Thema: Solidarität als Störung

67. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, 1.-10. Mai 2021

 

Thema: „Solidarität als Störung“

Wie kann das oft strapazierte Schlagwort von der Solidarität neu verstanden werden? Ein Filmprogramm zum revolutionären Potenzial der Solidarität

 

2019 konzipierten die Kuratorinnen Branka Benčić (Kroatien) und Aleksandra Sekulić (Serbien) ein Programm zum Thema „Solidarität als Störung“ für die Kurzfilmtage 2020. Coronabedingt musste es abgesagt werden, nun holen die 67. Kurzfilmtage 2021 ein Thema online nach, das aktueller ist denn je. Das Programm fragt, wie Solidarität, mit filmischen Mitteln als politisches Projekt neu definiert werden kann. Ausgehend von einem Schwerpunkt auf Filmen aus dem ehemaligen Jugoslawien seit den 1960er Jahren, untersuchen die Kuratorinnen das Konzept und seine Geschichte in einem breiteren Kontext, von kollektiven Filmbewegungen bis zur Ästhetik der Arbeiter als politische Subjekte.

 

Meisterwerke der „Schwarzen Welle“ wie Želimir Žilniks Nezaposleni ljudi (Die Arbeitslosen) von 1968 finden sich hier ebenso wie zum Beispiel Nika Autors Obzornik 63 – Vlak senc (Newsreel 63 – The Train of Shadows) von 2017, in dem sie eine Handyaufnahme von der berühmten Linie Belgrad-Ljubljana, wo sich heute Flüchtende zwischen den Rädern verstecken, zum Ausgangspunkt einer Bestandsaufnahme der sozialen und politischen Bedeutung von Zügen erweitert. Das Spektrum der Arbeiten reicht von Jean-Marie Straub und Danièle Huillets Europa 2005-27 Octobre (2006) bis zum Museum Songspiel 20XX (2011) des Petersburger Chto Delat-Kollektivs.

 

Außenseiter sichtbar machen, Film als politische Intervention, Modelle solidarischen Filmemachens von Filmclubs bis zu aktuellen partizipativen und kollektiven Formen: Das Programm zeigt die vielfältigen Möglichkeiten, filmisch Solidarität zu zeigen oder herzustellen.

 

Fortgesetzt wird „Solidarität als Störung“ 2022 bei den 68. Kurzfilmtagen mit einem aus drei Filmprogrammen bestehenden „Epilog“.

 

Die Kuratorinnen:

Branka Benčić ist Kuratorin und Kunsthistorikerin, Direktorin des Museums für moderne und zeitgenössische Kunst in Rijeka, Kroatien. Sie hat Ausstellungen und Vorführungen in Kroatien und international kuratiert und war künstlerische Leiterin des Apoteka Space für zeitgenössische Kunst, kuratierte die Artists Cinema-Reihe im Museum für zeitgenössische Kunst Zagreb und das Think Film-Programm Cinemaniac für das Pula Film Festival. Sie kuratierte den kroatischen Pavillon auf der 57. Biennale von Venedig (2017).

 

Aleksandra Sekulić ist Philologin für allgemeine Literatur und Literaturtheorie und Programmkuratorin am Zentrum für Kulturelle Dekontamination (CZKD) in Belgrad. In den 2000er Jahren war sie Programmkuratorin und Filmproduzentin am Akademischen Filmzentrum in Belgrad und Mitglied der Low-Fi Videobewegung, des Projekts Media Archaeology und des Kollektivs Kosmoplovci in Belgrad.

 

Gemeinsam und einzeln kuratierten sie Ausstellungen und Diskussionen und veröffentlichten Aufsätze über das Erbe des experimentellen Kinos, die frühe Videoproduktion und Filmclubs im ehemaligen Jugoslawien.

 

Änderungen vorbehalten.

 

Oberhausen, 8. April 2021

 

Pressekontakt: Sabine Niewalda, T +49 (0)208 825-3073, niewalda(at)kurzfilmtage.de