Afrika und Asien stark: Die Wettbewerbe der Kurzfilmtage

68. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, 30. April – 9. Mai 2022

 

Afrika und Asien stark: Die Wettbewerbe der Kurzfilmtage

Vom Ruhrgebiet bis Myanmar: 163 Arbeiten aus 67 Ländern in sieben Wettbewerben

 

Die 68. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen haben ihre Wettbewerbsauswahl abgeschlossen. Ungewöhnlich stark vertreten im Internationalen Wettbewerb sind Afrika und Asien; der Deutsche Wettbewerb spiegelt die enorme Vielfalt des deutschen Kurzfilms. In den fünf Wettbewerben vor Ort (international, deutsch, NRW, Kinder- und Jugendfilme, MuVi-Preis) zeigt das Festival 119 Filme aus 52 Ländern. Dazu kommen 44 Arbeiten aus weiteren Ländern in den beiden Online-Wettbewerben (deutsch und international), so dass die Kurzfilmtage in diesem Jahr insgesamt 163 Arbeiten aus 67 Ländern in ihren Wettbewerben zeigen, 79 davon als Weltpremieren.

 

 

Der Internationale Wettbewerb: Starke Peripherie

Für den Internationalen Wettbewerb, den ältesten und größten des Festivals, wurden 49 Arbeiten aus 40 Ländern ausgewählt. 32 davon zeigen die Kurzfilmtage als Weltpremieren. Ungewöhnlich stark sind in diesem Jahr Afrika und Asien vertreten. Mit Beiträgen aus Ägypten, Kenia, Marokko, Ruanda, Südafrika und dem Sudan liegt der Anteil afrikanischer Produktionen so hoch wie nie zuvor. Aus Asien kommen Arbeiten nicht nur aus bekannten Filmländern wie China, Indien, Japan, oder Südkorea, sondern auch aus Myanmar und Vietnam. Daneben dominieren europäische Produktionen diesen Wettbewerb, darunter je eine Produktion aus Russland und der Ukraine.

 

Zahlreiche Filme setzen sich formal höchst unterschiedlich mit politischen Themen auseinander, vom dokumentarischen Rückblick auf die Unterdrückung von Protesten in Thailand (Seeing in the Dark, Taiki Sakpisit, Thailand) bis zur Erinnerung an die Diktatur in Brasilien als genähte Animation (Cadê Heleny?, Searching Heleny?, Elena Vital, Spanien/Brasilien). Die Kolumbianerin Nadia Granados in Monologo de un Sicario (Monologue of a Hitman) dagegen inszeniert das schonungslose Re-Enactment eines Interviews mit einem Auftragsmörder.

 

In der Auswahl sind darüber hinaus ein russischer und ein ukrainischer Beitrag. Der russische Film Bobok von Alexandra Karelina und Ivan Yakushev basiert auf einer Kurzgeschichte von Fjodor Dostojewski, während der ukrainische Experimentalfilm The Wind Probably von Yuri Yefanov in einem apokalyptischen Zukunftssetting die Frage stellt, wie wir Realität erleben.

 

„Die Auswahlkommission möchte im Sinne des Gründungsmottos der Kurzfilmtage ‚Weg zum Nachbarn‘ Möglichkeiten des Grenzen überschreitenden Dialogs schaffen und aufrechterhalten. In diesem Geist haben auch je ein Film aus Russland und der Ukraine ihren Weg in unsere Auswahl gefunden. Zudem haben wir in diesem Jahr zahlreiche Filme aus auf Filmfestivals oft unterrepräsentierten Ländern ausgewählt", so Hilke Doering, Leiterin des Internationalen Wettbewerbs.

 

 

Deutscher Wettbewerb: Extreme Vielfalt

 

Für den Deutschen Wettbewerb wurden 15 Filme ausgewählt, die Hälfte davon von Frauen. 13 Arbeiten zeigen die Kurzfilmtage als Weltpremieren. Auch dieser Wettbewerb zeigt sich 2022 extrem vielfältig auf hohem Niveau. Die formale Bandbreite der Beiträge zeigt sich am Thema Arbeit, das von einigen Filmen ganz unterschiedlich angesprochen wird: In dem dokumentarischen Las Flores zum Beispiel folgen Miguel Goya und Tina Wilke einer Gruppe junger Migranten, die während des Lockdowns Arbeit suchen. In Gute Arbeit, gute Nacht spielt Michel Wagenschütz das Telefonat einer Künstlerin mit einer Angestellten der Arbeitsagentur, in dem die Künstlerin versucht, ihre Tätigkeit zu erklären, in verschiedenen Kontexten durch. Und Nikita Diakur schließlich bringt in backflip in einer Mischung aus Realfilm und Computeranimation einem Avatar mühevoll den Rückwärtssalto bei.

 

Mit dabei sind frühere Preisträger der Kurzfilmtage wie Carsten Aschmann (Hauptpreis im Internationalen Wettbewerb 2009), Alexandra Gulea (Preis des Deutschen Wettbewerbs 2018), Bjørn Melhus (zuletzt Preis des Deutschen Wettbewerbs 2020), Simon(e) Jaikiriuma Paetau (MuVi-Preis 2019) oder Susann Maria Hempel (Preis des Deutschen Wettbewerbs 2014).

 

„Wir hatten selten eine so große Vielfalt an Formen und Themen im Deutschen Wettbewerb. Zudem sehen wir auch in den Einreichungen eine große künstlerische Qualität beim deutschen Kurzfilm, was uns die Auswahl nicht leichtgemacht hat“, so Carsten Spicher, Leiter des Deutschen Wettbewerbs.

 

 

Der NRW-Wettbewerb: NRW im Mittelpunkt

 

Im diesjährigen NRW-Wettbewerb konkurrieren neun Filme, vier davon von Frauen, acht davon als Weltpremieren. Auffällig in diesem Jahr: NRW ist nicht nur Produktionsland, sondern in vielen Arbeiten Thema und Schauplatz. Filme porträtieren Subkulturen in Oberhausen (Cruiser, Felix Bartke und Nils Ramme), zeigen Geschichte und potentielle Zukunft einer ehemaligen McDonald’s-Filiale in der Herner Innenstadt auf (Nothing in this World Can Take the Place of Persistance, Silke Schönfeld) oder dokumentieren, wie Rom*nja heute in der Dortmunder Nordstadt leben (Auf dieser Seite der Gleise / De partea asta a șinelor, Zauri Matikashvili). Die ganze Ruhr wird zum Schauplatz und Klangkörper in der Multimedia-Arbeit Aquateque (Einar Fehrholz, Daria Jelonek und Perry-James Sugden).

 

 

Die weiteren Wettbewerbe: Kinder- und Jugendfilme, MuVi-Preis und Online-Wettbewerbe

 

Für den Kinder- und Jugendfilmwettbewerb wurden 35 Filme aus 25 Ländern ausgewählt. Nominiert für den MuVi-Preis sind elf Clips, in den Online-Wettbewerben zeigen die Kurzfilmtage 44 Arbeiten. Kinder- und Jugendfilmwettbewerb und MuVi-Preis werden gesondert bekanntgegeben.

 

Die Liste aller Wettbewerbsfilme ist hier abrufbar.

 

Druckfähige Stills aus den Wettbewerbsfilmen stehen hier zum Download bereit.

 

Die Programme der 68. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen

Neben den Wettbewerben zeigen die Kurzfilmtage vor Ort wieder zahlreiche thematische und kuratierte Programme. Unter anderem geht es im umfangreichen Themenprogramm Synchronisieren! Pan-afrikanische Netzwerke um pan-afrikanisches und diasporisches Filmemachen, Sechs Profile sind herausragenden internationalen Filmemacher*innen gewidmet: Morgan Fisher (USA), Sohrab Hura (Indien), Rainer Komers (Deutschland), Shalimar Preuss (Frankreich), Sylvia Schedelbauer (Deutschland/Japan) and Eszter Szabó (Ungarn). Zahlreiche weitere Programme sind geplant.

 

Oberhausen, 17. März 2022

 

Pressekontakt: Sabine Niewalda, T +49 (0)208 825-3073