Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

Thema

© Kurzfilmtage / Daniel Gasenzer

Negative Inspection
Stations of Light
Museum of Loneliness

Das Thema 2014: 

Memories Can't Wait - Fim without Film
2. – 6. Mai

 

Es gibt ein ganzes, weitgehend unbeachtetes Subgenre faszinierender Filme, die schwer zu zeigen, schwierig zu programmieren und fast nie zu sehen sind. Wir sprechen von "Film ohne Film". Manchmal existieren diese Werke nur in Form vager Anweisungen, manchmal ähneln sie einer Performance, oft verlassen sie sich einfach auf die einfühlsame Partizipation des Publikums. All diese Arbeiten finden in einem Kino statt, bedienen sich aber nicht der üblichen Verfahren zur Bewegtbildprojektion.

 

Indem sie auf das Schlüsselelement des Kinoerlebnisses verzichten – den Film selbst –, schaffen sie ein üppiges visuelles Szenario, bei dem sich alles um unsere Erinnerungsrückprojektion dreht, darum, den Film ganz allein für sich zu träumen – gemeinsam mit einem einzigartigen, willkürlich zusammengewürfelten Publikum. Wie in dem gleichnamigen Stück der Talking Heads schaffen sie eine Situation, in der sich die Privatsphäre des Individuums in einem öffentlichen Raum unbändig erweitert.

 

Memories Can't Wait – Film without Film thematisiert die besondere kulturelle und soziale Funktion des Kinos, als Ort und als Raum. Wir erhalten kurze Einblicke in die Zukunft: In unserer von Mobilgeräten und einem leicht neurotischen privaten Online-Verhalten geprägten Zeit wird "Film ohne Film" es uns ermöglichen, die Möglichkeiten einer neuen Form der filmischen Freiheit zu erkennen: die Freude an einem partizipatorischen Kino.

Diese konzeptuellen filmischen Arbeiten beschäftigen sich darüber hinaus mit einer Frage, die die Kurzfilmtage schon in Themenprogrammen von "Kinomuseum" bis zu "Flatness" angesprochen haben: die derzeitig weltweit zu beobachtende Verlagerung von Bewegtbildern vom Kino ins Museum. Ist Kino wirklich fürs Kino gedacht? Wie unterscheidet sich der individuelle Besuch einer Ausstellung von der kollektiven Erfahrung in einem Kinosaal?

 

Die Programme von Memories Can't Wait – Film without Film präsentieren sowohl historische Arbeiten als auch jüngere Werke von internationalen Künstlern. Zu den ausgewählten Künstlern zählen Young-Hae Chang Heavy Industries, Chris PetitWalter Ruttmann, Ernst Schmidt jr., Michael Snow, Pilvi Takala und viele andere.

 

Der Kurator

Mika Taanila ist ein in Helsinki lebender Künstler und Filmemacher. Er gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler Finnlands. Seine Arbeiten wurden auf großen internationalen Gruppenausstellungen wie der documenta 13, der 3. Berlin Biennale, der 6. Shanghai Biennale oder der Manifesta 4 gezeigt sowie in Soloausstellungen u.a. im TENT, Rotterdam, im Contemporary Art Museum (CAM), St. Louis, im Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich, sowie im Kiasma, Helsinki. Seine Arbeiten werden überdies regelmäßig bei den Kurzfilmtagen gezeigt.

 

Kontakt: Kristina Henschel