Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

Die MuVi-Gewinner 2018

 

Die Gewinner des 20. MuVi-Preises

 

Preisverleihung:

Samstag, 5. Mai 2018, 22.00 Uhr, Lichtburg Filmpalast, Oberhausen

 

Die Jury:

DJ Hell, Musiker und Produzent, Deutschland

Marisa Olson, Künstlerin und Autorin, USA

Simon Reynolds, Autor, Großbritannien

 

 

1. Preis

dotiert mit 2.000 Euro

 

Oliver Pietsch für Limerence (Yves Tumor)

Deutschland 2018, 5‘32“

 

Begründung:

Für uns gab es auf dieser abwechslungsreichen und bemerkenswerten Liste von Musikvideos – eine Auswahl, die wir mit Vergnügen gesehen und über die wir gern zusammen nachgedacht und diskutiert haben – zwei klare Gewinner. Oliver Pietschs Video für Yves Tumors Limerence bekam von allen drei Jurymitgliedern die maximale Punktzahl. Das Konzept packt die Zuschauer sofort und die makellose Ausführung hält die Spannung hoch, verzückt und verstört zugleich. Der Zusammenschnitt von Found Footage ist kein neues Genre – Limerence wird manche Zuschauer zum Beispiel an Christian Marclays The Clock erinnern -, aber durch die Struktur des Tryptichons und die Auswahl des Materials wirkt die Arbeit neu und originell. Duschszenen im Film entführen uns ins das fremdartige Herz des Kinos – wie Sexszenen sind sie eine Performance von Intimität, von privaten Momenten, die normalerweise vor den Augen der Öffentlichkeit abgeschirmt sind. Wir erfreuen uns an den Körpern von Stars, diesen vertrauten Fremden. Limerenz ist ein obskurer Begriff für einen Zustand des Verliebtseins, zu dem obsessive Gedanken und Fantasien gehören – das Geschäft (buchstäblich) von Film als System ist es, im Publikum Limerenz zu wecken – was man ebenso von der Mainstream-Popmusik behaupten könnte. Einige der hier benutzten Szenen sind entweder Vorspiele von Gewalt gegen Frauen – wie in Psycho – oder suggerieren die Nachwirkungen weiblicher Traumata, wodurch ein subtiler feministischer Subtext geschaffen wird, der gerade heute hochaktuell ist. Aber in dieser Montage gibt es noch andere Elemente, die idyllisch, amüsant oder ganz einfach geheimnisvoll sind. Die Übersättigung mit diesen Bildern der Verwundbarkeit und des Ausgesetztseins, die wie Wassertropfen aus dem Duschkopf auf uns herunterregnen, schafft einen Effekt, der das Erotische, das Verstörende, das Rührende und das Invasive auf unheimliche Art vermischt. Das Video könnte auch als provozierendes Kunstwerk für sich stehen, doch der traumhafte Bilderfluss ergänzt das Stück von Yves Tumor perfekt.

 

 

2. Preis

dotiert mit 1.000 Euro

 

Ulrike Göken/Jo Zimmermann für Damenbartblick (Schlammpeitziger)

Deutschland 2017, 4‘50“

 

Begründung:

Damenbartblick von Jo Zimmermann und Ulrike Göken, in Zusammenarbeit mit Kota Utka, ragte heraus durch sein subtiles Spiel mit Stillstand und Bewegung. Wir liebten seine poetische und romantische Atmosphäre, die Zartheit und Feinheit seiner Bilder, die organische Materialien nutzen, und wussten seine visuellen Spielereien zu schätzen, den spielerischen Witz seiner Gegenüberstellungen. Auch die „erste Begegnungs“-Geschichte hinter der Zusammenarbeit der beiden ist für uns sowohl bezaubernd wie auch ein Kommentar zu den Möglichkeiten, die das Internet für künstlerische Begegnungen über große Entfernungen und über Grenzen hinweg öffnet.

 

 

 

MuVi Online-Publikumspreis

ermittelt durch Abstimmung im Internet und dotiert mit 500 Euro

 

Jakob Grunert für Copyshop (Romano)

Deutschland 2018, 10‘42“

 

 

Die Kurzfilmtage danken den MuVi-Partnern 2018:

 

3sat

coolibri

Intro

k.west

netpoint media

 

 

Oberhausen, 6. Mai 2018

 

Pressekontakt: Sabine Niewalda, T +49 (0)208 825-3073, niewalda@kurzfilmtage.de