Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

Preisträger
2008

Jury des internationalen Wettbewerbs 2008

Zelimir Zilnik (Serbien)

Mihnea Mircan (Rumänien)

Alessio Cavallaro (Australien)

Shai Heredia (Indien)

Keith Sanborn (USA)


Großer Preis der Stadt Oberhausen, dotiert mit 7.500 €

Chainsaw

Regie: Dennis Tupicoff

Australien 2007

 

 

 

 

Begründung

Für seine meisterhafte Synthese von sozialem Kommentar, formalem Experiment und seine Betrachtungen zum Reiten ohne Sattel, sowohl in der Rodeo-Arena wie auch außerhalb.


Hauptpreis, dotiert mit 3.500 €

Alexandra

Regie: Radu Jude

Rumänien 2007

 

 

 

 

Begründung

Für den ehrlichen Einblick in die komplexen emotionalen Landschaften des Familienlebens mit Hilfe eines rigorosen und unaufdringlichen Einsatzes filmischer Mittel.


Hauptpreis, dotiert mit 3.500 €

Kak stat stervoi

Regie: Alina Rudnitskaya

Russland 2008

 

 

 

 

Begründung

Für seine scharfen Beobachtungen zur Rekonstruktion von Weiblichkeit im postkommunistischen Russland.


ARTE-Preis für einen europäischen Kurzfilm, dotiert mit 2.500 €

Kempinsky

Regie: Neil Beloufa

Frankreich 2007

 

 

 

 

 

 

 

Begründung

Für seine beunruhigende Beschwörung einer Welt, die aus dem Schatten einer gekidnappten Zukunft auftaucht.


Lobende Erwähnung der Internationalen Jury

Running Sushi

Regie: Mara Mattuschka und Chris Harring

Österreich 2008


Lobende Erwähnung der Internationalen Jury

Jai

Regie: Anocha Suwichakornpong

Thailand 2007


Preis der Jury des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, dotiert mit 5.000 €

Parlez moi d'amour

Regie: Alexia Bonta

Belgien 2007

 

 

 

 

 

 

Begründung

Ein Krankenhaus - zwei alte Frauen am Ende des Lebens. Angesichts solcher Umstände assoziieren wir gewöhnlich Verfall und Tod. Dass dies wohl möglich fahrlässig ist, dass hier Lebenserfahrungen abzuholen sind, ein Wissen, das alle angeht, das zeigt uns die Belgierin Alexia Bonta mit Parlez-moi d'amour.

Mit formal reduzierten dokumentarischen Mitteln gelingt es der Regisseurin, zwei Menschen so zum Sprechen zu bringen, dass sie sowohl ihre Lebenserfahrungen als auch ihre Enttäuschungen, ihren Eigensinn als auch ihren Humor einer nachfolgenden Generation als Fazit vermitteln.

Marie und Marie-Claire ermöglichen der jungen Filmemacherin Einblicke in ihr Leben in der Phase, in der es zu Ende geht. Ein Gespräch über Intimität, die Liebe, zur falschen Zeit am falschen Ort. Wie man sieht: Das meiststrapazierte Thema der Filmgeschichte ist doch nicht das meiststrapazierte Thema der Filmgeschichte.

 

Jury des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen 2008:

Christiane Heuwinkel (Bielefeld), Michael Girke (Herford), Klaus Gronenborn (Köln), Rainer Komers (Mülheim/Ruhr), Ruth Schiffer (Düsseldorf)


Preis der Jury der FIPRESCI (Jury der Internationalen Filmkritik)

Nezrimoe

Regie: Pavel Medvedev

Russland 2007

 

 

 

 

 

Begründung

Am Beispiel des G8-Gipfel in St. Petersburg 2006 enthüllt Regisseur Pavel Medvedev in seinem Film Nezrimoe die Rituale des zeitgenössischen Politikbetriebs: Die müde Choreographie der Presse, das brutale Ballett eines horrenden Sicherheitsapparats, die eingerosteten Gesten der Symbolpolitik. Wie ein Ethnologe nähert er sich seinem Gegenstand von den Rändern her. Aus kommentarlosen, ohne Zusatzmusik auskommenden Bildern, die unzweifelhaft auf die große Leinwand gehören und zum wiederholten Hinsehen einladen, fügt sich ein ruhiger, eleganter Film voll zurückhaltender, genauer Beobachtung, voller Sensibilität, der nebenbei auch viel über die aktuellen Verhältnisse im Russland der Oligarchen und des Putinismus erzählt. Und ein Film der Distanz: Denn zum verfremdenden Kontrast dient ein Friedhof und ein Steinmetz, der dort die Grabsteine zurechtmeißelt. Hier kann man an Brecht denken und seine Verse über die Vergänglichkeit der Macht: "An der Moldau wandern die Steine/ Es liegen drei Kaiser begraben in Prag./ Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine./ Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag."

 

 

Jury der FIPRESCI 2008:

Anjelika Artyukh (Russland), Mark Peranson (Kanada), Rüdiger Suchsland (Deutschland)


Preis der ökumenischen Jury, dotiert mit 1.500 €

Senko

Regie: Kawamura Yuki

Frankreich 2008

 

Begründung

Eine junge japanische Familie wird mit dem Tod der Mutter konfrontiert. Der eindrückliche Kurzspielfilm lässt uns in symbolträchtigen Bildern miterleben, wie der kleine Yu und sein Vater in dieser Leidsituation von familiärer Geborgenheit getragen werden.

 

Die ökumenische Jury 2008:

Irina Grassmann (Deutschland), Wolfgang Luley (Deutschland), Christian Murer (Schweiz), Eberhard Streier (Deutschland), Peter F. Stucki (Schweiz)


Lobende Erwähnung der ökumenischen Jury

Setu (Die Brücke)

Regie: Shyamal und Sanghamitra Karmakar

Indien 2007, 9', DV, Farbe

 

 

 

 

 

Begründung

In einer aufstrebenden indischen Stadt versucht ein Mädchen seine kindliche Welt zu bewahren. Mit kontrastreicher Bildsprache zeigt der Dokumentarfilm, wie sehr Kindheit durch Urbanisierung bedroht ist.


Preis der Kinojury für den besten 35mm Film unter 15 Minuten im Internationalen und Deutschen Wettbewerb, verbunden mit einer Ankaufsoption durch die KurzFilmAgentur Hamburg für die prämierte Arbeit

Jos Kaadun

Regie: Hannaleena Hauru

Finnland 2007

 

 

 

 

 

Begründung

Die finnische Produktion Jos Kaadun erzählt vordergründig eine alltägliche Geschichte - trotzdem bietet der Film verschiedene Zugänge, unter anderem auch eine dokumentarische Lesart. Die vielen liebevoll beobachteten Details und die hohe technische Qualität machen den Film zu einem leinwandfüllenden Kinoerlebnis.

 

 

Kinojury 2008:

Juliette Duret (Belgien), Ingrid Lüdeke (Deutschland), Christian Wichmann (Deutschland)


Preis der Kino-Jury für den besten 35mm Film unter 15 Minuten im Kinder- und Jugendfilmwettbewerb, verbunden mit einer Ankaufsoption durch die KurzFilmAgentur Hamburg für die prämierte Arbeit

Tôt ou tard

Regie: Jadwiga Kowalska

Schweiz 2007

 

 

 

 

Begründung

Paul McDermott kreiert eine phantasiereiche, ausdrucksstarke eigene Welt. Die poetische Erzählweise in Wort und Bild verführt dabei sowohl Kinder als auch Erwachsene.


Preis der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, dotiert mit 500 €

Armulaud

Regie: Jaan Toomik

Estland 2007

 

Begründung

Die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen vergeben ihren Preis an einen verstörenden Film, der in wenigen, präzisen Szenen die Bindungsangst eines Mannes spiegelt, der weder in seiner Liebesbeziehung noch in religiöser Gemeinschaft oder Natur einen Trost finden kann.


Jury des Deutschen Wettbewerbs 2008

Maria Speth, Cristina Nord, Claus Löser


Preis für den besten Beitrag des Deutschen Wettbewerbs, dotiert mit 5.000 €

Die Tragöden aus der Stadt

Regie: Eva Könnemann

Deutschland 2008

 

 

 

 

 

Begründung

Eva Könnemanns Film hat uns durch seine Vielschichtigkeit, seinen Humor und seine effektive Montage überzeugt. Die Regisseurin begleitet die Probenarbeit zu einer "Hamlet"-Inszenierung von Fabian Hinrichs und Laurent Chétouane. Zwischen Shakespeares Stück und dem Filmgeschehen ergibt sich ein kluges Zusammenspiel. Es gelingen profunde Einblicke in den kreativen Prozess mit all seinen Widersprüchen, seinen Höhen und Tiefen.


3sat-Förderpreis -ex aequo- dotiert mit 2.500 € (ex aequo: 1.250 €), für einen Beitrag, der sich durch eine neue Sichtweise auszeichnet, darüber hinaus mit dem Angebot, den ausgezeichneten Beitrag zu erwerben und im 3sat-Programm zu präsentieren

Supersensibel

Regie: Xenia Yvon Lesniewski

Deutschland 2008

 

 

 

 

 

 

 

Begründung

An Supersensibel hat uns gefallen, wie die Regisseurin die poppige Animation mit der verspielten Darstellung polymorpher Sexualität kombiniert und dies mit rätselhaften Sätzen kommentiert, die dem Film eine wütende Energie geben.


3sat-Förderpreis -ex aequo- dotiert mit 2.500 € (ex aequo: 1.250 €) für einen Beitrag, der sich durch eine neue Sichtweise auszeichnet, darüber hinaus mit dem Angebot, den ausgezeichneten Beitrag zu erwerben und im 3sat-Programm zu präsentieren

I Killed the Butterflies

Regie: Cyrill Lachauerie

Deutschland 2007

 

 

 

 

 

 

Begründung

I Killed the Butterflies findet archaische Bilder für ein Befreiungsritual im winterlichen Gebirge. Die rauhe, ungeschlachte Kameraführung entspricht der körperlichen Direktheit dieses Films.


Lobende Erwähnungen der Jury des deutschen Wettbewerbs

Heidelberg

Regie: Norman Richter

Deutschland 2008

 

 

 

Eure Kinder werden so wie wir

Regie: Andree Korpys und Markus Löffler

Deutschland 2007

 

Begründungen

Norman Richter unternimmt mit Heidelberg einen Exkurs in seine Familiengeschichte. In ruhigen, präzisen Bildern reflektiert er Erinnerung, Verfall und Tod und umkreist den damit verbundenen Schmerz.

Eure Kinder werden so wie wir ist einer der wenigen Filme des Programms, die ein politisches Sujet wählen. Andree Korpys und Markus Löffler filmen die Konfrontation von Demonstranten und Polizisten in Gorleben und Heiligendamm als ritualisiert wirkendes Kräftemessen.


Preis der Kinderjury, dotiert mit 1.000 €

Koest!

Regie: Simone van Dusseldorp

Niederlande 2007

 

 

 

 

 

Begründung

Der Film ist lustig gemacht, hat aber einen traurigen Hintergrund. Ein Junge benimmt sich wie ein Hund, um die Aufmerksamkeit seiner Eltern zurückzuerlangen. Wir denken, dass das leider in vielen Familien Alltag ist. Zudem hat uns die starke schauspielerische Leistung überzeugt.

 

Kinderjury 2008:

Max Komes, Jasper Marten Köster, Hannah Mendrina, Fabian Spickeneder, Linnéa Doberstein


Lobende Erwähnung der Kinderjury

Animatou

Regie: Claude Luyet

Schweiz 2007

 

Begründung

Katze und Maus wurden auf unterschiedliche Art und Weise animiert. Der Film zeigt die technischen und künstlerischen Möglichkeiten und stellt eine "Reise durch die Zeit" von der Bleistiftzeichnung zur Computeranimation dar.


Preis der Jugendjury, dotiert mit 1.000 €

Pajerama

Regie: Leonardo Cadaval

Brasilien 2008

 

 

 

 

Begründung

Urbanität - Unwissenheit - Urwald. Mit einer harmlosen Jagd beginnt die rasant animierte Geschichte eines brasilianischen Ureinwohners. Ohne Worte schafft es der Film, auf herausragende Weise den Konflikt zwischen Zivilisation und Natur in faszinierenden animierten Bildern darzustellen. Das Spannungsfeld der Kulturen wird durch die intelligent abgestimmte Geräusch- und Soundkulisse mitreißend untermalt. Ein fast im Alleingang produziertes, audiovisuelles Meisterwerk.

 

 

Jugendjury 2008:

Deborah Tabea Luhnau, Ruth Lange, Sebastian Busch, Jannik Süselbeck, Kim Werth


Lobende Erwähnung der Jugendjury

The Sound of People

Regie: Simon Fitzmaurice

Irland 2007

 

Begründung

"An dem Tag, an dem ich sterbe, gibt es Internet." In eindrücklicher poetischer Bildsprache gelingt es dem Regisseur, seine philosophische Betrachtung von Leben und Tod zu vermitteln.


Jury des MuVi-Preises 2008

Jan Jelinek (Berlin)

Libby Durdy (Sheffield)

Roel Wouters (Amsterdam)


1. Preis dotiert mit 2.500 €

Ich bin der Stricherjunge

Ein Video von: Simone Gilges

Musik: Stereo Total

Produktion: SimGil Producktion

Deutschland, 2007

 

 

 

 

 

Begründungen

Es ist die Essenz des Pop: es zeigt Freunde, Mode, Spaß, ist spontan, improvisiert, authentisch, selbst gemacht und holt das Beste aus seinem Budget. Die visuelle Ästhetik passt gut zu dem low-fi Sound des Stücks. Die Regisseurin scheint Teil der Szene zu sein, zumindest hat sie den gleichen Stilcode wie die Band. Die beste Arbeit macht man immer, wenn man etwas mit Leidenschaft betreibt. Es ist ein Dokument der Berliner Punkszene.


2. Preis dotiert mit 1.500 €

Bestes Deutsches Musikvideo

Regie: Luigi Archetti, Bo Wiget

Produktion: Archetti & Wiget

Musik: Luigi Archetti, Bo Wiget

Label: Happy System

Deutschland, 2008

 

 

 

 

Begründungen
Es ist ironisch, versponnen, prätentiös, ein bisschen affig, obwohl die Musik und das Video sehr gut zusammen funktionieren. Es spielt mit den Konventionen des Musikvideos, ist Anti-Choreographie, Anti-Video, einfach und elegant. Es hat bei uns eine Diskussion ausgelöst, und da es die Nummer zwei geworden ist, ist es nicht das "beste deutsche Musikvideo".


3. Preis dotiert mit 1.000 €

Dot

Regie: Jörg Petri

Produktion: Jörg Petri

Musik: Michael Fakesch

Label: !K7 Records

Deutschland, 2007

 

Begründungen
Seine Stärke liegt in der Methode: Es konzentriert sich auf eine einfache Idee, verbindet traditionelles Handwerk mit zeitgenössischer Ästhetik und macht das Beste aus den Beschränkungen der Typographie.


Der MuVi-Online Publikumspreis dotiert mit 500 €

Der MuVi-Online Publikumspreis wird von allen Internetnutzern, die ihre Stimmen auf www.muvipreis.de abgeben, ausgewählt.

 

 

 

 

 

Er geht an:

 

Aus meinem Kopf (Erdmöbel)

Regie: Sandeep Mehta

Produktion: Sandeep Mehta

Musik: Erdmöbel

Label: Sony BMG

Deutschland, 2007

 

Der MuVi-Online Publikumspreis wird von allen Internetnutzern, die ihre Stimmen auf www.muvi-preis.de (in Kooperation mit www.intro.de und Hobnox).