Wettbewerbsauswahl der Kurzfilmtage steht fest

67. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, 1.-10. Mai 2021

 

Die Wettbewerbsauswahl der 67. Kurzfilmtage steht fest

Ein starker Kurzfilmjahrgang

 

Die Wettbewerbe der 67. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen stehen fest. Rund 140 kurze Filme und Musikvideos aus knapp 50 Ländern wurden für den Internationalen, den Deutschen, den NRW-Wettbewerb, für den Kinder- und Jugendfilmwettbewerb und für den Deutschen und Internationalen MuVi-Preis ausgewählt. Zusammen mit den in diesem Jahr erstmals durchgeführten reinen Online-Wettbewerben zeigen die Kurzfilmtage nun in acht Wettbewerben insgesamt über 190 Arbeiten aus mehr als 50 Ländern, mehr als je zuvor. Der traditionell hohe Anteil von Regisseurinnen ist 2021 noch einmal gewachsen: In fast allen Wettbewerben liegt er deutlich über 50 Prozent. Gesteigert hat sich auch die Preissumme: Insgesamt verleiht das Festival nun Preise im Wert von knapp 52.000 Euro, davon 15.500 Euro in den reinen Online-Wettbewerben. Übereinstimmend loben alle Wettbewerbsverantwortlichen die Qualität und Vielfalt der Kurzfilme, die durchweg unter den schwierigen Bedingungen von 2020 produziert wurden.

 

Der Internationale Wettbewerb

Für diesen Wettbewerb wurden 44 Filme aus 34 Ländern ausgewählt. Herausragende Arbeiten kommen aus Afrika, das mit drei originären Produktionen aus Ruanda, dem Senegal und Südafrika dabei ist: So zeigt Lindiwe Maggalamele in ihrem südafrikanischen Spielfilm The Town einfühlsam den Alltag einer Siebenjährigen irgendwo in der Provinz. Aus Ruanda kommt Sensory Overload, die eindrucksvolle Visualisierung eines Gedichts, während die international gefeierte Modedesignerin Selly Raby Kane mit Tang Jër eine opulent ausgestattete und dabei politisch treffsichere Fabel aus Dakar erzählt.

 

Ausgewählt wurde mit der chinesisch-amerikanischen Koproduktion I am the People_2 von Xiaofei Li auch der zweite Teil einer Trilogie, deren erster Teil 2020 bei den Kurzfilmtagen mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet wurde. Mit Josef Dabernig, Katie Davis, Su Zhong und John Smith kehren weitere ehemalige Preisträger der Kurzfilmtage mit neuen Arbeiten nach Oberhausen zurück. Als deutscher Beitrag wurde die neue Arbeit von Christoph Girardet und Matthias Müller ausgewählt, Misty Picture, eine Found Footage-Kompilation von Bildern des World Trade Centers in New York.

 

„Trotzdem wir weniger Einreichungen als gewohnt hatten, waren wir von der Qualität der Arbeiten insgesamt beeindruckt. Der Wettbewerb spiegelt die Vielfalt an Kinematographien, Themen und Formen, die es derzeit im Kurzfilm gibt und die wir abbilden wollen – von der Bearbeitung einer Instagram-Performance aus Frankreich über ein fantasievoll ausgestattetes politisches Statement aus dem Senegal bis zur ornithologischen Beobachtung, die visuell eindrucksvoll ein verschwindendes ökologisches Habitat in Singapur dokumentiert,“ so Hilke Doering, Leiterin des Internationalen Wettbewerbs.

 

Der Deutsche Wettbewerb

Für den Deutschen Wettbewerb wurden 21 Arbeiten aus knapp 700 Einreichungen ausgewählt. „Die deutsche Kurzfilmproduktion scheint von Corona weniger beeinträchtigt, als wir befürchtet hatten, zumal auch die Qualität der Arbeiten uns beeindruckt hat,“ so Carsten Spicher, Leiter des Deutschen Wettbewerbs. In der Auswahl finden sich ungewöhnlich viele Spielfilme. So erzählt Adrian Figueroa in Proll! von den „working poor“; Luise Donschen folgt in Elle einem Vater mit Kind auf ihrem Spaziergang durch den botanischen Garten; Jovana Reisingers Die klaffende Wunde ist eine Hommage an Rainer Werner Fassbinder, während Mareike Wegener ihren „surrealen Road Movie“ X vor der Kulisse der post-industriellen Kohlereviere im Westen Deutschlands spielen lässt. Am anderen Ende des Spektrums stehen Arbeiten aus dem Kunstkontext wie Maya Schweizers Voices and Shells, eine Auftragsarbeit für die Villa Stuck in München, und mit Bjørn Melhus‘ Doors of Reception einer der wenigen expliziten „Corona-Filme“.

 

„Die Beiträge sind nicht nur sehr heterogen, was die Kontexte betrifft, aus denen sie kommen. Sie decken das gesamte Spektrum von der Hochglanzproduktion bis zu sehr kleinen und persönlichen Filmen ab,“ so Carsten Spicher.

 

Der NRW-Wettbewerb

Elf in NRW produzierte Filme wurden für diesen Wettbewerb ausgewählt. Auch hier dominiert die Vielfalt der Formen, von der Dokumentation bis zur Animation. Johannes Klais und Florian Pawliczek porträtieren in Aus aktuellem Anlass drei Menschen während der Corona-Krise, einen Schuster, eine Kneipenwirtin und einen Cellisten; Oliver Gather taucht in Hoch Sitzen in die Kultur der Jäger ein, Volker Köster und Frédérique Laffont werfen in La Bâche einen Blick auf das traditionelle Heumachen in den französischen Alpen. Mit Found Footage arbeiten Rainer Knepperges, der in Tricks for Transformation altes Material zu Schönheitsexperimenten aus den 60er Jahren verarbeitet – komplett mit Eigelb und Erdbeeren, oder Christian Becker, der in LYDIA aus alten Familienfilme ein ungewöhnliches Porträt seines Onkels und seiner Tante schafft.

 

„Die freien Produktionen überwiegen in diesem Jahr bei weitem; nur drei Arbeiten stammen von Hochschulen. Ein Wettbewerb, in dem viele neue und interessante Stimmen zu entdecken sind,“ so Carsten Spicher, Leiter des NRW-Wettbewerbs.

 

Der Kinder- und Jugendfilmwettbewerb

Für diesen Wettbewerb wurden 40 Filme aus 24 Ländern ausgewählt, die nach Altersstufen sieben Programmen, beginnend ab drei Jahren, gezeigt werden.

 

Der Deutsche MuVi-Preis und der Internationale MuVi-Preis

Die Musikvideo-Auswahl wird gesondert bekanntgegeben.

 

Oberhausen, 28. März 2021

 

Pressekontakt: Sabine Niewalda, T +49 (0)208 825-3073, niewalda(at)kurzfilmtage.de