Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

Thema
2007

Kinomuseum

 

Oberhausen setzt seine Auseinandersetzung mit der Zukunft des Kinos fort in einem zehnteiligen, von Ian White kuratierten Programm, das die Beziehung zwischen Kino und Museum beleuchtet. Kino und Galerie in ihrer klassischen Form sind gleichermaßen ungeeignet für künstlerische Filme und Videos. Das Museum ist nicht in der Lage, Arbeiten zu zeigen, bei denen die besonderen Betriebsmodelle des Kinos integraler Teil ihrer Bedeutung sind. Das Kino kann künstlerischen Arbeiten keine nachhaltige Infrastruktur bieten. Und dennoch steigt die Zahl der Künstler, die sich dem Film zuwenden.

 

"Kinomuseum" ist der Versuch, neu über die Reaktionen - und deren kulturellen Kontext - beider Institutionen auf Künstlerfilme nachzudenken. Hier geht es nicht nur darum, was wir sehen und wie wir es sehen, das Projekt bietet eine radikale Neuausrichtung des Sehens und der kritischen Reflexion an. "Kinomuseum" erfindet ein neues Museum, das sich aus den Fundamenten des Kinosaals erhebt.

 

Fünf der zehn Programme werden von Ian White kuratiert. Fünf internationale Gastkuratoren stellen je ein Programm zusammen, in dem sie dieses einzigartige imaginäre Museum im Kino selbst konstruieren: Achim Borchardt-Hume (Kurator, Tate, London), AA Bronson (Künstler, New York), Mary Kelly (Künstlerin, Los Angeles), Mark Leckey (Künstler, London) und Emily Pethick (Leiterin, Casco Projects, Utrecht).

 

Der Kurator:

Ian White ist Außerordentlicher Filmkurator für die Whitechapel Art Gallery in London und entwickelt außerdem unabhängige Projekte. Er ist Autor und Künstler.


Dreh dich nicht um! Kinder, Kindheit, Kino

 

Zum 30. Geburtstag ihres Kinder- und Jugendkinos treten die Internationalen Kurzfilmtage eine Reise zurück in die Kindheit an: Statt einer Retrospektive hat Kurator Marcel Schwierin fünf Programme mit Filmen zum Thema Kindheit zusammengestellt, die die Zuschauer zurückversetzen in eine Zeit, die oft nicht so unbeschwert war, wie sie der verklärende Blick zurück gern einfärbt.

 

 

Das Programm "Dreh dich nicht um! Kinder, Kindheit, Kino" eröffnet verschiedene Perspektiven auf das Thema: Die Beobachtung von Kindern durch Erwachsene ist eine davon, wie etwa in dem Klassiker Par 10 minutem vecaks (10 Minuten älter) von Herz Frank aus dem Jahr 1978. Der entgegen gesetzte Blickwinkel ist die Beobachtung der Welt aus Kinderperspektive wie in Veniamin Tronins Upside Down (2005) oder in Außenseiter (Medienprojekt Wuppertal, 2004) und Gay or Not (Wai Yee Chan & Yee Nam Lou, China 2004), die beide von Jugendlichen gedreht wurden. Die Bildsprache zeitgenössischer Künstler lehnt sich darüber hinaus erstaunlich oft an die der Kinderwelt an, wie etwa Bjørn Melhus in The Oral Thing (2001) oder Run Wrake in Rabbit (2005).

 

 

Die sechs Einzelprogramme präsentieren jeweils einen Aspekt des Blicks auf die Kindheit. Neben dem Thema "Blickrichtung" laufen zum Beispiel in dem Programm "Size Does Matter" Filme, die die Hilflosigkeit zeigen, die sich für Kinder oft einfach durch ihre Größe in einer Erwachsenenwelt ergibt - und die "Strategie" der kindlichen Phantasie dagegen anzukämpfen. Unter anderem treten in diesem Programm Laurel & Hardy als überdimensionierte Kleinkinder in Brats aus dem Jahr 1930 auf.

 

 

Die Programme:

Eröffnung: Blickrichtung, 3. Mai, 19 Uhr

Par 10 minutem vecaks (10 Minuten älter), Herz Frank, UdSSR 1978, 10'

Summer Lightnings, Victor Alimpiev, Russland 2004, 2'30''

Why Don't You Love Me? (Phoenix Tapes #4), Christoph Girardet & Matthias Müller, Deutschland 1999, 8'30''

Milk of Amnesia, Jeffrey Scher, USA 1992, 5'40''

 

Mother, Father, Mother 4. Mai, 12:30 Uhr

Mother's Day, James Broughton, USA 1948, 22'

Land of Mist, Suvi Andrea Helminen, Dänemark 2003, 26'

WASP, Andrea Arnold, Großbritannien 2003, 23'

 

Teacher Can You Here Me? 4. Mai, 17 Uhr

Babies on Parade, Universal-International Newsreel, USA 1950, 1'

Dva Zakona, Vefik Hadzismajlovic, Jugoslawien 1968, 10'

Außenseiter, Medienprojekt Wuppertal, Deutschland 2004, 14'

Summer Lightnings, Victor Alimpiev, Russland 2004, 3'

Gay or Not, Wai Yee Chan & Yee Nam Lou, China 2004, 22'

Upside-Down or Phantomas in the Province, Veniamin Tronin, Russland 2005, 20'

The Oral Thing, Bjørn Melhus, Deutschland 2001, 9'

 

Girls Girls Girls 5. Mai 12:30 Uhr

Toward Emotional Maturity, Knickerbocker Productions, USA 1954, 11'

Einwicklung mit Julia, Ulrike Rosenbach, Deutschland 1973, 5'

Pancia - Frauchen, Iwona Siekierzynska, Polen 1995, 15'

About a Girl, Brian Percival, Großbritannien 2001, 10'

Masha, Dana Goldberg, Israel 2005, 10'

Leonie Saint, Jana Debus, Deutschland 2006, 13'

 

In a Material World 5. Mai 17 Uhr

The Little Match Seller, James Williamson, Großbritannien 1902, 3'

Eine Million Kredit ist normal, sagt mein Großvater, Gabriele Mathes, Österreich 2006, 22'

Station, Martin Brand, Deutschland 2005, 15'

One Black/One White, Hung-Chih Peng, Taiwan 2001, 3'

Rabbit, Run Wrake, Großbritannien 2005, 9'

Magnificent Ray, Sarah Miles, Großbritannien 2000, 23'

 

Size Does Matter 6. Mai 12:30 Uhr

Yozhik v tumane (Igel im Nebel), Yuri Norstein, UdSSR 1975, 11'

Brats, James Parrott (Laurel & Hardy), USA 1930, 20'

Faszinierendes Puppenhaus, Uli Versum, Deutschland 1987, 9'

L'outil n'est pas toujours un marteau, Sylvie Laliberté, Kanada 1999, 9'

Kshy, Tra, Ghya, Amit Dutta, Indien 2004, 22'

 

Kontakt: Kristina Henschel