Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

Thema
2009

Unreal Asia ist ein Programm von Kurzfilmen und -videos aus Südostasien und anderswo, die sich mit dem post-kolonialen Erbe dieser Region auseinandersetzen. Dazu gehören alte wie neue Arbeiten von Filmemachern wie Dinh Q. Le (Vietnam/USA), Ho Tzu Nyen (Singapur), Apichatpong Weerasethakul (Thailand), Johan Grimonprez (Belgien/USA), Forum Lenteng (Indonesien), Chris Chong (Malaysia), Lin + Lam (USA) u.a.

 

Was macht "die Realität" real? Und wird diese Frage an jedem Ort der Welt gleich beantwortet? In Südostasien ist das, was der Westen für selbstverständlich hält - Demokratie etwa oder das Individuum - oft nicht viel mehr als eine Hypothese. Was macht also in dieser Region "die Realität" aus? Familie? Tod? Der Staat? Ethnizität, Religion oder Sprache? Standort und Vertreibung? Wie wird die öffentliche und private Erinnerung geformt, und welchen Beitrag leisten bewegte Bilder dazu?

 

Wie würde ein von konfuzianischen Familienwerten, islamischer Bildung oder paternalistischen asiatischen Diktaturen geprägter Realismus aussehen? Diese Fragen stellen sich vor allem im Kontext bewegter Bilder, nicht nur wegen der besonderen Beziehung des Films zur Realität, sondern auch, weil Film bei der Modernisierung Asiens eine so wichtige Rolle gespielt hat. Aber in dem Maße, wie der "nationale Film" von den hybriden Perspektiven der Videokultur verdrängt wird, werden offizielle Geschichte und Mythen aufgeweicht. Erfindung vermischt sich mit zufälliger Geschichte, Dokumentation flirtet mit Fiktion. Filmische Codes werden umgewidmet, um Traditionen zu erneuern, mündliche Überlieferungen neu zu generieren und sich den unruhigen Geistern des globalen Konflikts und des Staatsterrorismus zu stellen.

 

Vom uralten Rhythmus des Dorflebens bis zur beklemmenden Geographie der asiatischen Megastädte - Unreal Asia hebt einige altbekannte Klischees asiatischer Kultur aus den Angeln und macht den Blick frei für eine Vielzahl erstaunlicher Phänomene, von frommen Punks bis zu Transvestiten-Migranten, von selbst gebastelten Helikoptern bis zu tanzenden Geistern und subversivem Karaoke.

 

Die Kuratoren

Gridthiya Gaweewong ist künstlerische Leiterin des Jim Thompson Art Center in Bangkok. Sie ist Kuratorin zahlreicher Ausstellungen und Festivals, darunter Politics of Fun (HKW, Berlin, 2005), das Bangkok Experimental Film Festival (1997-2007) und Saigon Open City (Vietnam, 2006-07).

 

David Teh arbeitet als Kritiker und Kurator in Bangkok. Zu seinen Projekten gehören Platform, ein Schaufenster für thailändische Installationskünstler (2006), und The More Things Change - Das 5. Bangkok Experimental Film Festival (2008). Er ist Leiter der ChalkHorse Gallery, Sydney.

 

Kontakt: Kristina Henschel