Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

Thema
2013

Kabuki Stage © Anthea Hamilton

Flatness: Kino nach dem Internet

 

"Es sind die flachsten und mattesten Teile, die schließlich das meiste Leben haben.

Robert Bresson, Noten zum Kinematographen, 1975 

 

Das Kino wird von einer Abfolge technischer Neuerungen beeinflusst und jedes Mal wird das baldige Verschwinden des Kinosaals angekündigt. Flatness untersucht ästhetische Entwicklungen im Experimentalfilm und -video des Post-Web 2.0-Zeitalters. Im Zentrum stehen filmische Arbeiten, die sich auf die Bildfläche als metaphorische Grenze der Darstellung beziehen – als Oberfläche, aber auch als Schnittstelle. 

 

Während Film und Video jeweils einem bestimmten Medium entsprachen, definieren die verschiedenen Schnittstellen, durch die wir heute das Internet erleben, unsere Beziehungen zur Realität, zur Geschichte sowie unter uns selbst neu. Ist die Veränderung unseres Bewusstseins durch den Bildschirm als Spiegel und Fenster in unser Leben messbar? Führt unsere Online-Routine der grenzenlosen Informationsverbreitung, des passiven Klicks auf den "Like"-Button, frustriert angesichts der gescheiterten Verheißung einer weltweiten Web-Utopie, zu einer Verflachung von Ausdruckskraft? Könnte es nicht sein, dass, während der Raum hinter dem Bildschirm immer flacher wird, der Raum davor, also zwischen Bild und Zuschauer, sich dadurch erweitert, dass die Zuschauer ihre Reaktionen in Echtzeit zurück projizieren – womit die Grenze des Bildschirms in Frage gestellt wäre? 

 

Vom rasant verbreiteten komprimierten Bild zur gesteigerten Realität von HD – wie gehen Künstler, die mit Bewegtbildern arbeiten, mit diesen neuen ästhetischen Qualitäten um? Das Konzept einer immersiven Bildsprache – in der wir mit Bildern auf Bilder reagieren – könnte bedeuten, dass die immense audiovisuelle Bibliothek des Internets die Produktion in Zukunft leichter macht. Wird das Kino also zu einer parallelen oder zweiten Abspielfläche für "alte" Medien und merkwürdige kollektive Erfahrungen, die nicht zu dem selbst bestimmten, individualisierten Raum vor unseren Laptops passen? Mit Arbeiten von Harun Farocki, Stanya Kahn, Rachel Reupke, Ed Atkins, Oliver Laric, Richard Serra, Hito Steyerl und anderen will Flatness den Kinosaal zu einem temporären Vehikel machen, in dem bewegte Bilder und Performances in ihrem Kreislauf durch die verschiedenen Kontexte zeitgenössischer Bildkultur einen kurzen Moment lang zur Ruhe kommen. 

 

Ein Essay von Shama Khanna aus dem Festivalkatalog 2013 steht hier als PDF-Download bereit.

 

Die Kuratorin: Shama Khanna lebt als Kuratorin, Autorin und Gastdozentin in London. Ihre Arbeit umfasst Projekte mit Showroom, der Tate, dem BFI London Film Festival und der LUX / ICA Biennial of Moving Image in London; Iaspis in Umeå, dem Kunstverein München und e-flux, Performa und dem MoMA PS1 in New York.

 

Kontakt: Kristina Henschel