Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

Preisträger
2011

Jury des internationalen Wettbewerbs 2011

© Kurzfilmtage / Daniel Gasenzer

Sari Volanen (Finnland)

William E. Jones (USA)

Branka Benčić (Kroatien)

Joan Legalamitlwa (Südafrika)

Michael Glawogger (Österreich)

 

 


Großer Preis der Stadt Oberhausen, dotiert mit 7.500 €

Sans-titre
Neil Beloufa
Frankreich 2010, 15', HDCAM, Farbe

 

 

 

Begründung

In Sans-titre hören wir von einer Gruppe Terroristen, die eine Villa besetzt und verwüstet haben. Was wir sehen lässt an ganz andere Dinge denken: Verdachtsmomente führen zu seltsamen Träumen, architektonischer Raum kann von einem Tintenstrahldrucker geschaffen werden, wir wissen nichts. Neil Beloufa hat einen ebenso unheimlichen wie originellen Film gemacht


Hauptpreis, dotiert mit 3.500 €

The Artist

Laure Prouvost

Großbritannien 2010, 10', Digi Beta, Farbe

 

 

 

 


Begründung

Ein Schnipsen, und sie hat uns, einfach so: dynamisch, rhythmisch, frisch, witzig, frenetisch und albern; ein völlig überdrehter Atelierbesuch aus der Hölle.


Hauptpreis, dotiert mit 3.500 €

Mercúrio
(Quecksilber)
Sandro Aguilar
Portugal 2010, 18', 35mm, Farbe

 

 

 

Begründung
Mercúrio eröffnet uns eine unerwartete Bilderlandschaft, indem er uns die intime Begegnung zweier Menschen durch Glas hindurch zeigt, das zu einem seltsamen Halbspiegel wird, der Reflektionen reflektiert und die Innen- und Außenwelt visuell und emotionell umdreht. Wie Goethe schrieb: "Nichts ist drinnen, nichts ist draußen, denn was innen ist, ist außen."


ARTE-Preis für einen europäischen Kurzfilm, dotiert mit 2.500 €

TSE
(RAUS)
Roee Rosen
Israel 2010, 34'30'', HDCAM, Farbe

 

 

Begründung
Der ARTE-Preis geht an TSE von Roee Rosen für die Qualität des Exorzismus, für die Abtreibung mit dem Kleiderbügel, für einen inszenierten Dokumentarfilm, eine dokumentarische Fiktion, einen synchronisierten, geschrieenen, gesungenen und lebendigen Sound, und für die Gemälde.


Lobende Erwähnung der Internationalen Jury

I'm Not the Enemy

Bjørn Melhus

Deutschland 2011, 13', HDCAM, Farbe

 

 

 

 

Begründung

Mit dieser Lobenden Erwähnung möchte die Jury das Bewusstsein für künstlerische Arbeiten mit bewegten Bildern schärfen. Aus der amerikanischen Filmgeschichte eignet sich Bjørn Melhus eine Liste von Filmen über Vietnamveteranen an und überträgt sie auf einen nicht-amerikanischen (deutschen) Schauplatz. Indem er die Filmdialoge aus ihrem ursprünglichen Kontext löst, erzielt I'm Not the Enemy einen Verfremdungseffekt, der uns die Risse in der Oberfläche der Gesellschaft bewusst macht


Preis der Jury des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, dotiert mit 5.000 €

Sans-titre

Neil Beloufa

Frankreich 2010, 15', HDCAM, Farbe

 

 

 

Begründung
In Neil Beloufas unbetitelter Arbeit ist nicht sofort zu erkennen, dass die modernistische Architektur des Schauplatzes aus Papier und Farbe besteht. Protagonisten im Halbdunkel, angeschnitten, reduziert auf sozialen Status und die jeweilige Sprache, in der sie Bruchstücke eines Ganzen liefern, das sich vom Rezipienten letztlich nicht zu einer kohärenten Geschichte zusammensetzen lässt: Kontrolle und klare Interpretationen sind nicht möglich. Mutmaßungen, Widersprüche irritieren, der unerklärbare Rest dieses filmischen Kunstwerks eröffnet – ästhetisch kongenial vermittelt – einen Denk-Raum im Sinne einer reflektorischen Distanz, dessen universelle Themen und Dynamiken wie Habitus, Macht und hierarchische Gefüge eine nachhaltige Wirksamkeit entfalten.

 

Mitglieder der Jury

Barbara Engelbach (Köln), Susanne Grüneklee (Köln), Kyra Scheurer (Berlin), Ruth Schiffer (Düsseldorf), Anna Wahle (Köln)


Lobende Erwähnung

Three Walls

Zaheed Mawani

Kanada 2011 25'30'', HDCAM, Farbe

 

 

 

 

Begründung
Three Walls
erzählt die Geschichte vom Aufstieg der Bürobox – einem Wandsystem, das Großraumbüros in kleine Parzellen unterteilt. Der Film lässt Architekten, Möbelhersteller und Motivationstrainer zu Wort kommen und stellt ihnen die Menschen gegenüber, die in diesem Boxen arbeiten müssen. Mit klar kadrierten Bildern und prägnant besetzten Protagonisten gelingt es dem Film, von der Architektur über die Sinnhaftigkeit von Arbeit bis zum Lebensgefühl in der postindustriellen Dienstleistungsgesellschaft einen Bogen zu spannen. Ironisch und böse entlässt er uns mit einem geschärften Blick für die Beziehung zwischen Mensch, Funktion und Raum.

 

Mitglieder der Jury

Barbara Engelbach (Köln), Susanne Grüneklee (Köln), Kyra Scheurer (Berlin), Ruth Schiffer (Düsseldorf), Anna Wahle (Köln)


Preis der Internationalen Filmkritik (FIPRESCI-Preis)

Handebol

(Handball)

Anita Rocha da Silveira
Brasilien 2010, 19'30'', 35mm, Farbe

 

 

 

Begründung

Für seinen melancholischen und unbeirrbaren Blick auf das Leben eines Teenagers und die leicht unwirkliche Atmosphäre, die von Anfang bis Ende fesselnd bleibt.

 

Mitglieder der Jury

Gabriele Barrera (Italien), Joost Broeren (Niederlande), Rolf-Rüdiger Hamacher (Deutschland)


Preis der Ökumenischen Jury, dotiert mit 1.500 €

Atrophy

Palesa Shongwe

Südafrika 2009, 8', Digi Beta, Farbe

 



Begründung
Der Film Atrophy ist eine gelungene Komposition aus Tanz, Poesie, Musik und dokumentarischen Aufnahmen. Eine junge Südafrikanerin drückt im Tanz, der Gemeinschaft stiftet und an ihre kulturelle Tradition erinnert, ihre Sehnsucht nach Freiheit aus. Zugleich befürchtet sie, dass der Raum, den sie im Tanz entfaltet, von den Lebensbedingungen der Townships zunehmend eingeschränkt wird. Im Rhythmus des Körpers bilden sich Freiräume, die den wachsenden gesellschaftlichen Einschränkungen widerstehen.

 

Mitglieder der Jury
Manfred Burger (Hamburg), Natalie Resch (Graz, Österreich), Werner Schneider-Quindeau (Frankfurt/M.), Eberhard Streier (Essen)


Preis der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, dotiert mit 500 €

Kengere

Peter Tukei Muhumuza

Uganda 2010, 22'30'', DV, Farbe und s/w

 

 

 

 

Begründung

Der Preis der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen geht an Kengere von Peter Tukei Muhumuza. Der Film besticht durch die Sorgfalt, Intelligenz und Zartheit, die Phantasie, mit der hier eine ganz eigene Welt händisch erschaffen ward – eine Welt, zu deren Alltag massive Menschenrechtsverletzungen gehören. Animation und Dokumentation finden hier kongenial zusammen.


ZONTA-Preis, dotiert mit 500 €. Für eine Filmemacherin aus dem Internationalen oder Deutschen Wettbewerb

99 Beautiful

Tessa Knapp

Deutschland 2010, 17', HDCAM, Farbe

 

 

 

 

 

Begründung
Die Namen reichen weiter zurück als die Nationen. Die Filmemacherin schafft einen strengen formalen Rahmen, in dem die Namen türkischer Menschen mehr über ihr Leben erzählen als ihr unmittelbar soziales Umfeld. Die Arbeit findet eine höchst plausible Form an der Schnittstelle zwischen Kurzfilm und Installation.


Preis für den besten Beitrag des Deutschen Wettbewerbs, dotiert mit 5.000 €

Traces of an Elephant

Vanessa Nica Mueller

Deutschland/Großbritanien 2011, 27', Digi Beta, Farbe

 

 

 

 

 

Begründung
Gezielte Schritte und Bewegungen durch menschenleere Räume, ihre rhythmische Abfolge erzeugt einen hypnotischen Sog – Redundanz und Abwesenheit als subtile Bedrohung. Die Präsenz und Wirkungsmacht dieser Bilder wird dabei mit der fragmentarischen und traumähnlichen Qualität von Erinnerungen konfrontiert ...ein neuer Film entsteht. Vanessa Nica Mueller gelingt mit ihrer ebenso einfachen wie effizienten Aneignung von Alan Clarks "Elephant" eine vielschichtige Abhandlung über Erinnerung als Übergangszone zwischen Rekonstruktion und Neuerzählung. Traces of an Elephant legt sich wie eine zweite Schicht über das Original und erweitert sich zu einem persönlichen Dokument einer Stadt zwischen Stillstand und Wandel.

 

Mitglieder der Jury des Deutschen Wettbewerbs
Markus Ambach
(Düsseldorf), Esther Buss (Berlin), Dore O. (Mülheim an der Ruhr)


3sat-Förderpreis, dotiert mit 2.500 €

marxsim today (prologue)

Phil Collins

Deutschland 2010, 25'30'', HDCAM, Farbe

 

 

 

Begründung
Biographien mit gewaltsamen Brüchen, ausgelöst durch die Geschichte. Ein Staat und ein "Staatskörper"verschwinden und mit ihnen ein ganzer Überbau an Ideen und Denkweisen. Die Betroffenen – Menschen, die in der DDR Staatsbürgerkunde oder Marxismus-Leninismus unterrichtet haben – müssen sich ein neues Leben erfinden, doch was passiert mit den ideologischen und vielleicht auch idealistischen Resten, wo finden sie ihren Platz? Abseits von Ostalgie oder Denunziation entwirft Phil Collins in seiner visuell beeindruckenden Montage von Interviews und Archivmaterial ein intensives Portrait einer Zeit und geht dabei über einen konventionellen Begriff des dokumentarischen Realismus hinaus.

 

Mitglieder der Jury des Deutschen Wettbewerbs
Markus Ambach
(Düsseldorf), Esther Buss (Berlin), Dore O. (Mülheim an der Ruhr)


Lobende Erwähnung

ich fahre mit dem fahrrad in einer halben stunde an den rand der atmosphäre

Michael Klöfkorn

Deutschland 2010,10', HDCAM. Farbe und s/w

 

 

Begründung
Ein Fahrradfahrer auf einer assoziativ wilden Fahrt: er trifft dabei auf ökonomische Theorien, militaristische Verrücktheiten, die Psychoanalyse der Siegessäule und andere Unwetter.

 

Mitglieder der Jury des Deutschen Wettbewerbs
Markus Ambach
(Düsseldorf), Esther Buss (Berlin), Dore O. (Mülheim an der Ruhr)


Jury des NRW-Wettbewerbs

Ute Mader (Leverkusen)

Gabi Hinderberger (Bochum)

Dirk Steinkühler (Köln)


Erster Preis des NRW-Wettbewerbs dotiert mit 1.000 €, gestiftet von der NRW Bank

How To Raise the Moon

Anja Struck

Deutschland/Dänemark 2011, 8'30'', 35 mm, s/w

 

 

 

 

Begründung
Inspiriert von unterschiedlichen kultur- und kunstwissenschaftlichen Strömungen schafft die Regisseurin eine atmosphärisch beunruhigende und dichte Assemblage mit ungewöhnlichen Bildern, deren Material aus einem reichhaltigen persönlichen Fundus rührt. Die Animation, in Schwarzweißbildern gehalten, ist sehr offen gestaltet, so dass zahlreiche Möglichkeiten der Interpretation und Gefühle möglich sind, die jedoch den Zuschauer mit einem Zweifel zwischen Gewissheit und Ungewissheit zurücklassen.


Zweiter Preis des NRW-Wettbewerbs, dotiert mit 500 €, gestiftet von der NRW Bank

Der Mond ist ein schöner Ort

Anne Maschlanka/Viktoria Gurtovaj

Deutschland 2011, 15', DV, Farbe

 

 

 

 

 

Begründung
Eine Annäherung an ein eher unbekanntes Land und an eine junge Protagonistin, die uns verschiedene Facetten ihres Lebens zeigt. Ihr Alltag ist geprägt durch die Erfahrungen ihrer Eltern; die Folgen des Bürgerkriegs und der schwierige Neuanfang sind in Bildern und Worten sicht- und spürbar. Den Regisseurinnen gelingt es in kürzester Zeit, ein Vertrauensverhältnis zu dem Mädchen aufzubauen, die Kamera bleibt immer dicht bei ihr und wird auch durch ihre Hand geführt. Damit unterstreicht der bemerkenswerte Dokumentarfilm sowohl seine klare Perspektive wie auch seine große Nähe zum Sujet.


Preis der Kinderjury des Internationalen Kinder- und Jugendfilmwettbewerbs, dotiert mit 1.000 €, gestiftet von der Neue Ruhr Zeitung

Mobile

Verena Fels,

Deutschland 2010, 6'30'', Digi beta, Farbe

 

 

 

Begründung
Der erste Preis geht an einen Film, den wir alle sehr lustig fanden. Die bunten Farben und die Musik haben uns sehr gut gefallen. Es gibt wilde Bewegungen und ganz viel Action. Der Film zeigt, dass auch wenn man sich einsam fühlt, es immer irgendwo einen Freund gibt. Der Film ist sehr liebevoll und schön gemacht und auch für kleine Kinder sehr gut geeignet.

 

Mitglieder der Jury

Markus Haack 10 Jahre, Eva Pauline Lehmann 9 Jahre, Selma Musevis 11 Jahre, Paramvir Singh Dhillon 9 Jahre, Sven Torben Kempkes 9 Jahre


Lobende Erwähnung

Haru no ogawa

(Der Frühjahrsausflug)

Sakichi Sato

japan 2010, 6'30'', Digi Beta, Farbe

 

 

Begründung
Wir haben dem Film Haru no ogawa eine lobende Erwähnung gegeben, weil dieser Film sehr witzig, einfallsreich und fantasievoll ist. Der Film zeigt einem ein ganz anderes Land und einen anderen Alltag. Außerdem hat uns das Lied des Films sehr gut gefallen.

 

Mitglieder der Jury

Markus Haack 10 Jahre, Eva Pauline Lehmann 9 Jahre, Selma Musevis 11 Jahre, Paramvir Singh Dhillon 9 Jahre, Sven Torben Kempkes 9 Jahre


Preis der Jugendjury des Internationalen Kinder- und Jugendfilmwettbewerbs. dotiert mit 1.000 €, unterstützt von der Sir-Peter-Ustinov-Stiftung

Små barn, stora ord

(Kleine Kinder, große Worte)

Lisa James Larsson

Schweden 2009, 12', 35 mm, Farbe

 

 

Begründung
Fast einstimmig waren wir der Meinung, dass dieser Film gewinnen muss. Der Film hinterließ einen bleibenden Eindruck. Er regte zum Nachdenken an und wir haben noch lange über ihn gesprochen. Die schwierigsten Fragen stellen oft die Kinder. So ergeht es auch der Lehrerin einer Grundschulklasse, die plötzlich auf Fragen reagieren muss, die sie nicht erwartet hat. Die Antwort auf diese Fragen war sehr ergreifend. Durch die vielen Nahaufnahmen auf ihr Gesicht konnten wir ihre Emotionen richtig gut nachempfinden. Auch die schauspielerische Leistung der Darsteller beeindruckte uns – vor allem auch die der Kinder.

 

 

Mitglieder der Jury
Jasmin Bunk
16 Jahre, Vivien Hüsemann 15 Jahre, Monique Mencke 16 Jahre, Emilia Minasyan 18 Jahre, Vicky Schlosser 16 Jahre

 

Präambel
Wir haben in den letzten Tagen 26 Kurzfilme gesehen, die uns in viele verschiedene Länder und Kulturen entführt haben. Die Filme waren sehr vielseitig, manchmal lehrreich, manchmal ergreifend, unterhaltsam, ungewöhnlich, manchmal auch schwer zu verstehen, aber in jedem Fall hat uns jeder Film auf seine eigene Art gefallen.


Lobende Erwähnung

Naiá a a lua

(Naiá und der Mond)

Leandro Tadashi

Brasilien 2010, 13', HDV, Farbe und s/w

 

 

Begründung
Uns wurden viele Geschichten erzählt und eine davon hat uns besonders gut gefallen: die brasilianische Legende vom Jaci und wie die Sterne an den Himmel kamen. Gespannt lauscht Naiá der Erzählung der Stammesältesten am Lagerfeuer und ist so fasziniert vom Mond, dass sie ihm wie die Sterne unbedingt nahe sein will. Unsere lobende Erwähnung geht an Naiá a a lua, weil uns die Verfilmung der Legende beeindruckt hat. Gemeinsam folgen wir Naiá durch den Dschungel, fast so, als wäre man selbst dabei. Die Musik, die Bilder und die tollen Farben haben uns gefesselt und uns brasilianische Kultur etwas näher gebracht.

 

Mitglieder der Jury
Jasmin Bunk
16 Jahre, Vivien Hüsemann 15 Jahre, Monique Mencke 16 Jahre, Emilia Minasyan 18 Jahre, Vicky Schlosser 16 Jahre


MuVi-Preis für das beste deutsche Musikvideo, erster Preis dotiert mit 2.500 €

One Minute Soundsculpture

Daniel Franke (Musik: Ryoji Ikeda)

Deutschland 2010, 1', Full HD Pro Res, Farbe

 

 

Begründung
Man kann mit einem Videoclip keinen größeren Erfolg erzielen als Daniel Franke mit seiner Interpretation von Ryoji Ikedas Stück One Minute Soundsculpture. Wer diesen Film einmal gesehen hat, wird  den Track nie wieder hören können, ohne die Videobilder vor dem inneren Auge zu sehen. Ein kleines Stück elektroakustischer Musik – eine Folge von Störgeräuschen und Testtönen – versieht Frank mit dem Bild eines quadratischen, leeren Galerieraums, in dem gleichsam aus dem Nichts abstrakte Formen zu lebenden Linien mutieren und die lebenden Linien wiederum zu einem abstrakten Wesen, das im Rhythmus der Geräusche wächst, schwebt und sich bewegt. Aus der Soundskulptur wird eine visuelle Skulptur, Ursache und Wirkung verschmelzen ineinander, zwischen Bild und Sound gibt es am Ende keinen Unterschied mehr. Das ästhetische Prinzip des Videoclips, die perfekte Verbindung von Bild und Sound, wird hier zu einer kaum noch zu überbietenden Vollendung geführt – und das mit den schönsten Bildern, die wir seit langem gesehen haben.

 

Mitglieder der Jury

Jens Balzer (Deutschland), Ingibjörk Birgisdóttir (Island), Phoenix Perry (USA)


Zweiter Preis dotiert mit 1.500 €

There Will Be Singing

Jutojo Philip Sollmann (Musik: Efdemin)

Deutschland 2010, 6', Full HD Pro Res, Farbe

 

 

 

 

 

Begründung
Das Video zu Efdemins There Will Be Singing wirkt auf den ersten Blick wie eine unmittelbare Umsetzung eines Techno-Tracks in geometrische Bildsprache: gerade 4-to-the-floor-Beats treffen auf die Gleichförmigkeit modernistischer Hochhausarchitektur. Eine Musik, die keine Geschichte erzählt und keine Geschichte zu haben scheint. Doch nein! Denn der zweite Blick zeigt, dass die Hochhäuser aus alten, vergilbten, eingerissenen Architekturfolianten abgefilmt wurden. Es sind Aufnahmen aus dem Chicago der 50er-Jahre, die Efdemin mit einer Hommage an den Chicago House und den Detroit Techno der 80er- und 90er-Jahre verbindet. Über die historische Referenz legt sich Nostalgie, über die Nostalgie legt sich das Erschrecken über die Brutalität, die menschenfeindliche Entleertheit der alten Stadtpanoramen. So nah zoomt die Kamera an die Fotografien, dass sie zu leben scheinen; aber die einzige echte lebendige Bewegung, die man in diesem Film sieht, ist die Bewegung einer Hand, die eine Buchseite umblättert, an der zahlreiche Post-Its mit Notizen kleben. Erst die musikalische Aneignung dieser Bildwelt vermag diese nachträglich mit jenem Leben zu versehen, dass sie in Wahrheit nie besessen hat: das ist die großartige, ergreifende Botschaft, die dieser Videoclip mit großer Kunstfertigkeit und formaler Strenge umzusetzen versteht.

 

Mitglieder der Jury

Jens Balzer (Deutschland), Ingibjörk Birgisdóttir (Island), Phoenix Perry (USA)


3. Preis dotiert mit 1.000 Euro

Ah!

Darko Dragicevic (Musik: Oval)

Deutschland 2010, 3', Full HD Pro Res, Farbe

 

 

 

 

 

 

Begründung
Darko Dragicevics Video zu Ovals Track Ah! fasziniert durch die Konsequenz und die Eleganz, mit der hier eine radikal körperlose Musik in Bewegungen von Körpern umgesetzt wird. Mehr noch, gelingt es der Inszenierung, eine eigentlich unerotische Musik in Bilder eines multiplen Begehrens zu übersetzen, in denen die tanzende Protagonistin einerseits ihre männlichen Mittänzer dominiert und andererseits von ihren Blicken, ihrem Begehren immer wieder in die Enge getrieben wird. Die Delikatheit der Musik und ihre Schwere, ihre Erdhaftigkeit finden sich gleichermaßen in dem Video wieder, das wie in Stilleben wirkt, in dem getanzt wird. Ein Clip, der mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet.

 

Mitglieder der Jury

Jens Balzer (Deutschland), Ingibjörk Birgisdóttir (Island), Phoenix Perry (USA)


Der MuVi-Online Publikumspreis wird von allen Internetnutzern, die ihre Stimmen auf www.muvipreis.de abgegeben haben (in Kooperation mit 3sat, Intro, tape.tv, byte.fm und ARTE creative)

Bagatelle l

Sebastian Huber, Robert Pohle und Johannes Timpernagel (Musik: sonic.art)

Deutschland 2011, 1'30'', DV, Farbe