiten, in denen es um frühere historische Umbrüche im Libanon geht. Zu sehen sind unter anderem Filme von Chantal Partamian, Ali Cherri, der Atlas Group und Ghassan Salhab.

Kontakt

Katharina Schröder
schroeder(at)kurzfilmtage.de

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Preisträger anderer Festivals

Mit vier Kurzfilmen aus sechs Ländern zeigen wir eine Auswahl von Preisträgern anderer Festivals. Ob der Kampf einer jungen Mädchengruppe mit der ihnen auferlegten Rolle (SESTRE), Verarbeitung von häuslicher Gewalt (Sunsets, Everyday), Erforschung des kollektiven Gedächtnisses mit einer Crowd-Simulationssoftware (This Means More) oder das Porträt (Apiyemiyekî?) eines erzwungenen Alphabetisierungsprozesses im Amazonasgebiet – hier sind Preisträger aus Clermont-Ferrand, Paris, Rotterdam und Wien.

Festival-Highlights

Mit Empfehlung der Kurzfilmtage: Lieblingsfilme des Teams 2021

Eine Auswahl von Lieblingsfilmen des Festival-Teams der Kurzfilmtage aus unserem diesjährigen Programm. Was finden die Macher*innen des Festivals gut, und vor allem warum? Alle Filme in diesem Überraschungsprogramm werden persönlich mit einem kleinen Video vorgestellt. Gespielt wird nach der Preisverleihung – eine hervorragende Gelegenheit also, mal diese Auswahl mit den preisgekrönten Filmen zu vergleichen.

The One Minutes

47 Einminüter aus insgesamt 15 Ländern werden dieses Jahr in Kooperation mit der One Minutes Foundation gezeigt. Zwei kuratierte Serien, „PⒶW“ von Ceel Mogami de Haas und „Comfort and Vision“ kuratiert von Salim Bayri, hinterfragen die Wechselwirkungen zwischen Tieren, Poesie und Vernunft und inwieweit die Wahrnehmung von Komfort, dort, wo die wenigsten unvorhersehbaren Dinge passieren, sich im Laufe des letzten Jahres durch das zu-Hause-bleiben-müssen gewandelt hat. Was ist fremd, vertraut, irritierend oder beruhigend geworden? Das alles in jeweils einer Minute Film.

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Susannah Pollheim
pollheim(at)kurzfilmtage.de

MuVi 14+

Internationale Musikvideos für Jugendliche ab 14 Jahren, aber nicht nur, wurden für dieses Programm ausgewählt, das beim erwachsenen Publikum genauso beliebt ist. Sie zeigen die ganze Bandbreite der aktuellen Clipproduktion: vom frisierten Hund in Zeitlupe zu popelektronischen Klängen, von computeranimierten Landschaften mit Gebirgen aus Pommes untermalt von Rap-Lyrics bis zum satirischen Found-Footage-Video, in dem das Auto als männliches Kompensationsmittel auf die Schippe genommen wird. Es geht um Freundschaft, Träume, Stereotypen, verborgene Leidenschaften und kuriose Begebenheiten. Manchmal sind wir verwirrt, aber niemals allein.

Kontakt
Jessica Manstetten
muvi(at)kurzfilmtage.de