Internationale Kurzfilmtage Oberhausen


Oberhausen, Workshop der Wahrnehmung, wilder Diskurs-Hiphop und Festival der cine-philosophischen Fragen, versucht vom kurzen Film ausgehend das Kino, die Kunst und die Welt zu erklären in Vorführungen, Diskussionen , Begegnungen. Oberhausen probiert auch den Spagat zwischen seiner politischen Vergangenheit und den neuesten Strömungen der Kunst- und Gesellschaftskritik. Ein schöner, aber auch schwieriger Spagat, weil Politik zur Zeit wie ein schickes und äußerst vages Accessoire am Revers cooler Cineasten auftaucht. Hans Schifferle, Süddeutsche Zeitung, 8. Mai 2008

Vielleicht entwickelt sich Europa in fünfzehn Jahren zu einem gigantischen Museum untergegangener Kultur und wir alle funktionieren darin als Dienstleister, vermutete die Documenta-Kuratorin Ruth Noack in einer Diskussion. Irgendwie passte die desillusionierte Vision zum Umfeld des Festivals - aber seine Specials und Retrospektiven zeigten entgegen dem allgemeinen Krisengefühl, wie man mit klugen Programmabfolgen Filmgeschichte vermittelt und Lust macht, Vergleiche zur Gegenwart zu ziehen. Claudia Lenssen, die tageszeitung, 8. Mai 2008

Aus der Reibung von Realität und Fiktion, Dokumentation und Inszenierung schlugen in diesem Jahr einige der besten Beiträge ihre Funken. ... Denn spannend und leidenschaftlich wie ein Rodeo waren die Kurzfilmtage in diesem Jahr. Für die funkelnde Vielfalt der kurzen Filme bleibt Oberhausen der perfekte Ort. Kristina Tieke, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 7. Mai 2008

Seit den Tagen des Gründungsdirektors Hilmar Hoffmann ist Oberhausen immer das Festival der Filmvermittler gewesen. Und vom akademischen Diskurs, der das Festival vor Jahren beherrschte, ist man zurückgekehrt auf den Teppich der kundigen Cinephilie: Jedes Programm wird begleitet von jemandem, der einen Film auch tatsächlich ausgesucht hat. Das ist nichts Neues in Oberhausen, aber inzwischen beinahe eine Rarität. Daniel Kothenschulte, Frankfurter Rundschau, 8. Mai 2008

Die Rückbesinnung auf oppositionelle Formen [im Programm 'Grenzgänger und Unruhestifter'] kommt nicht zufällig in einer Zeit, da der Kurzfilm zunehmend marginalisiert und, abseits von Kino und Fernsehen, auf einzelne Festivals zurückgeworfen wird oder im Museum Artenschutz genießt. Das Bekenntnis zu einer Ästhetik des Spontanen, Unkontrollierten und Imperfekten erinnert an bessere Zeiten mit anderen Möglichkeiten und greift weit zurück. Andreas Rossmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Mai 2008

Auch die Zeiten der Skandale und Proteste scheinen vorbei zu sein. Was aber nicht bedeutet, dass die kurzen Filme unpolitisch geworden sind. Die 54. Ausgabe der Kurzfilmtage bot zahlreiche politisch ambitionierte Werke. Vor allem die Reihen 'Grenzgänger und Unruhestifter' und 'Wessen Geschichte' präsentierten eindrucksvolle Zeitdokumente. Gabrielle Schultz, Die Welt, 7. Mai 2008

 [Ausfegen] lief bei den gerade zu Ende gegangenen Kurzfilmtagen in der zehnteiligen Programmreihe mit dem schönen Titel 'Grenzgänger und Unruhestifter', die eine subjektive Geschichte des politischen Films aus mehr als fünfzig Jahren erzählte. Hier kam Subversives mit Informativem zusammen, Agitprop, Dokumentarfilm und künstlerisches Experiment. Manches war für die Leinwand gemacht, anderes für den aktivistischen Ernstfall. Das Festival spiegelte damit seine eigene Geschichte. Mark Stöhr, www.zeit.de, 7. Mai 2008

Mehr als 45 Jahre ist es inzwischen alt, das 'Oberhausener Manifest', die Absage an das Unterhaltungskino der 50er Jahre. Und dass die Infragestellung der 'Festival-Ware Film' in diesem Jahr erneut von Festivalchef Lars Henrik Gass hervorgehoben wird, unterstreicht, dass sie in Oberhausen nicht ausgedient haben, die 'Grenzgänger und Unruhestifter', ein Schwerpunkt der 54. Internationalen Kurzfilmtage. Martina Schürmann/NRZ, Neue Ruhr Zeitung, 3. Mai 2008

Mitunter reichte das [Programm 'Grenzgänger und Unruhestifter'] gerade einmal für plakative Kalauer oder etwas zu simplen Agit-Prop. Mittendrin leuchteten aber auch stimmig montierte Programme, in denen anarchische Stummfilmturbulenzen vielsagend mit eindringlichen Beobachtungen realer Straßenkämpfe und politischer Schlüsselereignisse oder mit gewitzten studentischen Interventionen kommunizierten. Isabella Reicher, Der Standard, Österreich, 7. Mai 2008

This acclaimed short-film festival dates back to 1954, but it took on particular relevance in 1962, when Alexander Kluge, Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Werner Herzog and 22 others initiated what would become the New German Cinema with their polemical 'Oberhausen Manifesto'. Stuart Comer, Art Review, Mai 2008

Diese also sehr raren Filme wurden in Anwesenheit des Filmemachers in Oberhausen gezeigt, und zwar auf der großen Leinwand des Festivalkinos Lichtburg. Klüger und schöner kann man diese fast klassische Avantgarde nicht präsentieren. Das Kirchhofer-Special, eine Rückbesinnung auch auf das radikale filmische Experiment, war sicherlich ein Highlight des diesjährigen Festivals. Hans Schifferle, epd film Nr. 6, 2008

Lis Rhodes' Film 'A Cold Draft' von 1988 war das beste, was ich in diesem Jahr in Oberhausen gesehen habe. Jedenfalls im Moment des Gefangenseins, während ich den Film sah, kam es mir genau so vor: Das ist es jetzt, das fühle ich, das denke ich - jetzt und wahrscheinlich noch für absehbare Zeit. Zu sehen sind: barocke Kerkerlandschaften, eine Londoner Skyline im Zwielicht, den Delirien der Gier sogenannter privater Investoren ausgeliefert, noch mehr Kerker und Zäune. Zu hören sind: Windgeräusche direkt aus der eiskalten spätkapitalistischen Hölle und die Stimme einer Frau, die einen Text liest, aggressiv resigniert, eine Geschichte von Gier und Gewalt. Peer Schmidt, junge Welt, 6. Mai 2008

Die Markt-Neuerungen stießen auf weitgehend positive Resonanz. Shane Smith vom kanadischen Sender 'Movieola - The Short Film Channel' war sehr angetan von den Suchmöglichkeiten der CD-ROM. 'Andere Festivals sollten das auch so machen, ich nehme die Scheibe jedesmal gern mit nach Hause, zumal sie nur 80 Gramm wiegt.' Ebenso wie Smith lobt Dawn Sharpless vom britischen 'dazzleShortFilmLabel' die gute Organisation des Festials, die das 'Cherry Picking' sehr erleichtere. Außerdem sei die Atmosphäre in Oberhausen relaxter als beim trubeligen Markt des französischen Kurzfilmfestivals Clermont-Ferrand.
Reinhard Kleber, Filmecho/Filmwoche, Mai 2008

Fehlende Leidenschaft konnte man keinem der nominierten Musikvideos in Oberhausen unterstellen. Die Vielfalt der Ausdrucksformen war beeindruckend. Das macht Hoffnung: Ungeachtet aller Abgesänge lebt das Musikvideo also fort. Bereits zum zehnten Mal wurde im Rahmen der Oberhausener Kurzfilmtage eine Auswahl der besten deutschen Musikclips gezeigt. Ein Jubiläum, welches das kreative Potential des Mediums verdeutlicht. Und gleichzeitig Fragen über dessen Zukunft aufwirft. Matthias Schönebäumer, www.zeit.de, 7. Mai 2008

Die meisten Kurzfilme laufen im Internet. Dort kann man auf der Seite www.youtube.com nach dem Stichwort 'Kurzfilm' suchen. Schöner sind die Filme natürlich im Kino anzuschauen - wie bei den Kurzfilmtagen in Oberhausen. Weil die so besonders sind, reisen die Regisseure der gezeigten Filme aus der ganzen Welt nach Oberhausen. Dort können ihnen die Zuschauer Fragen zu den Filmen stellen. NRZ Kinderseite 'Knuts Klartext für Kinder', Kurzfilmtage Extra, Mai 2008