Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

Thema
2006

Zusammengestellt von dem libanesischen Videokünstler und Kurator Akram Zaatari präsentiert dieses Programm Arbeiten, die auf einen körperlichen und/oder ideologischen Zustand des Eingeschlossenseins - hauptsächlich als Folge von Krieg oder Territorialstreitigkeiten - reagieren. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Nahen Osten als Schauplatz konstanter Kriege, Teilungen, Stereotypisierungen, aber auch als Schauplatz einer außergewöhnlich reichen, subversiven und stimulierenden visuellen Kultur, deren aktueller Stand hier durch ihre oft von Gewalt geprägte Geschichte reflektiert wird.

 

Das Programm untersucht die paradoxe Eigenschaft des Films, einerseits diese Zustände zu durchdringen, um sie zu beschreiben, und andererseits als Propaganda- und Indoktrinierungsinstrument zu dienen, oder einfach als Dokument, das aus der jeweiligen Situation hervorgeht. Versammelt sind Arbeiten aus verschiedenen Genres und Quellen - unabhängige Filme und Videos, Künstlerfilme und -videos, Dokumentarfilme oder Film-Essays. Militärkultur, Familienleben, Bildung und Indoktrinierung, die Poesie der Kriegsdarstellung, traumatische Erfahrungen und individuelle Geschichten tragen alle dazu bei, das Bild einer Film- und Videoproduktion -unter Verschluss- in einen größeren Zusammenhang zu stellen.

 

Gezeigt werden Werke bekannter Künstler wie Omar Amiralay, Yael Bartana, Harun Farocki, Jean-Luc Godard, Mona Hatoum, Walid Raad, Samir oder Elia Suleiman, aber auch Arbeiten von Vertretern der jüngeren Generation wie Ziad Antar, Deniz Buga, Matei Glass und Hatice Güleryüz, Nachrichtenvideos, und Fotografien der iranischen Photografen Bahman Jalali und Rana Javadi von der iranischen Revolution 1978-79, im Podium präsentiert von Stephen Wright.

 

Akram Zaatari lebt und arbeitet als Videokünstler und Kurator in Beirut. Neben seiner Fernseh- und Lehrerfahrung ist er Autor von mehr als 30 Videos und Videoinstallationen zu politischen Fragestellungen im Libanon der Nachkriegszeit, insbesondere zur Logik religiösen und nationalen Widerstands und zur Vermittlung politischer Konflikte im Fernsehen, darunter All Is Well on the Border (1997). Seine Arbeit befasste sich bewusst primitiv mit dem Thema männlicher Sexualität in crazy of you (1997) und How I Love You (2001). Als Mitbegründer der Arab Image Foundation (Beirut), befasst sich Zaatari vor allem mit der Sammlung, Studium und Archivierung der photographischen Geschichte des Nahen Ostens.


Kontakt: Kristina Henschel