Preisträger
Großer Preis der Stadt Oberhausen
dotiert mit 7.000 €

Begründung der Jury
Wir sehen das Meer, Bilder vom Himmel im Gegenlicht, und hören die Erzählerin von einem erfolglosen Selbstmordversuch berichten. Es folgt eine persönliche Geschichte über das Leben, seine Schwierigkeiten und Schönheit. Eine Geschichte, die alle filmischen Register zieht, mit verschiedenen Animationstechniken, Found Footage und Standbildern. So schafft die Filmemacherin eine non-lineare Erzählung, die den Zuschauer*innen Raum gibt für eigene Interpretationen und Fantasien. Sie taucht visuell und erzählerisch tief in ihre eigene Geschichte ein. Es fühlt sich an wie ein Moment der Reflektion, die Erklärung einer bildenden Künstlerin, die sich nach innen wendet. Der Film feiert das Leben und den Film und das Resultat ist überwältigend und – wie das Leben – unglaublich reich.
Hauptpreis
dotiert mit 3.000 €

Begründung der Jury
Eine einzige lange Einstellung ohne Ende oder Anfang, die uns in einem scheinbar zufälligen Moment erwischt. Sie zeigt uns, in 8 Minuten und 28 Sekunden, die Verbindungen zwischen Gewalt, Maschinen, Technologie und Arbeit. Mit einem immer dicht an Verzweiflung grenzenden Humor mischt der Filmemacher westliche und östliche Mythologien und zeichnet sie als zukünftige Führer einer Welt ohne Menschen, in der es nur industrialisierte, mechanische Bewegung gibt. Einen solchen Film zu machen, aus dem Bauch heraus, direkt auf die Leinwand nach langer und geduldiger digitaler Bearbeitung, ist eine enorme Leistung. Danke, Su Zhong, für die Erinnerung daran, dass wir auch schon vor der Pandemie Filme über eine Welt voller Gewalt und Verzweiflung machen konnten.
Lobende Erwähnungen der Jury des Internationalen Wettbewerbs

Begründung der Jury
More Woman, More Cry von Anne Haugsgjerd ist ein atemberaubender Film, der die Schönheit und Zerbrechlichkeit des Lebens einfängt. Voll lebendiger Klarheit, enormer Fantasie und hintersinnigem Humor, legt Haugsgjerd humorvoll und poetisch nachdenklich stimmende Reflektionen über Familie, Kunst, Altern und die Fluidität der Zeit vor. Ohne Peinlichkeit, aber voller Zweifel, zeigt der Film eine emanzipierte Filmemacherin, die auf ihr Leben blickt und fragt: Was kommt als nächstes?

Begründung der Jury
Am anderen Ende dieses Spektrums steht nach Meinung der Jury Sensory Overload, ein poetischer Film von Ganza Moise, der sich von einem Gedicht von Natacha Muzira leiten lässt. Ein scheinbar federleichter Film mit einem existenziellen Grundton, in dem Zeit, Form und Raum ineinanderfließen auf der Suche nach einem Weg aus der Realität heraus, nicht durch Zerstörung, sondern durch die Poesie des Lebens.
Preis der Jury des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
dotiert mit 5.000 €

Begründung der Jury
In einer unbestimmten Zeit waschen Frauen Kleidung am Fluss, ein steinernes Ohr wird porös. Aus heiterem Himmel fällt ein regloser Körper kopfüber ins Flussbett. Die Schreie der arbeitenden Untoten durchdringen eine rätselhafte Stille. Im Stil des Magischen Realismus positioniert diese Arbeit „Film als Ritual“. Das lodernde Feuer schmiedet neue Augen, die uns die Schönheit eines analogen Mysteriums aus Tränen, Erde, Licht und Schatten sehen lassen. Die beunruhigende Absenz von Dialog schärft unsere Sinne zu höchster Wachsamkeit, um uns dann mit „heavy metal“ aus der irdischen Hölle zu fegen. You are invited to join the order of cinema.
Lobende Erwähnungen der Jury des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

Begründung der Jury
„I miss you“. In analogen Schwarz-Weiß-Bildern erscheinen Chatverläufe anonymer Liebender, die der britischen Regierung als Zeugnis einer validen Partnerschaft dienen sollen. „Hostile Environment Policy“ nennt sich der Versuch des UK Home Office, den Einwanderungsprozess nach Großbritannien so unerträglich wie nur möglich zu gestalten. Die Auswirkungen dieser drastischen Maßnahmen auf binationale Familien und Partnerschaften lässt uns dieser Film in persönlichen Berichten nachempfinden, die in einer unprätentiösen Montage mit 16mm-Film, Google Street-View und Found Footage kombiniert werden.

Begründung der Jury
Wie sich historische Spuren manifestieren an Orten, die grausame Zeitgeschichte schrieben, wie die allmählich verblassenden Graffiti des Terrors ein Wandgemälde der Zeugenschaft des Genozids evozieren und wie selbst kleine Geschäftemacher vom Krieg profitieren, davon erzählt Anna Dasović in ihrem eindringlichen Film Before the fall there was no fall. Episode 02: surfaces, der zudem souverän Archivmaterial und authentisches Found Footage kombiniert, um die Frage zu stellen: Was bleibt?
Preis der Internationalen Filmkritik (FIPRESCI-Preis)

Begründung der Jury
Dieser Film ist eine künstlerische und investigative Erkundung, die uns eine faszinierende Wahrnehmungserfahrung bietet. Er schafft eine filmische Atmosphäre und reflektiert gleichzeitig urbane und ökosoziale Transformationen menschlicher und mehr-als-menschlicher Beziehungen. So eröffnet uns {if your bait can sing the wild one will come} Like Shadows Through Leaves ein Verständnis von Film als ästhetischem Instrument, das hinterfragt, Widerstand leistet und die Beziehungen zwischen Kultur und Klimawandel neu denkt.
Preis der Ökumenischen Jury
dotiert mit 1.500 €

Begründung der Jury
Ein Clown, der in seinem Wohnzimmer Faxen macht; eine Seiltänzerin, die auf ihrem Balkon im Training bleiben will, ein Zirkusdirektor, der in seinem Wohnwagen friert, weil er sich die Heizkosten nicht mehr leisten kann: Zoom sur le cirque bringt soziale, politische und ästhetische Aspekte der Corona-Pandemie so treffend wie herzzerreißend zusammen: den menschlichen Wunsch, ja, die Notwendigkeit, auch in der Krise zu lachen; die Not von Kulturschaffenden und Künstlern, die davon bedroht sind, ihre Existenzgrundlage zu verlieren; die Improvisationskunst, die Zirkus wie Zoom und Co. gleichermaßen von uns verlangen und damit die technische und menschliche Möglichkeit, Distanz durch Humor zu verringern.
Lobende Erwähnung der Ökumenischen Jury

Begründung der Jury
nga’i nang ist ein Film über einen Sohn, der zu seiner Familie nach Nepal zurückkehrt, um sich von seinem sterbenden Vater zu verabschieden. Der Sohn filmt diese letzten Tage, das Sterben und den Tod seines Vaters, die im Alltag dieser armen Bauernfamilie genauso einfach und natürlich erscheinen wie die kleinen Dinge, die gewöhnlich passieren. Obwohl das alles traurig ist, ist dies die Ordnung ihres Lebens. Während der Film sehr bescheiden ist, erzählt er distanziert, aber sehr persönlich und emotional. Ähnlich wie die Mutter, die sich ihren religiösen Ritualen zuwendet, innerlich und in Stille trauert, und ähnlich wie der Sohn, der, nachdem er sein Zuhause und seine einsame Mutter wieder verlassen hat, einsam trauert. Später, allein am Strand des Ozeans auf einem anderen Kontinent, wird er sich erinnern. Obwohl das alles traurig ist, ist dies die Ordnung seines Lebens.
ZONTA-Preis für eine Filmemacherin aus dem Internationalen oder Deutschen Wettbewerb
dotiert mit 1.000 €

Begründung der Jury
Am Anfang war das Werk einer großen, futuristischen Autorin, das in dieser Arbeit in eine vielschichtige, poetische und zukunftsweisende Filmerfahrung überführt wird, die lange nachhallt.
Großer Online-Preis der Stadt Oberhausen
dotiert mit 5.000 €

Begründung der Jury
Für den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, den der Film durch seine lyrische Ethnografie herstellt, und für das Ausloten, aus sanfter Distanz, einer außergewöhnlichen Mythologie, die Frauen zu nicht-traditionellen Lebensweisen ermächtigt.
Online-Hauptpreis
dotiert mit 2.000 €

Begründung der Jury
Wie eine frische Brise lässt uns dieser Film die Natur wiederentdecken; und er zeigt uns sein Licht und seine Wunder durch die photochemische Materialität von Zelluloid und treibt damit die Erkundung der Möglichkeiten des Analogen voran.
e-flux-Preis
dotiert mit 3.000 €
Für eine herausragende Film- oder Videoarbeit, die eine neue Form für das poetische und elektrische Potenzial des bewegten Bildes im Zeitalter globaler Informationsflüsse findet.

Begründung der Jury
Eine intelligente und poetische Untersuchung von Zeit, Aufnahmetechnologien und dem Auslöschen von Arbeiter- und indigenen Identitäten aus ebenso persönlicher wie kritischer Perspektive, findet dieser Film kompakte und unaufwändige Wege, diese ausdrucksstarken Themen zu verbinden.
Preis der Online-Jury des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
dotiert mit 3.000 €

Begründung der Jury
Konsequenterweise verzichtet der von uns ausgezeichnet Film auf eine Tonebene, handelt es sich doch um eine Beschäftigung mit Sichtbarkeitsverhältnissen. Un très long temps d'exposition entdeckt, schichtet und verbindet Bilder und Narrative der Welt- und Privatgeschichte. Mit ihrer zugleich analytischen wie persönlichen Komposition von Bildmotivketten macht Chloé Galibert-Laîné die politisch-ideologische Dimension bildgebender technologischer Verfahren sichtbar und hinterfragt mediale Sichtbarkeit als ultimative Legitimation und letztgültigen Existenzbeweis.
Lobende Erwähnung der Online-Jury des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

Begründung der Jury
Die grenzenlose Verfügbarkeit der Welt, just a click away – und dennoch sind es die schäbigen Pappmaché-Modelle berühmter Monumente in einem kleinen Vergnügungspark, die ganz eigene Vorstellungen von Freiheit und Zukunft entzünden. Unsere lobende Erwähnung geht an einen Film, der uns den vergänglichen Stoff zeigt, aus dem Träume sind, und jene Fremdheiten, die auch von globaler digitaler Kommunikation nicht aufgehoben werden können.
Preis der Ökumenischen Online-Jury

Begründung der Jury
Wie erinnern wir uns daran, wie wir einmal waren? Minnen ist eine authentische Dokumentation, in welcher wir gemeinsam mit der Filmemacherin, auf ihre von Kontrollzwängen geprägte Vergangenheit zurückschauen. Animierte Sequenzen zeichnen ihre Gedanken der vergangenen Zeit einfühlsam nach. Mit originalem Bildmaterial aus ihrer Jugend und einem aktuellen Interview ihrer Eltern zeigt uns Kristin Johannessen durch diese wiederbelebten Erinnerungen die Herausforderung des Anders-Seins und wie es ist, ein Kind groß zu ziehen, das du nie ganz verstehen kannst, aber dennoch niemals aufgeben willst. Minnen ist das Festhalten an der Hoffnung, dass alles anders werden kann, selbst bei schwersten psychischen Leiden.
Lobende Erwähnungen der Ökumenischen Online-Jury

Begründung der Jury
Kalsubai erforscht die Geschichte der Göttin Kalsu und ihre Bedeutung für die Frauen von Bari. Der Film setzt dabei auf starke visuelle und akustische Bilder, die weder erklären noch szenisch verfälschen. Die schon fast fotografisch anmutenden Bildkompositionen und ihre ausdrucksstarke Einfachheit machen den Film allen Menschen zugänglich und laden ein, über eigene kulturelle Prägungen nachzudenken und sie zu hinterfragen.

Begründung der Jury
Leider verstecken viele Familien auch heute noch dunkle Geheimnisse. Der animierte Kurzfilm Cântec de leagăn untersucht die innersten Tiefen einer Familie, die von häuslicher Gewalt und Alkoholismus gebeutelt ist. In diesem Klima des Terrors sehen wir eine Mutter, die sich um ihr Neugeborenes kümmert und versucht, ihn und seinen großen Bruder zu schützen. Die Animationstechnik stellt die unterschiedlichen Geisteszustände der Charaktere perfekt dar und macht uns auf die Schwierigkeiten aufmerksam, mit denen jede Familie zu kämpfen haben könnte. Besonders beeindruckend ist die Art und Weise, wie das Lied „Cântec de leagăn“ – ein traditionelles rumänisches Schlaflied von Maria Tanase – mit den Animationen verwoben wird.
Preis des Deutschen Wettbewerbs
dotiert mit 4.000 €

Begründung der Jury
Ein Film über die da unten. Die Schlechtbezahlten, die Gestressten, die Übersehenen. Die herausragende Kamera folgt ihnen dicht, oft intim, wir spüren den Druck, sehen den Schweiß und die Angst. Und dennoch bleiben die Figuren auf Distanz zu den Betrachtenden, der Film stellt keine sentimentale Gemeinsamkeit her, wo es keine Gemeinsamkeit gibt. Ein Film über die Einsamkeit unserer Zeit.
3satNachwuchspreis
dotiert mit 2.500 €
Der Preis umfasst darüber hinaus das Angebot, den ausgezeichneten Beitrag zu erwerben und im 3sat-Programm zu präsentieren.

Begründung der Jury
Sommer auf dem Land, ein Wechselspiel von alltäglicher Arbeit an Haus und Garten und beiläufigen Überlegungen über die passende Inszenierung der Idylle. Vor und hinter der Kamera sucht die Filmemacherin nach Antworten, wie wir mit unserem politischen und materiellen Erbe umgehen sollen. Doch weder die Gespräche mit der Familie noch im Internet wiedergefundene Erinnerungen, abendliche Erzählungen oder die unbeantworteten Briefe an den Über-Vater helfen dabei. Eine Ortsbegehung mit Gegenwartsanalyse.
Lobende Erwähnung der Jury des Deutschen Wettbewerbs

Begründung der Jury
Überforderung, Loslassen, alles gleichzeitig erleben und immer wieder alles neu lernen müssen, ein unbarmherziges Nebeneinander, kein Muster erkennbar – das Leben in seinen offenen Enden als filmisches Prinzip.
Preis des Deutschen Online-Wettbewerbs
dotiert mit 2.500 €

Begründung der Jury
Komm mit auf eine Tour durch eine rätselhafte Welt, angesiedelt zwischen den Achtzigern und einer utopischen Idee, zwischen Industrieschornsteinen und Jurassic Parks. Spielerisch, aufrichtig und sinnlich lädt dich die Regisseurin in ihren bewundernswert persönlichen Kosmos voller Musik und Freiheit ein.
Lobende Erwähnung der Jury des Deutschen Online-Wettbewerbs

Begründung der Jury
In einer Situation, in der wir alle gezwungenermaßen zu Flaneuren werden, tröstet die Schönheit dieses analog fotografierten traumwandlerischen Spaziergangs, jenseits von Zeit und Zwängen.
Preis des NRW-Wettbewerbs
dotiert mit 1.000 €
gestiftet vom SAE Institute Köln und Bochum

Begründung der Jury
Erliegen wir dem Charme des Materials oder ist es die facettenreiche Geschichte einer Klasse, eines Lebens oder einer Beziehung – die uns in Teilen auch noch bekannt vorkommt? Eine Geschichte, in der wir uns selbst finden? Dazwischen der Mut zum Schwarzbild. Wir erleben ein feines filmisches Gespür für das Wort- und das Bilderzählen. Wir erfahren etwas über den Wert von erfüllender Arbeit im menschlichen Leben – auch das kommt uns bekannt vor. Immer wieder bricht das Außen in das Private: Dokumentarische Fernsehbilder vom Jugoslawien Krieg und von den brennenden Häusern – fast hätten wir vergessen, wie lange es die rechte Gewalt in unserer deutschen Republik schon wieder gibt. Am Anfang hören wir den Puls des Lebens, darauf schnell und hart geschnitten Porträtbilder von einem Mann und einer Frau in der Ästhetik der 70er Jahre. Das Paar wird älter und wir nehmen Anteil an ihrem linksliberalen bürgerlichen Leben, aber auch an den Prozessen der Veränderung. Dazwischen Rotlicht Bestrahlungen und Introspektionen, Selbstbefragungen auf Grund einer schweren Krankheit. Ein narrativer Film über das Leben wird hier ausgezeichnet, ein berührend entblößendes Porträt, gezeichnet so intim, so spannend, als existentielle Geschichte, wie sie zu jeder Zeit passiert, die am Ende für uns, die Zuschauer, viele Fragen offenlässt und damit in unseren Köpfen weiter geht.
Förderpreis des NRW-Wettbewerbs
dotiert mit 500 €
gestiftet vom SAE Institute Köln und Bochum

Begründung der Jury
Die Protagonistin im preisgekrönten Film leidet – ihr Leiden ist individuell und persönlich. Es wäre aber für andere sichtbar, dieses Leiden, und darum meidet sie die öffentliche Gemeinschaft. Es zwingt sie in Quarantäne (Quarantäne; die Erwähnung dieses Wortes zeigt schon, dass der Film durchaus aktuelle Zustände beschreibt und ganz gegenwärtige Assoziationen hervorruft). In dieser Quarantäne, dieser Isolation verbreitert sich das Leiden von außen nach innen – und wird furchtbare Angst – und die kann einen bekanntlich ja nicht nur sprichwörtlich auffressen. Wir als Zuschauende können den Schmerz buchstäblich spüren. Der preisgekrönte Film ist – ein Animationsfilm. Ein Animationsfilm, in dem der einfache Strich in eine sinnhafte Farbdramaturgie verpackt wird. Ein Animationsfilm in den sich motivische Realfilm-Schnipseln einmischen. Ein Animationsfilm, der in Kombination mit einem atmosphärischen Ton-Musik-Konzept psychologischen Thrill und Emotionalität kreiert. Ein Animationsfilm, der narrativ-dramaturgisch wie formal ästhetisch überzeugt.
Lobende Erwähnung der Jury des NRW-Wettbewerbs

Begründung der Jury
Lobend erwähnen wollen wir einen Film, der auf der Schnittstelle von Forschung und Dokumentation operiert. Direkt zu Beginn schon wird Ausgangspunkt und Blickwinkel der Beobachtung offengelegt. Streng geordnet erleben wir dann nach und nach einen ganzen kulturellen Kosmos: Traditionen, Geschlechterrollen, Lieder. Wir erfahren von einer eigenen Sprache: die versachlicht, legitimiert und überhöht. Und wir begreifen die zugehörige Blickperspektive. In dem Film geht es um nichts weniger als um den Akt des Tötens. Um die Entscheidung über Leben und Tod, bei der Jagd – ganz ohne Not. Ausgangs- und Endpunkt der erhellenden dichten Beschreibung ist eine Skulptur: zwei Hochsitze, die sich gegenüberstehen.
Preis der WDR Westart-Zuschauerjury
dotiert mit 750 Euro
gestiftet von der WDR Westart

Begründung der Jury
Ein schwarzhumoriger Blick auf den bitteren Kampf gegen eine tödliche Krankheit. Es geht um Leben und Tod, um Zerrissenheit. Es geht um Schwäche, Kraft, Mut und das Einstecken von Rückschlägen. Und: es geht um Hoffnung. Schwarzweiße Linien, ohne Worte. Ein drängendes Thema, leicht verpackt. Wie der Filmemacher Existenzielles wie Krebskrankheit, Chemotherapie und Überlebenskampf mit Witz und Intensität erzählt, finden wir absolut preiswürdig.
Preis der Kinderjury des Internationalen Kinder- und Jugendfilmwettbewerbs
dotiert mit 1.000 €
gestiftet von den Wirtschaftsbetrieben Oberhausen (WBO)

Begründung der Kinderjury
Wir fanden die Animation von dem Film sehr schön. Außerdem mochten wir die Musik. Das Ende fanden wir ein bisschen traurig, weil der Vogel nicht zu der Frau zurückgeflogen ist. Trotzdem war es für den Vogel ein glückliches Ende.
Förderpreis der Kinderjury des Internationalen Kinder- und Jugendfilmwettbewerbs
dotiert mit 1.000 €
gestiftet von der Energieversorgung Oberhausen AG (evo)

Begründung der Kinderjury
Wir fanden gut, dass es in dem Film um Freundschaft ging. Die Idee, dass das Mädchen eine Schnecke gefunden und sich mit ihr angefreundet hat, war sehr gut. Es war witzig, dass die Mädchen Äpfel ausgelegt haben, damit die Schnecke wiederkommt. Wir fanden gut, dass sie die Schnecken am Ende freigelassen haben, sodass sie bei ihren Freunden bleiben konnten.
Lobende Erwähnung der Kinderjury

Begründung der Kinderjury
Wir mochten die Musik von dem Film sehr gerne. Uns haben die Polarlichter, die sich verwandeln konnten, gut gefallen. Außerdem fanden wir es schön, dass der Husky am Ende einen Freund gefunden hat.
Preis der Jugendjury des Internationalen Kinder- und Jugendfilmwettbewerbs
dotiert mit 1.000 €
gestiftet vom Rotary Club Oberhausen

Begründung der Jugendjury
Unser Gewinnerfilm hat mit großer Stärke ausgedrückt, dass man sich nicht verbiegen muss und eigene Entscheidungen treffen kann. Er macht aber klar: Das gilt nicht für alle unter gleichen Voraussetzungen. Rassismus steckt auch in den gut gemeinten Ratschlägen – die junge Frau im Film hat uns gezeigt, dass Assimilation nicht um jeden Preis geschehen muss. Der Kurzfilm spitzt diese für von Rassismus betroffenen Personen alltägliche Situation so gekonnt zu, dass sie uns als Publikum wirklich trifft.
Lobende Erwähnung der Jugendjury

Begründung der Jugendjury
Hervorheben wollen wir einen außergewöhnlichen Film mit einer wichtigen Message: Normal kann vieles sein! Wir brauchen kein Mitleid! Die Choreografien haben uns sehr gefallen – in wenigen Minuten geben sie uns ein Verständnis davon, dass eine Prothese mehr ist als nur ein Ersatz und ein Mangel.
ECFA Short Film Award
Der Preis besteht aus einer Nominierung für den ECFA Short Film Award 2022.

Begründung der Jury
Die ECFA Kurzfilmjury vergibt ihren Preis an einen Film mit einer mutigen Geschichte über unterschiedliche Aspekte von Maskulinität. Durch sein nuanciertes Drehbuch, herausragende Schauspieler und Montage zeigt der Film die Komplexität des Heranwachsens als Junge und des freien Auslebens seiner Gefühle und Wünsche auf. Den Hauptfiguren wird beigebracht, dass sie „Mann oder Maus“ sein müssen, aber die Geschichte des Films zerstört diese Stereotypen Schritt für Schritt.
Prädikate der Ökumenischen Jury
verbunden mit der Empfehlung an Matthias Film und das Katholische Filmwerk, diese Filme für ihre Filmarbeit anzukaufen

Begründung der Jury
Vom Suchen und Finden der Liebe und der Schwierigkeit, mit ihr umzugehen. Die 14-jährige Nova übernimmt Verantwortung für ihre kleine Schwester und gerät dabei auf eine Entdeckungsreise zu ihren Gefühlen. Nova ist ein Film, der perfekt in Szene gesetzt und wunderbar fotografiert wurde. Das Drehbuch kommt ohne Pathos und inhaltliche Schwere aus und bleibt dennoch nicht an der Oberfläche. Ein stimmiger und tiefgründiger Film zugleich.

Begründung der Jury
Eine Atmosphäre der Unsicherheit bestimmt den Wochenendbesuch eines Jungen bei seinem Vater. Ein steiniger Weg der gegenseitigen Annäherung auf einem entlegenen Bauernhof in der kargen und beeindruckenden Landschaft Islands beginnt. Die Verletzung des Pferdes Dalía löst eine entscheidende Veränderung in der Beziehung der beiden aus. Ein Film, der die Thematik des Abschiednehmens aus verschiedenen Perspektiven ruhig und eindrücklich zeigt.
Deutscher MuVi-Preis: 1. Preis
dotiert mit 2.000 €
gestiftet vom SAE Institute Köln und Bochum

Begründung der Jury
Junge Milliardäre von UWE ist eine elegante Arbeit, die mit vollem Gewicht in unsere sicher geglaubten Routinen der Wahrnehmung und Einordnung einschlägt. Wir bekommen einen wackeligen Deepfake von Elon Musk gezeigt, der auf einer Art Bühne und vor einem Spiegel mit Lässigkeit und Routine verführerisch vor allem sich selbst ansingt, ein vielfaches Spiel mit Eitelkeit, Identität, Sehnsucht und dadurch natürlich Pop par excellence. In Verbindung mit Musik und Lied ergeben sich vielfache Risse und Verschiebung der Bedeutung der Bilder und die Frage stellt sich, wer hier überhaupt Autor und wer Sänger ist. Die offensichtliche Fehlerhaftigkeit, die Brüchigkeit des Deepfakes macht die Sache noch schöner, der Blick des Zuschauers ist erst fasziniert und wird zunehmend unsicher. Und mit großer Cleverness, im Gewand technischen Könnens, scheinen alle anderen Mittel in dieser zauberhaften filmischen Arbeit auf, Collage, Suspense, der liebende Blick, Witz und vielleicht ein wenig Horror. Eine brillante Arbeit, die genau so sehr in der Geschichte von Film und Welt fußt, wie sie in die Zukunft weist.
Deutscher MuVi-Preis: 2. Preis
dotiert mit 1.000 €
gestiftet vom SAE Institute Köln und Bochum

Begründung der Jury
The Source of the Absolute Knowledge von Christine Gensheimer hat uns mit seinem spielerischen und feinsinnigen Animationsstil überzeugt, mit dem einprägsame Bilder hervorgebracht wurden. Mithilfe von Metaphern aus Popkultur, Internetkultur und Kunstgeschichte treffen im Video Analoges auf Digitales, Pixel auf Farbkleckse, Dalí auf Emojis. Durch collagierte, wechselnde und ineinander übergehende Settings bringt das Video Form und Inhalt virtuos zusammen: Die Ressource des Wissens im Computerzeitalter besteht aus fragmentarischen Informationen, die eine Komposition durch eine Benutzerin erfordern. Mit Leichtigkeit bringt Gensheimer Bild und Ton zusammen. Ungewohnt spielerisch lässt sie Mensch auf Maschine treffen, und nur noch die Retroästhetik erinnert daran, dass das Verhältnis einst weniger unbeschwert war.
Deutscher MuVi-Publikumspreis
ermittelt durch Abstimmung im Internet und dotiert mit 500 €
gestiftet vom SAE Institute Köln und Bochum

Lobende Erwähnung der MuVi-Jury

Begründung der Jury
Eine lobende Erwähnung geht an Rasenmäher in E-Moll von Stephanie Müller und Klaus Erika Dietl, weil nicht nur das Musizieren, sondern auch das Filmemachen ein offener Prozess sein kann, bei dem man tastend voran geht, mal ein bisschen leiert, ein wenig umsteuert, mal mutig vorweg läuft, um dann amüsiert der eigenen Arbeit dabei zuzuschauen, wie sie einem davonläuft. Den Dreh offen anzugehen, das Ergebnis nicht abzusichern, vielleicht noch ein paar Versionen des vorläufigen Ergebnisses in petto zu haben, das ist was vergnügliches und lebendiges und geht vor lauter Sorge um Perfektion und Sicherheit schnell verloren. Diese lobende Erwähnung ist auch ausdrücklich als Aufmunterung zu verstehen, auf diesem unklaren, lustigen Weg noch ein paar Meter weiter zu gehen.
Internationaler MuVi-Preis: 1. Preis
dotiert mit 2.000 €

Begründung der Jury
Für uns ist Hungry Baby die Quintessenz eines Musikvideos. Die Inszenierung der Regisseurin Clara Balzary für den rauen und pulsierenden Song von Kim Gordon ist meisterhaft. Die Kühnheit dieses Videos liegt in der Einfachheit der Inszenierung, und wie Verwundbarkeit durch den Tanz der großartigen Schauspielerin Coco Gordon-Moore ausgedrückt wird; es zeigt uns sowohl Wut wie auch Lust an und Trost durch die Musik als befreiende Kraft. Balzary drehte auf einem menschenleeren Parkplatz, der eindrücklich das Gefühl von Angst zu Beginn der Pandemie und ihrer Kommodifizierung von Alltagserfahrungen vermittelt. Das narrative Konstrukt eines männlichen Aggressors zu Beginn erweitert sich zum Gegenpart des Überlebens, in dem die Frau die Kontrolle übernimmt und uns am Ende mit einem lebensbejahenden Gefühl entlässt, während die Musik uns aus der restriktiven Realität heraussprengt.
Internationaler MuVi-Preis: 2. Preis
dotiert mit 1.000 €

Begründung der Jury
Traitors von Kingsley Hall ist einer der politischsten Filme in dieser Rubrik, der uns in seiner Einfachheit und Evidenz überzeugt hat. Wenige Mittel genügen der Produktion, auf die Betrachter das Gefühl von Beklemmung und Ohnmacht zu übertragen. Mit dem Stilmittel der Affirmation greift Kingsley Hall die (oftmals rechte) Kritik an Brexit-Gegnern, an den sogenannten "Snowflakes" auf: Während inhaltlich die Kritikpunkte passiv-aggressiv angenommen werden, werden sie formal zurückgewiesen. Als Wutrede vorgetragen, zunächst im O-Ton und unter Begleitung einer immer düster werdenden Mimik des Protagonisten, mündet sie schließlich in einem schmerzhaften Schrei in Slow Motion. Kingsley Hall hat für eine gesellschaftliche Stimmung eine pointierte Form gefunden. Effektvoll wird in Traitors zum Ausdruck gebracht, was nicht nur in politischen Diskussionen um den Brexit eine Rolle spielt, sondern in der politisierten und emotional aufgeladenen Debattenkultur im Netz allgemein: die Verzweiflung angesichts einer scheinbaren Unauflösbarkeit vorherrschender Polarisierungen.
Internationaler MuVi-Publikumspreis
ermittelt durch Abstimmung im Internet und dotiert mit 500 €

Lobende Erwähnung der MuVi-Jury

Begründung der Jury
Als Jury waren uns der kreative Blick und persönliche Prozess unabhängiger Filmemacher, die etwas wagen, wichtiger als technische Highlights. Unsere Lobende Erwähnung geht an Station Three (Quartet Diminished) des iranischen Regisseurs Pooya Razi. Für seinen Versuch, das Funktionieren von Systemen gegen Individuen zu beleuchten, nutzt er Stop Motion-Techniken mit selbstgemachten Konstruktionen aus Farbstiften und 3D Zoetrope-Effekten. Wir ehren hier, wie sich Kreativität trotz kollektiver soziopolitischer Umstände entfaltet, ebenso wie die herausragende Qualität des kreativen Inputs durch die Musik von Quartet Diminished.