Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

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Brauchen wir Kinos noch? Die Antwort bleibt in Oberhausen offen. Aber wie sie hier reflektiert und anschaulich wird, macht deutlich, dass sich diese Frage für die Kurzfilmtage ganz bestimmt nicht stellt. Andreas Rossmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Mai 2013

 

Dass Filmemacher selbst offenbar darauf brennen, ihre Arbeiten im Kino zu zeigen, das bewiesen einmal mehr Oberhausens fünf Wettbewerbe. 6700 Einreichungen dafür verzeichnete das weltweit älteste Kurzfilmfestival – und das, obwohl das Reglement erneut verschärft wurde. Deutlicher lässt sich die Lust der Kreativen auf die große Leinwand nicht dokumentieren. Oliver Baumgarten, Blickpunkt:Film Nr. 20, 2013

 

Die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen haben weder den Glamour noch die starre Hierarchie von Festivals wie Cannes; ihr egalitärer Geist und ihre Inklusivität erleichtern den Austausch zwischen Regisseuren, Kritikern, Programmverantwortlichen, Industrievertretern ebenso wie Filminteressierten. Agnieszka Gratza, filmcomment.com, USA, 29. Mai 2013

 

In zwei Hommagen an den amerikanischen Underground-Filmer Luther Price mit seinen zärtlich-brutalen Kinogedichten und die deutsche Künstlerin Helga Fanderl mit ihren wunderbar fragilen Materialstudien wurden Super8- und 16mm-Filme projiziert (sogar in Doppelprojektion). Vielleicht kann gerade der Kunstbetrieb mit seinen Museen, Galerien und Festivals auf lange Sicht das Überleben des Zelluloid und seiner besondern Sinnlichkeit garantieren. Hans Schifferle, Süddeutsche Zeitung, 16. Mai 2013

 

Oberhausen als Festival hat eher wenig Interesse an den Maßlosigkeiten seiner Industrie. Es ist ein Filmfestival der Inklusion. Acht Jurys vergeben Preise, und auch wenn herausragende Qualität hier ganz klar gefeiert wird, ist das Festival alles andere als elitär. Oberhausen ist außerdem bekannt für seine Vorliebe für Experimentelles. Doch bleibt das Programm auch im Kontext eines starken Schwerpunkts auf nicht-narrativem Kino zugänglich. Tara Judah, afca.org.au, Australien, Juni 2013

 

Es ist keine Frage, dass die Zukunft eines wichtigen Teils der Filmkunst nur noch im Kunstbetrieb stattfinden wird. Aber gerade weil so viele Filmemacher dorthin abwandern, wäre es fatal, wenn sich Oberhausen mit wehenden Fahnen dieser Entwicklung anschlösse. […] Auch der Kurzfilm war einmal eine angewandte Kunst, aber in seinen Blüten war er zugleich auch höchste Kunst. Die Geschichte des Oberhausener Festivals seit 1954 erzählt von dieser Emanzipation. Daniel Kothenschulte, Frankfurter Rundschau, 10. Mai 2013

Mehrere Regieporträts, Filmreihen und Debatten untersuchen, inwieweit die gegenwärtige Umwertung der filmischen Produktions- und Verbreitungsprozesse überhaupt noch etwas mit der tradierten Kinopraxis zu tun hat. Dabei ging es nicht um kulturpessimistische Bestandsaufnahmen, sondern um die möglichst produktive Aneignung dessen, was tagtäglich bereits überall geschieht. Claus Löser, Der Tagesspiegel, 10. Mai 2013

 

Während die Luther Price- und Kroatien-Programme für einige klassische Stärken der Kurzfilmtage standen– ihr Festhalten an der Präsentation wahrhaft ikonoklastischen, radikalen Kinos und ihr langjähriger Einsatz für Filme aus Regionen, deren Filmproduktion im Westen im Allgemeinen vernachlässigt wird […] – zeigte die Archive-Sektion die Bereitschaft des Festivals, sein Format zu erweitern und neue Wege zu finden, den Kurzfilm zu feiern. Jed Rapfogel, cineaste.com, USA, September 2013

 

Würde man es auf eine Ästhetik postkinematischer Spezifik absehen, so müßten auch die hier angetippten Ereignisse und Verdichtungen berücksichtigt werden, da sie für Atmosphäre und Spannungen sorgen, die in konventionelleren Erzählfilmen nur noch selten sind, aber zu den Möglichkeiten des Kinos gehören. So betrachtet war dieses Oberhausener Festival nicht so sehr ein Ausblick in eine Zukunft des Kinos, sondern bereits das Ausagieren seiner postkinematischen Gegenwart. Manfred Hermes, Junge Welt, 11./12. Mai 2013

 

Oberhausen bestätigte mit dieser Fragestellung aber einmal mehr, eines der innovativsten Filmfestivals weltweit zu sein und wichtige filmästhetische Themen zu platzieren, bevor es andere tun. Reinhard Kleber, Filmecho/Filmwoche Nr. 19, 11. Mai 2013

 

Vielleicht ist es die Sehnsucht nach mehr Tiefe und Hintergründigkeit in Kultur, Politik und gesellschaftlichem Leben, die sich auf diese Art in vielen Beiträgen, aber auch in der Programmierung des Festivals ausdrückt. Oberhausen selbst jedenfalls mit seinen rund 450 Filmen und zahlreichen Diskussionsangeboten gewährte dem Besucher genau das: Raum für Reflexion. Oliver Baumgarten, Kölner Stadt-Anzeiger, 7. Mai 2013

 

Aber auch wenn eine Filmimmigration ins Netz nicht zu leugnen ist, war die Gesamtkomposition des Programms aus neu und alt, aus Film und Diskussion, Imagination und Realität, aus Kopie und Original im Ganzen ein Plädoyer für Kino und Filmfestival gleichermaßen als immer noch einzigartiges rezeptives Gruppenerlebnis. Jennifer Borrmann, kino-zeit.de, 9. Mai 2013

 

Infolgedessen wird das Oberhausener Kurzfilmfestival weiter bestehen, ebenso wie seine Bedeutung als Ansammlung von Körpern im Raum, von Interaktionen und zufälligen Begegnungen – nicht Geschäften; auch stellt eben seine Zeit- und Ortsgebundenheit eine Widerlegung des permanent Eingeschalteten und nicht zu Beendenden dar. Es bewahrt eine Struktur, die dem Aleatorischen und Unbestimmten Raum gibt […] Adam Pugh, Art Monthly, Großbritannien, Juni 2013

 

Hinzu kam, dass das Spektrum der präsentierten Werke – Galeriekunst, Internetaktivismus, Performancedokumente, Autorenfilme – erstaunliche Konstellationen und Berührungspunkte aufwarf. Im Format der Leinwandprojektion, doch in der Zusammenstellung bisweilen an die Kontingenz algorithmischer Suchergebnisse erinnernd, waren die Programme kaum dazu angetan, den Eindruck von Überwältigung hervorzurufen. Doch eben darum ging es der Kuratorin: der Affizierung und dem Metaphorischen des ästhetischen Ausdrucks zu entkommen. Rainer Bellenbaum, springerin, Österreich, Juli 2013

 

Zwar machten die vielfältigen Arbeiten ästhetische Entwicklungen im Experimentalfilm und -video des Post-Web 2.0-Zeitalters sichtbar, doch ob sie im Sinne von Shama Khanna die "Verflachung der Zeit begreifbar machen" und den Zuschauer spüren lassen, "dass er alles andere als flach sei", bleibt fragwürdig. Aus der Masse der teilweise formal und inhaltlich sperrigen und ohne (experimental-)filmische Vorbildung schwer zugänglichen Werke ragten dennoch einige hervor, die Spuren hinterließen. Gabrielle Schultz, mediabiz.at, Mai 2013

 

Was den Ansatz betraf, steckten mehrere höchst unterschiedliche kritische Positionen im Flatness-Programm. Ein Strang bot digitale Kultur als Objekt einer rasanten, überbordenden Bauchrednerei, die bis zur Implosion getrieben wurde (am deutlichsten in Ed Atkins' Arbeiten); der andere war weitaus nüchterner, distanzierter und analog in seiner kritischen Analyse. Einem von Dualität, Paradoxen und Unvereinbarkeit dominierten Programm war dies nur angemessen. Und es war auch kuratorisch von Bedeutung. Die Legitimierung dieser gegensätzlichen Reaktionen schuf produktive Spannungen im Hinblick auf die Darstellung der tektonischen Verschiebungen, die die digitale Kultur und, vielleicht mehr noch, die Entwicklung eines Gefühls der Handlungskompetenz als Reaktion darauf, hervorgerufen hat. John Beagles, Sight & Sound, Großbritannien, Juli 2013

 

Zur diskursiven Unterfütterung der Oberhausener Bemühungen, Filmlandschaftsbeschreibungen zu liefern, diente […] ein Programm, das auf den hübschen Namen "Flatness" hörte. Allerdings blieb die anregende Idee, dass zu den Folgen von Digitalisierung gehöre, Zeit nur mehr vor Bildschirmen und getaktet durch Information zu verbringen, was dann zu einer Verflachung von Bildvorstellung im speziellen und Leben im allgemeinen führe, definitorisch etwas unscharf. Der Begriff ist gut; offen bleibt, ob sich damit tatsächlich Zeitdiagnostik betreiben lässt. Matthias Dell, Der Freitag, 8. Mai 2013

 

Was sind die Auswirkungen auf das Individuum, das mittels weniger Klicks Zeit, Raum und Kontexte überfliegt und sich ständig neu erfinden kann? Ganz und gar nicht flach, ließen die Arbeiten von "Flatness" dafür unzählige Formen "aufpoppen" und vergaßen doch nie, dass das übermächtige Bildmedium Internet nicht nur Konkurrenz ist, sondern auch die Plattform für den Kurzfilm, dessen Nischenkampf in den Kinos verloren scheint. Kathrin Häger, Filmdienst Nr. 11, 23. Mai 2013

 

Zugleich bestätigte die ganze Schau ["Flatness"] unter der Hand den optimistischen Befund, dass die Kraft des Kinos auch in Zeiten der Digitalisierung ungebrochen ist. Die Krise des Kinos findet nicht statt. Angesichts der digitalen Inflation wirkt die Körperlichkeit des zweidimensionalen Kino-Film-Bildes um so kraftvoller und leiblicher. Stattdessen erlebte man die Identitätskrise der Museumskunst und ihr Gestammel angesichts der Überforderung durch die Herausforderung durch neue Medien. Rüdiger Suchsland, artechock, 9. Mai 2013

 

Das Hauptereignis des diesjährigen Festivals war jedoch zweifellos der Price-Schwerpunkt, organisiert vom Künstler zusammen mit Ed Halter von Light Industry. Er bestand aus drei Programmen mit Super-8 und 16 mm-Filmen, darunter einer extrem seltenen Doppelprojektion seines berüchtigten Sodom, und einer "geheimen" Mitternachtsprojektion von Clown in einer Bar in einer ungenutzten Ecke des Oberhausener Bahnhofs. Prices Filme waren laut, selbst wenn sie stumm waren, und beredt in ihrem Mut und ihrer Aggressivität. André Picard, artforum.com, USA, Mai 2013

 

[Luther Prices] Filme verfügen weder über Vor- noch über Abspann, sie umkreisen Tod, Gewalt und Vergeblichkeit und sind dabei stets von einer schwer greifbaren Unbedingtheit getragen. [… Sie] erweisen sich zwar als minimalistisch, doch auch von einer fast schmerzhaften Präsenz. Claus Löser, Filmdienst Nr. 11, 23. Mai 2013

 

Unabhängig von der Grundstimmung zeigte jeder einzelne Film in diesen Programmen [Krelja/Papic/Tadic] eine scheinbar mühelose Meisterschaft des kurzen dokumentarischen Formats, ein leidenschaftliches Bemühen, die Breite und Tiefe der kroatischen Gesellschaft (in der Stadt wie auf dem Land) zu dokumentieren, und ein tiefes Interesse am Alltag der Bürger des Landes. Jed Rapfogel, cineaste.com, USA, September 2013

 

Schön aber, wie Hos [Tzu Nyens] vielstimmige Geschichtsrekonstruktionen im Oberhausener Programm in Laure Prouvosts auswuchernden, monologischen (Kunst-) Geschichten Gegenstücke fanden. Isabelle Reicher, Der Standard, Österreich, 10. Mai 2013

 

"4 x 4 Episodes of Singapore Art" erweist sich in seiner Gesamtheit nicht nur als interpretativer Schlüssel, der das übrige, deutlich abstrakter angelegte Werk Hos zu erschließen hilft, und auch nicht nur als ambitionierter Versuch einer dialogischen Gegengeschichtsschreibung; sondern entwirft nebenbei ein Modell, wie eine Kunstform mit Erkenntnisgewinn für beide Seiten ins Medium einer anderen (und sogar in das einer dritten: ins Kino) übertragen werden kann. Lukas Foerster, Texte zur Kunst, Juni 2013

 

Die überaus produktive Fanderl – sie hat bis heute mehr als sechshundert Filme gedreht – brachte eine schöne Ruhe in das Festival mit ihren großartigen stummen und in Schwarzweiß wie in Farbe strahlenden Miniaturen. André Picard, artforum.com, USA, Mai 2012

 

Einer der schönsten und erhellendsten Filme des gesamten Festivals lief sowohl im deutschen wie im internationalen Wettbewerb: KIRIK BEYAZ LALELER von Aykan Safoglu, einem Deutsch-Türken, ist subtiles, ungemein packendes Queer Cinema. Hans Schifferle, epd Film, Juni 2013

 

Filmsprachlich präsentierten die deutschen Clips von minimalistischer Animation ("The Exact Colour of Doubt", Liars) bis hin zu opulenter Eleganz ("We Are on Fire", CocoRosie) eine große visuelle Bandbreite und konnten den internationalen Vergleich problemlos aufnehmen. Maxi Braun, trailer-ruhr.de, Mai 2013