Die Preisträger der MuVi-Wettbewerbe

67. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, 1. – 10. Mai 2021

 

Die Preisträger der Musikvideowettbewerbe

 

Preisverleihung: Montag, 10. Mai 2021, 19.30 Uhr, https://spatial.chat/s/kurzfilmtageoberhausen

 

23. Deutscher MuVi-Preis

 

Mitglieder der Jury:

Jan Bonny (Deutschland), Annekathrin Kohout (Deutschland), Babeth Mondini-VanLoo (Niederlande)

 

1. Preis

dotiert mit 2.000 Euro, gestiftet vom SAE Institute Köln und Bochum

 

Junge Milliardäre (UWE)

UWE

Deutschland 2020, 4’42’’, Farbe

 

Begründung:

Junge Milliardäre von UWE ist eine elegante Arbeit, die mit vollem Gewicht in unsere sicher geglaubten Routinen der Wahrnehmung und Einordnung einschlägt. Wir bekommen einen wackeligen Deepfake von Elon Musk gezeigt, der auf einer Art Bühne und vor einem Spiegel mit Lässigkeit und Routine verführerisch vor allem sich selbst ansingt, ein vielfaches Spiel mit Eitelkeit, Identität, Sehnsucht und dadurch natürlich Pop par excellence. In Verbindung mit Musik und Lied ergeben sich vielfache Risse und Verschiebung der Bedeutung der Bilder und die Frage stellt sich, wer hier überhaupt Autor und wer Sänger ist. Die offensichtliche Fehlerhaftigkeit, die Brüchigkeit des Deepfakes macht die Sache noch schöner, der Blick des Zuschauers ist erst fasziniert und wird zunehmend unsicher. Und mit großer Cleverness, im Gewand technischen Könnens, scheinen alle anderen Mittel in dieser zauberhaften filmischen Arbeit auf, Collage, Suspense, der liebende Blick, Witz und vielleicht ein wenig Horror. Eine brillante Arbeit, die genau so sehr in der Geschichte von Film und Welt fußt, wie sie in die Zukunft weist.

 

 

2. Preis

dotiert mit 1.000 Euro, gestiftet vom SAE Institute Köln und Bochum

 

The Source of the Absolute Knowledge (Jaakko Eino Kalevi)

Christine Gensheimer

Deutschland 2021, 4’52’’, Farbe

 

Begründung:

The Source of the Absolute Knowledge von Christine Gensheimer hat uns mit seinem spielerischen und feinsinnigen Animationsstil überzeugt, mit dem einprägsame Bilder hervorgebracht wurden. Mithilfe von Metaphern aus Popkultur, Internetkultur und Kunstgeschichte treffen im Video Analoges auf Digitales, Pixel auf Farbkleckse, Dalí auf Emojis. Durch collagierte, wechselnde und ineinander übergehende Settings bringt das Video Form und Inhalt virtuos zusammen: Die Ressource des Wissens im Computerzeitalter besteht aus fragmentarischen Informationen, die eine Komposition durch eine Benutzerin erfordern. Mit Leichtigkeit bringt Gensheimer Bild und Ton zusammen. Ungewohnt spielerisch lässt sie Mensch auf Maschine treffen, und nur noch die Retroästhetik erinnert daran, dass das Verhältnis einst weniger unbeschwert war.

 

 

Lobende Erwähnung

 

Rasenmäher in E-Moll (beißpony)

Stephanie Müller, Klaus Erika Dietl

Deutschland 2021, 14’59’’, Farbe

 

Begründung:

Eine lobende Erwähnung geht an Rasenmäher in E-Moll von Stephanie Müller und Klaus Erika Dietl, weil nicht nur das Musizieren, sondern auch das Filmemachen ein offener Prozess sein kann, bei dem man tastend voran geht, mal ein bisschen leiert, ein wenig umsteuert, mal mutig vorweg läuft, um dann amüsiert der eigenen Arbeit dabei zuzuschauen, wie sie einem davonläuft. Den Dreh offen anzugehen, das Ergebnis nicht abzusichern, vielleicht noch ein paar Versionen des vorläufigen Ergebnisses in petto zu haben, das ist was vergnügliches und lebendiges und geht vor lauter Sorge um Perfektion und Sicherheit schnell verloren. Diese lobende Erwähnung ist auch ausdrücklich als Aufmunterung zu verstehen, auf diesem unklaren, lustigen Weg noch ein paar Meter weiter zu gehen.

 

 

Deutscher MuVi-Publikumspreis

ermittelt durch Abstimmung auf unserer Festival Plattform und dotiert mit 500 Euro, gestiftet vom SAE Institute Köln und Bochum

 

NOAH (Christian Löffler)

Mishka Kornai

Deutschland, Kanada, Vereinigtes Königreich 2020, 3’47’’, Farbe

 

 

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1. Internationaler MuVi-Preis

 

 

Mitglieder der Jury:

Jan Bonny (Deutschland), Annekathrin Kohout (Deutschland), Babeth Mondini-VanLoo (Niederlande)

 

 

1. Preis

dotiert mit 2.000 Euro

 

Hungry Baby (Kim Gordon)

Clara Balzary

USA 2021, 5’41’’, Farbe

 

Begründung:

Für uns ist Hungry Baby die Quintessenz eines Musikvideos. Die Inszenierung der Regisseurin Clara Balzary für den rauen und pulsierenden Song von Kim Gordon ist meisterhaft. Die Kühnheit dieses Videos liegt in der Einfachheit der Inszenierung, und wie Verwundbarkeit durch den Tanz der großartigen Schauspielerin Coco Gordon-Moore ausgedrückt wird; es zeigt uns sowohl Wut wie auch Lust an und Trost durch die Musik als befreiende Kraft. Balzary drehte auf einem menschenleeren Parkplatz, der eindrücklich das Gefühl von Angst zu Beginn der Pandemie und ihrer Kommodifizierung von Alltagserfahrungen vermittelt. Das narrative Konstrukt eines männlichen Aggressors zu Beginn erweitert sich zum Gegenpart des Überlebens, in dem die Frau die Kontrolle übernimmt und uns am Ende mit einem lebensbejahenden Gefühl entlässt, während die Musik uns aus der restriktiven Realität heraussprengt.

 

 

2. Preis

dotiert mit 1.000 Euro

 

Traitors (Benefits)

Kingsley Hall

Vereinigtes Königreich 2020, 4’27’’, Farbe

 

Begründung:

Traitors von Kingsley Hall ist einer der politischsten Filme in dieser Rubrik, der uns in seiner Einfachheit und Evidenz überzeugt hat. Wenige Mittel genügen der Produktion, auf die Betrachter das Gefühl von Beklemmung und Ohnmacht zu übertragen. Mit dem Stilmittel der Affirmation greift Kingsley Hall die (oftmals rechte) Kritik an Brexit-Gegnern, an den sogenannten "Snowflakes" auf: Während inhaltlich die Kritikpunkte passiv-aggressiv angenommen werden, werden sie formal zurückgewiesen. Als Wutrede vorgetragen, zunächst im O-Ton und unter Begleitung einer immer düster werdenden Mimik des Protagonisten, mündet sie schließlich in einem schmerzhaften Schrei in Slow Motion. Kingsley Hall hat für eine gesellschaftliche Stimmung eine pointierte Form gefunden. Effektvoll wird in Traitors zum Ausdruck gebracht, was nicht nur in politischen Diskussionen um den Brexit eine Rolle spielt, sondern in der politisierten und emotional aufgeladenen Debattenkultur im Netz allgemein: die Verzweiflung angesichts einer scheinbaren Unauflösbarkeit vorherrschender Polarisierungen.

 

 

Lobende Erwähnung

 

Station Three (Quartet Diminished)

Pooya Razi

Iran 2021, 2’45’’, Farbe/schwarzweiß

 

Begründung:

Als Jury waren uns der kreative Blick und persönliche Prozess unabhängiger Filmemacher, die etwas wagen, wichtiger als technische Highlights. Unsere Lobende Erwähnung geht an Station Three (Quartet Diminished) des iranischen Regisseurs Pooya Razi. Für seinen Versuch, das Funktionieren von Systemen gegen Individuen zu beleuchten, nutzt er Stop Motion-Techniken mit selbstgemachten Konstruktionen aus Farbstiften und 3D Zoetrope-Effekten. Wir ehren hier, wie sich Kreativität trotz kollektiver soziopolitischer Umstände entfaltet, ebenso wie die herausragende Qualität des kreativen Inputs durch die Musik von Quartet Diminished.

 

 

Internationaler MuVi-Publikumspreis

ermittelt durch Abstimmung auf unserer Festival Plattform und dotiert mit 500 Euro

 

Portadoras queer: el doble y la repetición (Ascii.Disko)

Ana Laura Aláez

USA, Japan, Spanien 2020, 15’39’’, Farbe/schwarzweiß

 

Die Liste aller Preisträger der 67. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen können Sie hier als PDF herunterladen.

 

Oberhausen, 10. Mai 2021

 

Pressekontakt: Sabine Niewalda, niewalda(at)kurzfilmtage.de, Tel. +49 (0)208 825-3073