Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

Thema 2012

© Kurzfilmtage / Daniel Gasenzer

© Kurzfilmtage / Daniel Gasenzer

© Kurzfilmtage / Daniel Gasenzer

 

Provokation der Wirklichkeit:                                                   

Mavericks, MouveMents, Manifestos

 

Am 28. Februar 1962 verkündeten 26 bundesdeutsche Filmschaffende bei den 8. Westdeutschen Kurzfilmtagen in Oberhausen: "Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen." Sie schufen damit einen Meilenstein in der Entwicklung des deutschen Kinos - nie zuvor, nie danach wurde mit einer solchen Vehemenz ein Bruch mit den bestehenden Produktionsverhältnissen verlangt und auch herbeigeführt. So brachial sich das Oberhausener Manifest damals ausnahm: Es war ein Zeitphänomen. Überall auf der Welt fanden sich Gruppen zusammen, die das Kino verändern wollten und dies oft genug per Manifest kundtaten. 

 

Künstler verkünden Neuanfänge, Gruppen suchen nach alternativen Produktionsformen,  Ästhetiken; Brüche tun Not. Was haben die Manifeste und Gruppen der Vergangenheit zur gegenwärtigen Situation der Kunst- und Kinokultur(en) zu sagen? Die Kurzfilmtage stellen mit Blick auf diese Frage weitere Bewegungen aus der Zeit des Oberhausener Manifests vor. Im Zentrum stehen die Oberhausener selbst; Dutzende ihrer Werke wurden eigens für das Programm restauriert. Fünf Bewegungen aus fünf verschiedenen Ländern spiegeln die ganze Bandbreite der Bestrebungen jener Jahre nach Veränderungen der Verhältnisse. 

 

1959 wurde in Ungarn das Balázs Béla Stúdió als Experimentierfeld jenseits des offiziellen Kinos gegründet; die New American Cinema Group um Jonas Mekas forderte in ihrem First Statement im Sommer 1961 die radikale Veränderung des US-Kinos; im April 1964 fanden sich mehr als 80 japanische Filmschaffende zur Eiga geijutsu no kai (Filmkunstgesellschaft) zusammen, um das Dokumentarkino von Grund auf zu erneuern. Schon 1953 hatte die Groupe des Trente in Frankreich ihr Manifest zur Verteidigung des Kurzfilms veröffentlicht; in Schweden formierte sich Ende der fünfziger Jahre eine Gruppe um den Museumsgründer und Kurator Pontus Hultén - seine Bemühungen um die Verbindung von bildender Kunst und Experimentalfilm sind heute so aktuell wie damals. 

 

 

Der Kurator: Ralph Eue ist Publizist, Kurator, Übersetzer. Lebt überwiegend in Berlin. Mitarbeiter verschiedener Printmedien, Autor von Magazinbeiträgen und Dokumentationen für ARTE und ZDF. Programmberater verschiedener Filmfestivals und Kulturinstitutionen. Lehrender an der UdK, der Universität Wien und der dffb. 

Der Co-Kurator: Olaf Möller. Geboren 1971. Kölner. Autor und Kurator. Seit 2005 in der Festivalkommission der Kurzfilmtage tätig.

 

Kontakt: Kristina Henschel


gefördert durch die