Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

Videokunst und Performance

Videokunst und Performance in Oberhausen

Mit Roee Rosen, Mika Taanila, Liam Young und anderen

 

Eine Reihe von Sektionen, die Videokunst und Performances in den Vordergrund stellen, bilden einen Schwerpunkt bei den 64. Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen. Die Kurzfilmtage freuen sich, unter anderem Louise Botkay (Brasilien/Frankreich), Salomé Lamas (Portugal), Marisa Olson (New York), Roee Rosen (Israel), Mika Taanila (Finnland), Peter Weibel (Deutschland) und Liam Young (Australien) zum Festival zu begrüßen.

 

Kuratorisch bewegen sich die Kurzfilmtage traditionell an der Grenze zwischen Film und Kunst. In diesem Jahr erprobt das Festival zudem die Möglichkeiten der Präsentation von künstlerischen Bewegtbildern in Kombination mit Live-, Performance- und diskursiven Elementen, zum Beispiel in neuen Sektionen wie „Conditional Cinema“ oder „Lectures“ oder in Rückblicken auf „expanded cinema“ und formale Experimente der 1960er und 70er Jahre im Themenprogramm „Abschied vom Kino. Knokke, Hamburg, Oberhausen (1967-1971).

 

 

Die Künstler:

 

Louise Botkay:

Die Brasilianerin, die an der Pariser FEMIS studierte, arbeitet mit Fotografie und Film an der Grenze zwischen Dokumentar- und Künstlerfilm. Ihre Themen sucht sie in Ländern wie Haiti, Kongo, Niger, Tschad oder Brasilien und greift dabei oft aktuelle Anlässe auf – sei es das Erdbeben 2010 in Haiti oder die ambivalente Präsenz von Hilfsorganisationen in Afrika.

Ihre Filme wurden auf zahlreichen Filmfestivals und Ausstellungen gezeigt, unter anderem im Yerba Buena Center for the Arts, San Francisco, im Centre Georges Pompidou, Paris, und am MAM – Museum of Modern Art, Rio de Janeiro. Für ihre neueste Arbeit erhielt sie das „Villa Hors les Murs“-Stipendium des Institut Français für Dreharbeiten mit dem Stamm der Huni Kuin-Indianer in Acre und Amazonien.

 

 

Salomé Lamas:

Salomé Lamas gehört zu den interessantesten Filmemachern der jungen Generation in Portugal. In ihren vielfach preisgekrönten Arbeiten löst sie die Grenzen zwischen Dokumentarfilm und Fiktion auf, nähert sich dem Unterdrückten und scheinbar Unzeigbaren, von den Gewalttaten der Kolonialgeschichte bis zu den Landschaften des globalen Kapitals.

Ihre Arbeiten werden sowohl auf Filmfestivals gezeigt wie auch in Kunstinstitutionen wie dem Serralves – Museu de Arte Contemporânea, der Tate Modern, dem Bozar – Palais des Beaux-Arts, dem ICA Institute of Contemporary Arts, der Mostra de São Paulo oder dem CAC Contemporary Art Center Vilnius. Sie erhielt mehrere Stipendien, darunter The Gardner Film Study Center Fellowship – Harvard University, The Rockefeller Foundation – Bellagio Center, der Fundação Calouste Gulbenkian und des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

 

 

Marisa Olson:

In ihrer Arbeit kombiniert die Künstlerin, Autorin und ehemalige Punk-Sängerin Elemente von Performance, Video, Netzkunst, Sound, Grafik und Installationen. Ihre Themen sind die Kulturgeschichte der Technologie, Partizipationsstrategien in der Popkultur und die Ästhetik des Scheiterns. Bei den Kurzfilmtagen geht sie in einem Vortrag/Performance unserer emotionalen Beziehung zur Technik nach, insbesondere der boomenden Wellness-Bewegung im Internet.

Olsons Arbeiten wurden unter anderem im Whitney Museum of American Art gezeigt, im Centre Georges Pompidou, Paris, bei der 52. Biennale Venedig, im National Museum of Contemporary Art in Athen und im Nederlands Instituut voor Mediakunst/Montevideo. Olson ist Gründungsmitglied des „Nasty Nets“ Internetclubs und Redakteurin und Kuratorin für Rhizome.

 

 

Roee Rosen:

Der Maler, Filmemacher und Autor befasst sich in seinem Werk mit Identitäten und Identifikationen, verknüpft aktuelle politische Entwicklungen in Israel und international mit Bezügen zur europäischen und jüdischen Geschichte und hat dafür ein ganzes Spektrum an fiktiven Figuren geschaffen, in deren Rollen er oft selbst schlüpft, von der belgischen Surrealistin Justine Frank bis zu dem russisch-jüdischen Emigranten Efim Poplavsky, auch bekannt als Maxim Komar-Myshkin. Bei den Kurzfilmtagen befasst er sich unter dem Titel Fake News und wahre Fälschungen ebenfalls mit Identität und Vorstellungen von Authentizität sowie deren Fehlen im Kontext aktueller Politik und Kulturwahrnehmung.

Rosen zeigte zuletzt Live and Die as Eva Braun bei der documenta 14. Er ist Professor am HaMidrasha College of Art, Kfar-Saba, und an der Bezalel Art Academy of Arts and Design, Jerusalem. Ausstellungen unter anderem in der Riccardo Crespi Gallery, Mailand, im Tel Aviv Museum of Art, im Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Oldenburg, und in der Rosenfeld Gallery, Tel Aviv.

 

 

Mika Taanila:

Der Künstler, Filmemacher und Kurator Mika Taanila präsentiert in Oberhausen das von ihm kuratierte Programm „Conditional Cinema“: eine Reihe von „live cinema“-Erfahrungen, bei denen das projizierte Bild durch performative und andere Elemente erweitert wird. Taanila konzentriert sich auf „live cinema“ als Werkzeug zur Erforschungen post-kapitalistischer Utopien in der Kunst.

Im Programm sind Arbeiten von Peter Miller (2017 bei der Venedig Biennale mit Stained Glass) und Manuela de Laborde (Mexiko, 2015 beim Antimatter-Festival, Canada, 2012 Einzelausstellung in der Generator Projects Gallery, Dundee) sowie eine neue Arbeit des finnischen Soundkünstlers Anton Nikkilä

Kurator Mika Taanila, einer der sechs Künstler, die den Nordischen Pavillon der Biennale Venedig 2017 bespielten, nahm unter anderem an der documenta 13 und der Manifesta 4 teil und stellte im Kiasma Museum of Contemporary Art in Helsinki, im Contemporary Art Museum St. Louis, im Migrosmuseum Zürich und im Badischen Kunstverein, Karlsruhe aus.

 

 

Liam Young:

2017 zeigte der spekulative Architekt, der im Grenzbereich zwischen Design, Fiktion und Zukunftsforschung arbeitet, seine Arbeit „Tomorrow’s Storeys“ bei der documenta in Athen, 2013 war er einer der Kuratoren der Lissaboner Architektur-Triennale. Er ist Gründer des Think Tanks „Tomorrows Thoughts Today“, der die Möglichkeiten fantastischer, perverser und imaginärer Urbanismen erforscht und mit dem er Firmen wie Phillips Technologies, die BBC, die Filmindustrie oder Kunst- und Wissenschaftseinrichtungen berät. Bei den Kurzfilmtagen wird er mit Hilfe von Bewegtbild und Performance die Zuschauer auf eine audiovisuelle Expedition in eine Stadt irgendwo zwischen Realität und Imagination mitnehmen.

 

 

Das Themenprogramm:

 

Abschied vom Kino – Knokke, Hamburg, Oberhausen (1967-1971)

Das Themenprogramm untersucht den historischen Wendepunkt, den Ende der 60er Jahre der Ausstieg vieler Filmemacher aus dem bestehenden Kinosystem markierte und der bis heute die Einordnung und Wahrnehmung des künstlerischen Films beeinflusst. Dieser „Abschied vom Kino“ ging einher mit formalen Experimenten wie Mehrfachprojektionen, Intermedia und Expanded Cinema, aber auch mit der Entwicklung des Films zum Medium politischer Arbeit. Mit dem Umbruch im Selbstverständnis der Filmemacher wurde bereits ein Grundstein für die Hinwendung des künstlerischen Films zum White Cube des Kunstbetriebs gelegt.

Gezeigt werden legendäre Arbeiten wie Ernst Schmidts Ja/Nein (Vorhangfilm) von 1968 oder Peter Weibels Fingerprint (1968) sowie Filme von Claudia von Alemann, Hartmut Bitomsky und Harun Farocki, Hellmuth Costard, Stephen Dwoskin, Birgit und Wilhelm Hein, Werner Nekes und Dore O., Hans Scheugl ebenso wie Wiederentdeckungen vergessener Arbeiten.

 

Oberhausen, im Februar 2018

 

Pressekontakt: Sabine Niewalda, T +49 (0)208 825-3073, niewalda@kurzfilmtage.de