Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

Thema
2010

Vom Meeresgrund: Das Experiment Film 1898-1918

 

Dieses Programm möchte das frühe Kino sichtbar und erlebbar machen als eine vergessene, aber hoch aktuelle Produktion und Aufführungspraxis und eine reale Alternative zu Kino und Museum in ihrer gegenwärtigen Form. Aus der Tiefe der Zeit vor 1918 wird ein wilder Kurzfilmkontinent an die Oberfläche der Gegenwart gebracht. Das frühe Kino entwickelte partizipatorische und hybride Formen der Aufführung; in den ersten Jahren ohne jegliche Zulassungsbeschränkungen, war es bis um 1910 ein gemeinsamer öffentlicher Ort für alle Altersgruppen und Klassen und das erste weltweite Netz: Zum ersten Mal sahen Menschen in vielen Teilen der Welt zur gleichen Zeit gleiche Darbietungen.

 

Die einzelnen Programme illustrieren die Vielfalt der Experimente: Von den angewandten Farbverfahren, die vom reinen Farblichtspiel bis zu illuminierten Versailles-Fontänen reichten, über die Entdeckung der Möglichkeiten von Raum und Bewegung bis zur lustvollen Demontage der Autoritäten in den zahllosen Filmen über rebellische Dienstboten oder unbestrafte böse Buben und Mädchen. Die innovativen Produktionen des damaligen Weltmarktführers Pathé Frères werden ebenso gewürdigt wie die der Konkurrenten Gaumont, Lux und Star-Film oder der italienischen Konkurrenz mit ihren komischen Serien wie "Cretinetti".

 

Mit Vom Meeresgrund führen die Kurzfilmtage ihre Recherche für ein imaginäres Kinomuseum weiter, in dem das Museum durch das Kino neu erfunden wird. Die Festivalsituation erlaubt eine zeitgenössische Programmierung dieser Filme, deren Präsentation damals viel eher einer Form frei zugänglicher Ausstellungskunst ähnelte. So öffnet die Begegnung mit dem frühen Film dem Publikum neue Perspektiven auf das Medium Film, die mit der normalen Kino-Erfahrung wenig zu tun haben.

 

Die Kuratoren

Mariann Lewinsky hat über japanische Avantgarde promoviert und leitet in Bologna seit 2004 das Projekt "A Hundred Years Ago". Sie kuratiert Festivals und Ausstellungen, restauriert Filme (u.a. Ella Maillart) und lehrt (Universität Zürich).

 

Eric de Kuyper ist Experimentalfilmer und Autor. Er entwickelt an inspirierenden Orten Kunstperformances mit frühen Filmen in Kombination mit Musik (Imaginaires en context).

 

Kontakt: Kristina Henschel


Dank

 

Wir danken allen Archiven, die uns ihre Kopien für dieses Programm zur Verfügung gestellt haben. Außerdem möchten wir uns ganz herzlich bei allen Beteiligten für ihr Engament und ihre Hilfe bedanken. Ohne diese Unterstützung hätte dieses Programm nicht realisiert werden können.