Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

Preisträger der 66. Kurzfilmtage

Die Preisträger der 66. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen Online

13. – 18. Mai 2020

 

 

Preisverleihung: Montag, 18. Mai 2020, 19.30 Uhr, www.kurzfilmtage.de

 

Druckfähige Stills aus preisgekrönten Filmen stehen hier zum Download bereit: https://www.kurzfilmtage.de/presse/film-stills/

 

 

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Preise des Internationalen Wettbewerbs

 

 

Preise der Internationalen Jury

 

Mitglieder der Internationalen Jury:

Frank Beauvais (Frankreich), Lerato Bereng (Südafrika), Dmitry Frolov (Russland), Michał Matuszewski (Polen), Brittany Shaw (USA)

 

 

Großer Preis der Stadt Oberhausen

dotiert mit 8.000 Euro

 

 

A Month of Single Frames

Lynne Sachs

USA 2019, 14 Min. 12 Sek., Farbe

 

Begründung:

In dieser Zeit der notwendigen sozialen Distanzierung möchten wir auf einen bemerkenswerten Film aufmerksam machen, der die edelste Funktion der Kunst erfüllt, nämlich zwischen Menschen aus verschiedenen Zeiten und geographischen Orten eine emotionale Verbindung herzustellen. Für die Fähigkeit, Poesie und Komplexität in einfachen Dingen zu finden, für seine tiefe Liebe zum Leben und zu den Menschen und für die Genauigkeit im Detail, mit der der Film heikle Themen behandelt, verleihen wir den Großen Preis der Stadt Oberhausen an A Month of Single Frames von Lynne Sachs.

 

 

Hauptpreis

dotiert mit 4.000 Euro

 

Bittersweet

Sohrab Hura

Indien 2019, 13 Min. 48 Sek., Farbe / s/w

 

Begründung:

Unerschrocken und dabei liebevoll, ist Sohrab Huras Bittersweet eine Betrachtung über Familienbeziehungen und häusliche Räume, die das Band zwischen ihm und seiner Mutter und das zwischen seiner Mutter und ihrem geliebten Hund erkundet. Hura nutzt seine körnigen Blitzaufnahmen, um einfühlsam intime wie banale Momente im Leben seiner Mutter einzufangen, die an akuter paranoider Schizophrenie leidet. Gleichzeitig zeigt er den Zuschauern die Kraft des Bandes zwischen Mutter und Sohn und die heilende Kraft der Liebe eines Tieres. Für seine komplexen Bilder der Liebe vergeben wir den Hauptpreis an Sohrab Huras Bittersweet.

 

 

e-flux-Preis

dotiert mit 3.000 Euro

Für eine herausragende Film- oder Videoarbeit, die eine neue Form für das poetische und elektrische Potenzial des bewegten Bildes im Zeitalter globaler Informationsflüsse findet.

 

BELLA

Thelyia Petraki

Griechenland 2020, 24 Min. 30 Sek., Farbe

 

Begründung:

Dafür, dass der Film uns auf eine emotionale Reise durch Raum und Zeit mitnimmt und einen Weg findet, eine authentische Erzählung mit einzigartigen Bildern zu dokumentieren, verleihen wir den e-flux-Preis an BELLA von Thelyia Petraki.

 

 

Lobende Erwähnungen

 

 

Mat et les gravitantes

(Mat and Her Mates)

Pauline Penichout

Frankreich 2019, 26 Min., Farbe

 

Begründung:

Für seinen warmherzigen und behutsamen Blick auf ein wichtiges Thema: Das Recht der Frauen, über ihre Körper und Sexualität selbst zu bestimmen, und wegen der offensichtlichen Notwendigkeit, dieses Recht heutzutage mehr denn je zu verteidigen, vergibt die Jury eine Lobende Erwähnung an Mat et les gravitantes von Pauline Penichout.

 

 

 

I Am the People_Ⅰ

Xiaofei Li

China 2020, 25 Min. 12 Sek., Farbe

 

Begründung:

Eine vielschichtige Schilderung der Beziehungen zwischen Gesellschaft und Industrie, voller Anspielungen auf komplexe politische Haltungen. Der Filmemacher hat ein intellektuelles und gleichzeitig sensibles und poetisches Bild gefunden für die Frage, was es bedeutet, bewusst in unserer Zeit zu leben. Ein Film, der unserer Zeit würdig ist.

 

 

 

Jury des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

 

Mitglieder der Jury:

Filippa Bauer (Deutschland), Lina Sieckmann & Miriam Gossing (Deutschland), Ruth Schiffer (Deutschland), Ulrike Sprenger (Deutschland)

 

1. Preis

dotiert mit 5.000 Euro

 

Shepherds

Teboho Edkins

Frankreich/Südafrika/Deutschland 2020, 27 Min., Farbe

 

Begründung:

„The cow is culture“ – Ein Gefängnis für Hirten in der Steppe Lesothos wird zur Bühne für universelle Dramen der Menschheit. Leben und Überleben: Wie sieht ein Gefängnis in einer Gesellschaft aus, die nicht auf dem Prinzip des Mehrwerts basiert? In absurder Durchlässigkeit entgrenzen die Zäune das Gefängnis in die Weite des Landes. In diesem Kosmos eröffnet der Film in seiner feinen Inszenierung und den surrealen Kompositionen einen Zwischenraum, die Hirten werden zu rot gewandeten Sprechern der Menschheit und tragen die äußere Welt ins Innere des Gefängnisses.

 

 

2. Preis

dotiert mit 3.000 Euro

 

Bittersweet

Sohrab Hura

Indien 2019, 13 Min. 48 Sek., Farbe / s/w

 

Begründung:

Ein Mann berichtet mit neutraler Stimme über seine Mutter – ihre Schizophrenie, ihre Beziehung zu ihrem Hund und ihr manisches Leben. Der indische Fotograf und Filmemacher Sohrab Hura gewährt mit seinem essayistischen Fotofilm einen Blick auf seine Mutter, der über die konkrete Erzählung hinausweist, indem er Nähe, Geborgenheit, aber auch Schrecken und Hilflosigkeit familiärer Bindungen offenlegt. Aus Filmaufnahmen und Fotos, die zehn Jahre im Leben seiner Mutter dokumentieren, entsteht eine fesselnde filmische Montage; die beeindruckende Präzision der Aufnahmen und gezielte Auslassungen bestimmen den Rhythmus seiner sehr persönlichen Familiengeschichte.

 

 

Lobende Erwähnungen

 

 

Junkerhaus

Karen Russo

Großbritannien/Deutschland, 2019, 8 Min. 10 Sek., s/w

 

Begründung:

Die Kamera führt uns in das Haus und damit in die Innenwelt eines Eigenwilligen – expressionistische Schwarz-Weiß-Bilder und knarzende Töne erwecken holzgewordene Obsessionen zu gespenstischem Leben. In einem rhythmischen Finale werden Holz, Licht, Schatten und Ton erkennbar als Materialien phantastischer Räume. Eine Imagination, die uns schließlich zurückbringt in die Natur.

 

 

Gira Ancora

(One More Round)

Elena Petitpierre

Schweiz 2019, 22 Min. 9 Sek., Farbe

 

Begründung:

Ein Heranwachsender streift durch sein Viertel in Palermo. Die Kamera lässt uns in der Tradition des Neorealismus teilnehmen am Leben dieser Gesellschaft und zeigt zugleich, wie ihn die Gerüchte über seine Mutter im Laufe des Films zum Außenseiter machen. Die Welt des Protagonisten zieht sich in immer enger werdende Kreise zusammen.

 

 

 

Preis der Internationalen Filmkritik (FIPRESCI-Preis)

 

Mitglieder der Jury:

Martin Botha (Südafrika), Lesley Chow (Australien), Iryna Marholina (Russland)

 

I Am the People_Ⅰ

Xiaofei Li

China 2020, 25 Min. 12 Sek., Farbe

 

Begründung:

Der FIPRESCI-Preis geht an Xiaofei Lis I Am the People_Ⅰ, für das intelligente und schwelende Porträt einer Gesellschaft und seine mutige, wenn auch notwendigerweise indirekte Diagnose dieser Gesellschaft. Der Film lotet die Beziehung zwischen industrieller Produktion und gesellschaftlicher Entwicklung aus und stellt gleichzeitig traditionelle Wahrnehmungsweisen in Frage.

 

 

 

Preis der Ökumenischen Jury

dotiert mit 1.500 Euro

 

Mitglieder der Jury:

Kodjo Ognandou Ayetan (Togo), Alexander Bothe (Deutschland), Dirk von Jutrczenka (Deutschland), Polina Kundirenko (Ukraine), Christian Olding (Deutschland), Milja Radovic (Großbritannien)

 

 

Shepherds

Teboho Edkins

Frankreich/Südafrika/Deutschland 2020, 27 Min., Farbe

 

Begründung:

Der Film zeigt das psychologische Drama von Hirten aus Lesotho. Einige wurden zu neun Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie Kühe gestohlen hatten. Die Ökumenische Jury beeindruckt die Originalität des Themas (die Wertschätzung der Kühe in lesothischen Gesellschaft), die Professionalität der Filmregie, die Bildästhetik und die Stille, die den Zuschauer zur Meditation einlädt. Der Film zeigt den Wert der Kühe im Leben der Mitglieder dieser Gemeinschaft. Er lenkt aber auch die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Kluft zwischen Vergehen und Strafe.

 

 

Lobende Erwähnungen

 

 

Las muertes de Arístides

(The Many Deaths of Arístides)

Lázaro Lemus

Kuba 2019, 16 Min. 52 Sek., Farbe / s/w

 

Begründung:

Für die innovative, originelle und intime Herangehensweise an das Thema Krieg, Leben und Tod vergibt die Ökumenische Jury eine Lobende Erwähnung an Las muertes de Arístides von Lázaro Lemus, Kuba. Die Animation einer Figur als Silhouette, die auf einem Boot durch die Dunkelheit fährt, verschmilzt mit den eingefrorenen Momenten der Zeit. Wir hören den Brief eines jungen Mannes, der nie nach Hause zurückgekehrt ist. Der Film stellt sein Gebet für Olga als Hoffnung in den Mittelpunkt, als einen Schrei an Gott für das Leben des anderen, als Liebe, die die Tiefen der Dunkelheit überstrahlt. Er macht die Erinnerung lebendig und sprengt die Zeitgrenzen. Der Film transzendiert visuell, was sich nicht mit Worten beschreiben lässt. Ein Werk des puren Kinos.

 

 

Milenina píseň

(Milena’s Song)

Marie Lukáčová/Anna Remešová

Tschechien 2019, 9 Min. 1 Sek., Farbe

 

Begründung:

Die Schöpferinnen von Milenina píseň entfalten in ihrem Film das Thema einer Herzensspiritualität. Sie zeigen eine Küsterin in einer Kirche, die im Schatten der institutionellen Hierarchie ihren eigenen Weg findet ihren Glauben auszudrücken. Mit einem getanzten Gebet zeigt sie sich als Gläubige. Sie bezieht sich dabei auf Zeiten der frühen Kirchenväter und erinnert an kulturell dezentrale und nichthierarchische Formen des Glaubens. Der Mut und die außergewöhnliche Botschaft haben die Ökumenische Jury beeindruckt. Hinzu kommt die ästhetische Form des Films, der die wahre Schönheit der Wiedervereinigung des Menschen mit dem göttlichen Ursprung anschaulich werden lässt.

 

 

 

ZONTA-Preis

dotiert mit 1.000 Euro

für eine Filmemacherin aus dem Internationalen oder Deutschen Wettbewerb

 

 

What We Still Can Do

Nora Ananyan

Ungarn/Armenien 2019, 14 Min. 34 Sek., Farbe

 

Begründung:

Wir zeichnen einen Film aus, das Debut einer Filmemacherin, ein Manifest der Empathie und Solidarität: ein Film über die Beziehung zwischen Mutter und Tochter in einem Hospiz. Im Moment des Abschieds eröffnen sich unendliche Möglichkeiten gegenseitiger Liebe.

 

 

 

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Preise des Deutschen Wettbewerbs

 

Mitglieder der Jury des Deutschen Wettbewerbs:

Bernd Brehmer (Deutschland), Bettina Steinbrügge (Deutschland), Carolin Weidner (Deutschland)

 

 

Preis für den besten Beitrag des Deutschen Wettbewerbs

dotiert mit 5.000 Euro

 

 

SUGAR

Bjørn Melhus

Deutschland 2019, 20 Min. 35 Sek., Farbe / s/w

 

Begründung:

Mit dem Preis für den besten Beitrag des deutschen Wettbewerbs zeichnen wir einen Film aus, der sich aufmacht, der Menschheit wieder Menschlichkeit zurückzugehen. In einer postapokalyptischen Welt trifft SUGAR auf HON und wie dies erzählt wird, hat uns nicht nur zutiefst beeindruckt, sondern auch großen Spaß gemacht. Der Film ist brillant produziert, er positioniert sein Thema direkt, aber elegant, ist irgendwie neu und ungemein aktuell.

 

 

3sat-Förderpreis

dotiert mit 2.500 Euro, für einen Beitrag, der sich durch eine neue Sichtweise auszeichnet.

Der Preis umfasst darüber hinaus das Angebot, den ausgezeichneten Beitrag zu erwerben und im 3sat-Programm zu präsentieren.

 

Onun Haricinde, İyiyim

(Other Than That, I’m Fine)

Eren Aksu

Deutschland/Türkei 2020, 14 Min., Farbe

 

Begründung:

Sehr gleichmäßig reihen sich die Szenen aneinander, obwohl sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Ästhetisch hat man es mit verschiedenen Formaten zu tun, mal schrumpft der Frame zu einem Ausschnitt, dann wird er von dem instabilen Bild einer Videoschalte ersetzt. Inhaltlich wird ebenfalls gesprungen: zwischen der Türkei und Berlin, Vergangenheit und Gegenwart, Marmorsäulen. Ist man in einem Land angekommen, wenn man eine eigene Wohnung mit Gästezimmer vorzuweisen hat? Eren Aksu zurrt in Onun Haricinde, İyiyim all dies mühelos zusammen, obwohl spürbar nichts mühelos ist. Sein Film berührt. Und wir wollen noch viele weitere von ihm sehen.

 

 

Lobende Erwähnung

 

 

This Makes Me Want to Predict the Past

Cana Bilir-Meier

Deutschland/Österreich 2019, 16 Min. 5 Sek., Farbe / s/w

 

Begründung:

Grobkörnige, analoge Schwarz-Weiß-Bilder evozieren eine scheinbar vergangene Zeit, in der paradoxe Forderungen an eine mögliche Gegenwart (und Zukunft) appellieren, dem Erinnern notwendigen Raum zu schaffen. In ihrem eindringlichen Film verknüpft Cana Bilir-Meier Sehnsüchte, Zweifel und Wünsche junger Frauen mit der Hoffnung nach einer endlich angstfreien Gesellschaft.

 

 

 

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Preise des 12. NRW-Wettbewerbs

 

Mitglieder der Jury:

Gunter Deller (Frankfurt), Kathrin Häger (Köln), Marita Quaas (Köln)

 

 

Preis für den besten Beitrag des NRW-Wettbewerbs

dotiert mit 1.000 Euro

 

 

Berzah

Deren Ercenk

Deutschland 2020, 25 Min. 45 Sek., Farbe

 

Begründung:

Dieser Film und seine großartige Kameraarbeit sperren uns in ausgefeilte, fast nonverbale Inszenierungsräume: Von der Isolation eines Hotelzimmers über die Enge eines Autos hin zu den steilen Gassen eines Ortes an der türkischen Ägäis. In Berzah gelingt es Deren Ercenk, drei in sich geschlossene Episoden gemäß des Titels in eine Art „Zwischenwelt“ „engzuführen“ und dabei ein packendes Triptychon von quasi-ohnmächtigen Kampfsituationen zu entfalten: Brutzelnde Sonne gegen brennende Haut. Vater-Tochter-Gespann gegen übergriffige Zufallsbegegnung. Mann gegen Schrank. Die Regisseurin stößt uns in einen tiefgründigen Pool soziopolitischer Deutungsmöglichkeiten, die noch lange nachklingen und neugierig auf ihr nächstes Werk machen!

 

 

Förderpreis des NRW-Wettbewerbs

dotiert mit 500 Euro

 

 

there may be uncertainty

Paul Reinholz

Deutschland 2020, 28 Min. 58 Sek., Farbe

 

Begründung:

In diesen Tagen, wo wir gerne ins Kino spinksen und sehen würden ... there is nobody in it! …, trifft dieser Film mit seiner Premiere verblüffend den Nerv der Zeit. In der menschenleeren, mathematisch-meditativen Bilddichtung aus klinischen Krisenpräventionsanstalten, surrenden Serverräumen und sirenenuntermalten Bunkergebäuden wirken diese bedrohlicher als die unvorhersehbaren Katastrophen, vor denen sie schützen sollen. Nur zufällige Motive aus Kunst und Fiktion, rauchnebelige Wiesen und eine grasüberwachsene tatooine Bunkerlandschaft lassen erahnen, dass das Unkontrollierbare das einzige ist, was atmet.

 

 

Lobende Erwähnung

 

 

Im toten Park

Moritz Liewerscheidt

Deutschland 2019, 8 Min. 13 Sek., Farbe

 

Begründung:

Ein Dichter erkundet seine Welt, eine niederrheinische Kleinstadt in den 1970er/80er Jahren, mit Worten. Sein Sohn, ein Filmemacher, konfrontiert nun das Geschriebene mit Bildern ebenjener Gegend aus der Jetztzeit, die wie von gestern wirken. In dieser Überlagerung von doppelbödigen Sprachbildern mit Architekturen, Denkmälern, Straßenzügen und Parkanlagen formuliert sich ein Blick auf die eingeschriebene Mentalität und Geschichte einer alten BRD. Die Bilder sind ebenso durchlässig wie die Lyrik von Dieter Liewerscheidt, bei der sich Philosophisches, Popkulturelles und Persönliches durchdringen.

 

 

 

Preis der WDR Westart-Jury

dotiert mit 750 Euro, gestiftet von der WDR Westart

 

Mitglieder der Jury:

Maximilian Burk (Köln), Christiane Niemann (Köln), Katja Lüber (Köln)

 

 

Klusā daba

(Still Life)

Anna Ansone

Deutschland 2020, 22 Min. 49 Sek., Farbe

 

Begründung:

Anna Ansones Kurzfilm Klusā daba erzählt mit viel Sinn für Bildkomposition und Ästhetik die Geschichte von Elīna, die in das entlegene Haus ihrer verstorbenen Großmutter zurückkehrt, um es für den Verkauf anzubieten. Alles in diesem Film wirkt aus der Zeit gefallen. Konsequent also, dass Ansone auf analogem Film dreht. Die Protagonistin scheint zunehmend mit dem Haus zu verschmelzen; dabei geht es um Erinnerungen und um nicht immer unkomplizierte Familienbande. Der Film setzt in diesen Tagen ein einfühlsames Denkmal für den Zusammenhalt zwischen den Generationen.

 

 

 

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22. MuVi-Preis für das beste deutsche Musikvideo

 

Mitglieder der Jury:

Max Dax (Deutschland), Adam Harper (Großbritannien), Agnese Logina (Lettland)

 

 

1. Preis

dotiert mit 2.000 Euro, gestiftet vom SAE Institute Bochum

 

Eurydike (Kreidler)

Andreas Reihse, Zaza Rusadze

Deutschland 2020, 4 Min. 10 Sek., Farbe

 

Begründung:

In der griechischen Mythologie tötet der Dichter Orpheus versehentlich seine Frau Eurydike, nachdem er sie aus dem Hades befreit hat. Oder war es gar kein Versehen, wie Klaus Theweleit in seinem Buch „Männerphantasien“ vermutet? Müssen (männliche) Künstler ihre (weiblichen) Musen begraben, um kreativ zu sein? Eurydike nähert sich der uralten Frage abstrakt, durch die rhythmische Aneinanderreihung assoziativer Bilder zu Kreidlers Musik. In Anerkennung der Leistung, ein hochkomplexes Thema in die Ästhetik eines 4-minütigen Videos zu übersetzen, verleiht die MuVi-Jury ihren Ersten Preis an Eurydike von Zaza Rusadze und Andreas Reihse.

 

 

2. Preis

dotiert mit 1.000 Euro, gestiftet vom SAE Institute Bochum

 

Introspektion (für "Tranquilizer" von Oliver Huntemann)

Hamid Kargar

Deutschland 2019, 4 Min. 14 Sek., s/w

 

Begründung:

Hamid Kargars Video für Oliver Huntemanns "Tranquilizer" ist das perfekte Beispiel dafür, wie man mit Sorgfalt und Vision aus den einfachsten Mitteln eine faszinierende Vielfalt an Effekten erzeugen kann. Die Wiederholung eines einzigen Gesichts, die sich konstant vorantreibend zum Beat von Huntemanns Techno abspult, erscheint in einer schier endlosen Folge visionärer Masken, von witzigen viktorianischen Reminiszenzen bis zu Lovecraft’schem Horror. Zudem nimmt das Video in seinen Mechanismen, von den ersten Bildern in zoetropischem Moiré an, subtil doch nachdrücklich die strukturellen Änderungen in Huntemanns Musik auf. Für die Form des Videos ebenso wie für die Zeichnungen selbst vergibt die MuVi-Jury ihren zweiten Preis an Introspektion.

 

 

Lobende Erwähnung

 

Shadowbanned (Stephen Malkmus)

Jan Lankisch

Deutschland 2020, 3 Min. 28 Sek., Farbe

 

Begründung:

Eine Lobende Erwähnung geht an Jan Lankischs Video für Stephen Malkmus‘ Shadowbanned, das uns auf einen unberechenbaren Ritt auf die wilde Seite des Internets mitnimmt. Shadowbanned ist spielerisch und aufregend und dabei gleichzeitig selbstreferentiell; ein vielschichtiges Kunstwerk, das einen auch nach dem X-ten Ansehen noch überrascht. Es ist außerdem ein Musikvideo, das seiner Zeit voraus ist – eine fröhliche Übung im In-Kontakt-Bleiben, ohne sein Umfeld persönlich zu sehen. In einer Zeit der körperlichen Distanzierung und der rein virtuellen Treffen ist ein Musikvideo wie Shadowbanned ein inspirierendes Beispiel dafür, wie man zusammen kreativ bleiben kann.

 

 

MuVi Online-Publikumspreis

ermittelt durch Abstimmung im Internet und dotiert mit 500 Euro, gestiftet vom SAE Institute Bochum

 

Wer sagt denn das? (Deichkind)

Timo Schierhorn/UWE

Deutschland 2019, 3 Min., Farbe

 

 

 

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Preise des 43. Internationalen Kinder- und Jugendfilmwettbewerbs 

Preisverleihung: Montag, 18. Mai 2020, 18.00 Uhr, www.kurzfilmtage.de

 

 

Preis der Kinderjury

dotiert mit 1.000 Euro, gestiftet von den Wirtschaftsbetrieben Oberhausen (WBO)

 

Mitglieder der Jury:

Nikola Mader, Salman Omer, Lulzim Sinani, Kimberly Terwiel, Ahsen Melda Topcu

 

 

Furthest From

Kyung Sok Kim

USA 2019, 18 Min. 58 Sek., Farbe

 

Begründung:

Wir finden es gut, dass der Film mit echten Menschen ist. Und dass sich die Schauspieler auch wirklich ähnlich sehen, wie eine echte Familie. Uns hat es gut gefallen, dass man ein anderes Land und eine andere Kultur sieht. Das Ende von dem Film war zwar traurig, aber das hat gut gepasst.

 

 

evo-Förderpreis der Kinderjury

dotiert mit 1.000 Euro, gestiftet von der Energieversorgung Oberhausen AG (evo)

 

 

Têtard

(Kaulquappe)

Jean-Claude Rozec

Frankreich 2019, 13 Min. 40 Sek., Farbe

 

Begründung:

Unser Gewinnerfilm ist super gezeichnet. Die Animation und der Sound passen perfekt zueinander. Wir waren beim Gucken glücklich, trotzdem haben wir uns über das Mädchen geärgert. Der Film funktioniert, obwohl man nicht weiß, ob es ein Traum oder Realität ist.

 

 

Lobende Erwähnung

 

 

Junu Ko Jutta

(Der Schuh eines kleinen Mädchens)

Kedar Shrestha

Nepal 2019, 13 Min. 2 Sek., Farbe

 

Begründung:

Wir fanden schön, dass der Film sehr echt war und man viel von einem anderen Land gesehen hat. Und wir mochten die Musik. Am Ende hatte das Mädchen eine gute Idee. Die Geschichte hat viel Sinn gemacht. Wir vergeben unsere lobende Erwähnung an Junu Ko Jutta.

 

 

 

Preis der Jugendjury

dotiert mit 1.000 Euro, gestiftet vom Rotary Club Oberhausen

 

Mitglieder der Jury:

Kimmo Doering, Lilith Laukner, Jason Michalek

 

 

Becky’s Weightloss Palace

Bela Brillowska

Deutschland 2020, 8 Min., Farbe

 

Begründung:

Nachdem wir diesen Film geschaut hatten, haben wir uns gefragt: „Darf man so einen Film überhaupt machen?“. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass man darf und dass der Film sogar außerordentlich gut ist. Der Film ist auf mehreren Ebenen sehr interessant. Einerseits ist das Thema des Films, Magersucht, eines der Themen, die in Deutschland immer noch sehr tabuisiert werden und über die nie wirklich gesprochen wird. Andererseits greift der Film auf eine aktuell sehr populäre Form der medialen Unterhaltung zurück, nämlich auf YouTube Tutorials. Die Akteurin dieses Tutorials gibt Tipps für Magersüchtige, wie diese noch mehr Gewicht verlieren können, und macht gleichzeitig auf eine humorvolle Art, bei der man nicht weiß, ob man überhaupt lachen darf, auf die bestehenden Vorurteile und Probleme der Magersucht aufmerksam. Das Zusammenspiel dieser Aspekte macht den Film zu einem so einmaligen Werk, dass wir Becky’s Weightloss Palace hier, heute mit dem Preis der Jugendjury auszeichnen.

 

 

Lobende Erwähnungen

 

 

Warum Schnecken keine Beine haben

Aline Höchli

Schweiz 2019, 10 Min. 44 Sek., Farbe

 

Begründung:

Bei diesem Film hat uns die Animation sehr gut gefallen, die nicht nur durch Liebe zum Detail, sondern auch Komplexität und Kreativität überzeugt. Der Film schafft es auf eine schöne und liebevolle Art und Weise, von unserer Gesellschaft zu erzählen und sie zu kritisieren, was als solches ein wichtiges Thema ist und uns auch am Herzen liegt. Dabei beeindruckt besonders, dass der Geist unserer Zeit, nur dem Geld hinterher zu rennen und dabei sich selbst und die Natur aus den Augen zu verlieren, auf den Punkt gebracht wird, ohne dabei den Fehler zu begehen, dass es zu einem moralischen Apell wird. Eine wunderbare Verarbeitung unseres momentanen Problems, mit einem Schluss, der nicht nur sehr berührt, sondern auch nachdenklich stimmt. Ich freue mich sehr, „Warum Schnecken keine Beine haben" mit einer lobenden Erwähnung auszeichnen zu dürfen.

 

 

Christy

Brendan Canty

Irland 2019, 14 Min. 17 Sek., Farbe

 

Begründung:

Eine lobende Erwähnung erhält auch Christy, ein Film aus Irland von dem Regisseur Brendan Canty über einen Arbeit suchenden jungen Mann ohne Schulabschluss. Trotz seiner rauen Sprache erzählt der Film liebevoll von der chaotischen Lebenssituation des Hauptdarstellers und seiner Unfähigkeit, sich bei einem Vorstellungs-gespräch für einen Hilfsjob zu behaupten. Alles scheint perspektivlos zu sein und dennoch spielen Zusammenhalt, Freundschaft und Verbindung eine große Rolle. Die Darsteller sind hauptsächlich Kinder und Jugendliche, sie schaffen eine berührende Atmosphäre und lassen den Zuschauer nachdenklich und ergriffen zurück.

 

 

ECFA Short Film Award

(Der Preis besteht aus einer Nominierung für den ECFA Short Film Award 2021)

 

Mitglieder der Jury:

Jan-Willem Bult (Niederlande), Monica Koshka-Stein (Deutschland), Ivana Kvesic (Schweiz)

 

 

Un lynx dans la ville

(Ein Luchs in der Stadt)

Nina Bisiarina

Frankreich 2019, 6 Min. 48 Sek., Farbe

 

Begründung:

Dieses Jahr geht der ECFA Short Film Award an einen Kurzfilm, der den Kindern Zugang zu einer universellen Geschichte darbietet in einer hohen künstlerischen Umsetzung mit einer tiefgehenden Bedeutung. Der Animationsstil ist frisch, minimal und gleichzeitig verspielt. Die Regisseur*in hat sehr viel Wert auf Details, Farbe und Gestaltung gelegt. Zwei Welten treffen aufeinander in einem magischen Moment und gehen wieder friedlich auseinander. Wir werden mitgenommen auf eine Reise, wo die Natur sich in der urbanen Welt wiederfindet und auf ungewöhnliche Neugier trifft. Ein Film der Empathie, Aufregung vermittelt und gleichzeitig kritisch auf den Umgang mit sozialen Medien eingeht.

 

 

 

Oberhausen, 18. Mai 2020

 

Pressekontakt: Sabine Niewalda, niewalda@kurzfilmtage.de, Tel. +49 (0)208 825-3073