Andere Programme

Thema

Sport im Film: Historische Sportfilme im Fokus

„Sport und Film haben ein wesentliches Grundelement gemeinsam: Die Bewegung“, schrieb Hilmar Hoffmann im Katalog der ersten Sportfilmtage 1968. Sie sind „beide Kinder unserer Zeit,“ so der damalige nordrhein-westfälische Innenminister Willy Weyer in seinem Vorwort als Präsident der Sportfilmtage, man wolle „alle die Kräfte erfassen, bündeln und aktivieren, die es im weiten Bereich Sport und Film gibt.“ Bis 1977 fanden die Sportfilmtage alle zwei Jahre in Oberhausen statt – 1968, 1970, 1973, 1975 und 1977. Das „Internationale Film- und Fernseh-Festival“ zeigte und prämierte internationale Sportfilme aller Art – locker definiert als „Filme, die sich mit sportlichen Themen auseinandersetzen“. Die Veranstaltung war unabhängig, doch eng verbunden mit den Kurzfilmtagen; Hilmar Hoffmann war Vizepräsident. Zahlreiche Preisträger und andere Filmkopien wurden im Archiv der Kurzfilmtage gesammelt. Nun präsentieren die Kurzfilmtage eine Wiederentdeckung dieses Festivals mit einer Filmauswahl in fünf Programmen, kuratiert vom Kölner Medienwissenschaftler, Publizisten und Regisseur Dietrich Leder.

Die Programme der Sportfilmtage waren breit angelegt, sie reichten von legendären Filmen wie Werner Herzogs Die große Ekstase des Bildschnitzers Steiner (1974), weitgehend unbekannte Filme von Regisseuren wie Jacques Doillon, Elem Klimov, Marcel Łoziński oder Michael Pfleghaar, bis hin zu Lehrfilmen wie Neue Wege zum Wedeln. Die Schwerpunkte von „Sport im Film“ liegen auf Körperbewegung, Helden, Zuschauer, Frauensport oder Sport als soziales Handeln, die gezeigten Arbeiten stammen zum größten Teil aus dem Archiv der Sportfilmtage, ergänzt durch einzelne Produktionen, die bei den Kurzfilmtagen liefen. Insgesamt werden während der 70. Kurzfilmtage rund 25 Filme im Kino gezeigt, ausgewählte Arbeiten zeigen die Kurzfilmtage im Vorfeld in ihrem Channel.

Ergänzt wird „Sport im Film“ durch eine Auswahl von Lehrfilmen, mit denen das 1950 gegründete „Medieninstitut der Länder der BRD“ FWU (Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht) Sport und Körpererziehung in die Bildungsarbeit einbrachte. Unter dem Titel „Leibeserziehung“ präsentieren die Kuratoren Tobias Hering und Peter Hoffmann eine Filmauswahl aus den 1930er bis 50er Jahren, die zur vergleichenden Betrachtung von Sport- und Körperbildern während und nach der NS-Zeit einlädt. Noch weiter in die Vergangenheit führt „Sport im Ruhrgebiet in Filmdokumenten“: Paul Hofmann zeigt Arbeiten aus den Beständen der Kinemathek im Ruhrgebiet, die ältesten darunter stammen aus dem Jahr 1926, zum Beispiel ein Film über ein städtisches Sportfest in Essen.

Die Kuratoren

Sport im Film
Dietrich Leder, geb. 1954 in Essen, nach dem Studium der Germanistik und Theaterwissenschaften in Köln Autor medienkritischer und -wissenschaftlicher Publikationen (zuletzt mit Daniela Schaaf und Jörg-Uwe Nieland "Die Erfindung des Mediensports") und von 1994 bis 2021 Professur für Fernsehkultur an der Kunsthochschule für Medien Köln.

Leibeserziehung
Tobias Hering ist freier Filmkurator und leitet seit 2018 die Archivsektion re-selected bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen. 
Peter Hoffmann ist langjähriger Mitstreiter im Kollektiv des Kino im Sprengel in Hannover. Bei den 64. Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen 2018 kuratierte er das Themen-Programm "Abschied vom Kino - Knokke, Hamburg, Oberhausen (1967-1971)"

Sport im Ruhrgebiet 
Paul Hofmann
, geboren 1950, ist seit 1976 im Ruhrgebiet tätig und arbeitete von 1976 bis 1978 zusammen mit Roland und Janne Günter an der Erstellung der Retrospektive "Das Ruhrgebiet im Film" für die Kurzfilmtage Oberhausen 1978. Seitdem setzt er diese Dokumentationsarbeit fort und gründete 1988 die "Kinemathek im Ruhrgebiet" damals als „Filmarchiv für die Region“. Hofmann war Co-Kurator der Ausstellungen "Rock & Pop im Pott" (2016) und "Glück auf, Film ab!" (2024) und wirkte als (Co-) Autor bei verschiedenen WDR-Produktionen mit. Hofmann lebt in Duisburg.

 

Thema – Hintergrund

Ebenso bedeutsam wie die Wettbewerbe und seit den 1990er Jahren ein zentraler und erfolgreicher Teil des Profils der Kurzfilmtage ist das Thema, ein umfangreiches Programm zu jährlich wechselnden Fragestellungen. Die Kurzfilmtage stellen hier die enorme Ausdifferenzierung der kurzen Form, ob Avantgarde-, Werbe- oder Wissenschaftsfilm, ob erweitertes Kino oder lineare Installations-Auskoppelung, innerhalb thematischer Kontexte dar. So schaffen sie ein Forum für filmische und gesellschaftliche Diskussionen, die sich, ausgehend vom Kurzfilm, weit über filmbezogene Fragestellungen hinaus erstrecken und einen übergreifenden Dialog über Bildproduktion in den Künsten, den neuen Technologien und Wissenschaften führen.

Themen der letzten Jahre

U.a. „Das Auge der Bombe“ (1991), „Werbefilm“ (1992), „HDTV“ (1992), „Konfrontation der Kulturen“ (1993), „Instudriefilmfaszination“ (1995), „Hyper Media“ (1997), „Nützliche Bilder“ (1998), „1968/98“ (1998), „Städte, Territorien“ (1999), „Pop Unlimited?“ (2000), „Sex, Rock'n'Roll and History“ (2000), „Out of Time“ (2001), „Katastrophe“ (2002), „re<lokal>isierung“ (2003), „50 Jahre Kurzfilme in Oberhausen“ (2004), „Der gefallene Vorhang“ (2005), „Radical Closure“ (2006), „Kinomuseum“ (2007), „Dreh Dich nicht um! Kinder, Kindheit, Kino“ (2007),  „Wessen Geschichte?“ (2008) und „Grenzgänger und Unruhestifter“ (2008) „Unreal Asia“ (2009), „Vom Meeresgrund: Das Experiment Film 1898-1918“ (2010), „Das Kino der Tiere. Eine kurze Geschichte des Tierfilms“ (2011), „Provokation der Wirklichkeit: Mavericks, MouveMents, Manifestos“ (2012), „Flatness: Kino nach dem Internet“ (2013), „Memories Can't Wait - Film without Film“ (2014), „Das Dritte Bild – 3D-Kino als Experiment“ (2015), „El pueblo – Auf der Suche nach dem neuen Lateinamerika“ (2016), „Soziale Medien vor dem Internet“ (2017), „Abschied vom Kino – Knokke, Hamburg, Oberhausen“ (1967–1971) (2018), „Die Sprache der Verlockung: Trailer zwischen Werbung und Avantgarde“ (2019), „Solidarität als Störung“ (2021), „Solidarität als Störung – Epilog“ (2022), „Synchronisieren! Pan-afrikanische Filmnetzwerke“ (2022), "Against Gravity. The Art of Machinima - Kunst, Animation, Gaming" (2023)

Kontakt

Profile

In den Profilen stellen die Kurzfilmtage traditionell herausragende Filmemacherinnen und Filmemacher vor, die sich zum Teil über Jahrzehnte hinweg mit der kurzen Form in allen ihren Facetten beschäftigt haben. Die Programme werden stets persönlich von den Künstlerinnen oder Filmemachern vorgestellt.

Abraham Ravett

Abraham Ravett, geboren 1947 in Polen und aufgewachsen in Israel und den USA, macht seit Jahrzehnten Filme über seine Familie, in denen er die Nachwirkungen des Holocaust auslotet, ein historisches Trauma, von dem seine beiden Eltern betroffen waren. Für Ravett sind die Vergangenheit und Auswirkungen des Genozid nicht nur Relikte von einst, sondern eine nie endende Aufgabe und Berufung. Oft nutzt er historische Fotos als Ausgangspunkt für seine Erkundungen von Zeitachsen und Potenzialen; Ton setzt er dabei sehr sparsam ein, oft in Form von Gesprächen, wie in einem seiner bekanntesten Filme, The March (1999). Die Kurzfilmtage zeigen einen Überblick über sein Gesamtwerk in drei Programmen.

Mox Mäkelä

Die finnische Konzeptkünstlerin ist seit 1976 aktiv und hat ihre Werke seitdem in zahlreichen Museen und auf Filmfestivals gezeigt. Ihr Schwerpunkt, den sie in ihrem unverkennbaren und einzigartigen Stil verfolgt, liegt auf der Erkundung ökokritischer und literarischer Themen in Filmen und Installationen, auf dem Aufeinanderprallen von Natur und Mensch. Ihr Film Noita Miettien (Thinking about That) beispielsweise, für den sie bei den Kurzfilmtagen 2023 mit dem Zonta-Preis ausgezeichnet wurde, ist eine ununterbrochene Tirade über die Konsumwelt, ein Wasserfall an Worten voller Gedankensprüngen und erfundener Wörter – experimentell und faszinierend. Die Kurzfilmtage zeigen zwei Programme ihrer Arbeiten, von der Künstlerin selbst ausgewählt.

John Torres

John Torres, geboren 1975, ist ein Filmemacher, Schriftsteller und Musiker aus Manila und einer der interessantesten unabhängigen zeitgenössichen Filmemacher aus den Philippinen, berühmt für seinen persönlichen und poetischen Stil. Sein Werk umfasst Kurzfilme und Langfilme ebenso wie Installationen. Sein Debütfilm Todo Todo Teros (2006) wurde vielfach ausgezeichnet, ebenso wie viele seiner folgenden Filme. Er ist außerdem einer der Leiter von Los Otros, gleichzeitig Kunstraum, Filmlabor und Plattform an der Schnittstelle von Film und Kunst in Manila. Die Kurzfilmtage zeigen seine kurzen Arbeiten in zwei Programmen.

Davorin Marc

Geboren 1964 in Izola im heutigen Slowenien, begann Marc 1976 mit dem Filmemachen. Als er im Alter von 23 damit aufhörte, hatte er 150 Kurzfilme produziert, alle auf Super 8. Sein außergewöhnlicher Stil wurde schon damals gelobt. Nur eine Handvoll seiner Filme wurden nach dem Auseinanderbrechen Jugoslawiens jemals gezeigt, und zwar bei einer einzigen Gelegenheit. Damit bietet dieses Programm die seltene Chance, seine frühen Arbeiten zu entdecken, insbesondere, da vor Kurzem neue Kopien aufgetaucht sind. Sie werden im Hauptteil dieses Profils auf Super 8 gezeigt. Nach einer Pause von 27 Jahren begann Marc ebenso plötzlich, wie er damit aufgehört hatte, wieder Filme zu machen. Seine neuen, abstrakten Videoarbeiten sind ebenso einzigartig und faszinierend wie die frühen Filme, im Stil jedoch völlig anders. Im Internationalen Wettbewerb 2018 zeigten die Kurzfilmtage aus dieser Phase Dobrodošlica. (Welcome.). Die historische Vorführung seiner Super 8-Arbeiten wird durch ein zweites Programm ergänzt, in dem eine 30-minütige Installation aus seinem aktuellen Werk präsentiert wird.

Bisherige Profile

Sandor Aguilar (2017), Eija-Lisa Ahtila (2000), Victor Alimpiev/Olga Stolpovskaya (2006), Wojciech Bakowski (2014), Craig Baldwin (2000), Baloji (2021), Melika Bass (2021), Guy Ben-Ner (2007), Majoleine Boonstra (2007), Louise Botkay (2018), Marcel Broodthaers (2023), Yamashiro Chikako (2023), Linda Christanell (2012), Raquel Chalfi (2016), Jem Cohen (2001), Josef Dabernig (2016), Kiri Dalena (2019), Amit Dutta (2010), Nicolás Echevarría (2009), Teboho Edkins (2023), Heinz Emigholz (2001), Factory of Found Clothes (2009), Helga Fanderl (2013), Jeanne Faust (2016), Morgan Fisher (2022), Herbert Fritsch (2009), Susannah Gent (2020), Karpo Godina/Želimir Žilnik (2002), Marina Grižnić/Aina Šmid (2003), Alexandra Gulea (2023), Bert Haanstra (1998), Anne Haugsgjerd (2016), Stefan Hayn (2005), James Herbert (1999), Sohrab Hura (2022), Yamada Isao (2004), Ito Takashi (2015), Ken Jacobs (1996), Jim Jennings (1998), William E. Jones (2011), Larry Jordan (2001), Aryan Kaganof (2014), Kanai Katsu (2007), Patrice Kirchhofer (2008), Ken Kobland (2007), Rainer Komers (2022), Eva Könnemann (2018), Andrew Kötting (2008), Petar Krelja, Krsto Papić und Zoran Tadic (2013), Grzegorz Królikiewicz (2011), Mark Lewis (2005), Salomé Lamas (2018), Marie Lukáčová (2021), Dušan Makavejev (2003), Mara Mattuschka (2014), John Maybury (2002), Philbert Aimé Mbabazi Sharangabo (2020), Bjørn Melhus (2017), Deimantas Narkevicius (2014), Erkka Nissinen (2015), Matsumotu Toshio (2009), Münchner Gruppe: Klaus Lemke/Rudolf Thome/Max Zihlmann (2003), Gunvor Nelson (2010), Robert Nelson (2006), Vera Neubauer (2012), Ho Tzu Nyen (2013), No Wave (2010), Jayne Parker (2004), Kayako Oki (2019), Miranda Pennell (2006), Ilppo Pohjola (2012), Shalimar Preuss (2022), Luther Price (2013), Laure Prouvost (2013), William Raban (2015), Jennifer Reeder (2015), Lis Rhodes  (2008), Jósef Robakowski (2005), Roee Rosen (2012), Roter Hahn 1907 (2011), Lynne Sachs (2023), Larissa Sansour (2017), Sarajevo Documentary School (2009), Boris Schafgans (2006), Sylvia Schedelbauer (2022), Maya Schweizer (2020), John Smith (2002), Alexander Sokurov (2019), Eva Stefani (2019), Barbara Sternberg (2017), Sun Xun (2016), Eszter Szabó (2022), Jaan Toomik (2017), Salla Tykkä (2021), Robert Van Ackeren (2001), Mona Vătămanu & Florin Tudor (2018), Vipin Vijay (2015), Laura Waddington (2005), Orson Welles (2000), Joyce Wieland (2002), Charles Wilp (2001), John Wood & Paul Harrison (1999), Fred Worden (2010), Nina Yuen (2017) und Akram Zaatari (2008).

Profile im Rückblick

Die Profile aus dem letzten Jahr finden Sie hier.

Kontakt

Tagung und Podium

Tagung

Sehnsucht nach Widerspruchsfreiheit. Kultur und Öffentlichkeit 1
Auseinandersetzungen mit Sexismus, Rassismus und anderen Formen von Menschenfeindlichkeit haben in den vergangenen Jahren zur kritischen Überprüfung von Programmatik und Haltung von Kulturinstitutionen geführt. Mittlerweile scheinen die entstandenen Ansprüche jedoch in eine Falle zu laufen. Immer häufiger ist von dem ursprünglich durch rechte Akteure eingeführten Begriff „Cancel Culture“ die Rede, Boykottaufrufe und Proteste entstehen gegen die Zusammenarbeit mit Personen oder Institutionen ihrer Positionierung wegen, die Idee von Kritik droht in Konformismus umzuschlagen. Ausgehend von einer Kampagne gegen die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen diskutieren Befürworter, Gegner und Beobachter dieser und ähnlicher Kampagnen die Frage: Kommt die größte Gefahr für kritische Diskussionen über den Umgang mit politischen Themen innerhalb des Kulturbetriebs aus dem Kulturbetrieb selbst?

1.5. 13 h, Eisenlager im Altenberg

Keynote Bazon Brock
13:00 h

Podium Kulturtheorie
Bazon Brock, Kunsttheoretiker
Sara Rukaj, Autorin
Lea Wohl von Haselberg, Filmwissenschaftlerin und Festivalleiterin
Moderation: Ute Cohen, Schriftstellerin und Journalistin
13:30 h

Podium Kulturbetrieb
Sergio Edelsztein, Kurator
Ruth Herzberg, Autorin
Andreas Hoffmann, Geschäftsführer documenta
Ronya Othmann, Schriftstellerin und Journalistin
Moderation: Ute Cohen, Schriftstellerin und Journalistin
16:30 h

Podium im Rahmen der Festivaleröffnung
Lars Henrik Gass, Festivalleiter
Alexandra Schauer, Soziologin
Rüdiger Suchsland, Filmkritiker
19:30 h, Lichtburg Filmpalast

Podium

Wozu Festivals? Kultur und Öffentlichkeit 2
Mit dem Wandel der Filmkultur und des Kinofilms in den letzten beiden Jahrzehnten, bedingt durch die Durchsetzung des Internets als Massenmedium und die Digitalisierung und Ökonomisierung aller Lebensbereiche, sind Filmfestivals mit zahlreichen neuen Aufgaben und Herausforderungen konfrontiert. Das Kino als Schauplatz von Filmfestivals und öffentlichem Diskurs ist ins gesellschaftliche Abseits geraten; nach der großen Pandemie und mit kriegerischen Auseinandersetzungen verschlechtern sich zudem die ökonomischen Rahmenbedingungen rasant. Angesichts dessen stellt sich die Frage, was vom ursprünglichen universalistischen Selbstverständnis von Filmfestivals noch geblieben ist und ob und wie sie ihren Auftrag noch werden erfüllen können. Dieser Frage gehen die Kurzfilmtage in vier Podiumsdiskussionen nach.

Sind Festivals noch ein universalistisches Projekt?
2. Mai 10-12 Uhr

Harald Kimpel, Kunstwissenschaftler
Andreas Kilb, Filmkritiker (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
Ariel Schweitzer, Filmkritiker (Cahiers du cinéma)
Lea Wohl von Haselberg, Filmwissenschaftlerin und Festivalleiterin
Moderation: Dunja Bialas, Filmkritikerin und Filmkuratorin

Was legitimiert Festivals?
3. Mai 10-12 Uhr


Martina Genetti, Filmkuratorin
Daniel Hadenius-Ebner, Vienna Shorts
Keiko Okamura, Filmkuratorin
Heinz Peter Schwerfel. Kunstkritiker und Festivalleiter
Moderation: Dunja Bialas, Filmkritikerin und Filmkuratorin

International Style
4. Mai 9.30-11.30 Uhr


Moritz Baßler, Literaturwissenschaftler
Susanne Heinrich, Autorin und Filmemacherin
Marco Müller, Filmkurator und Festivalleiter
Moderation: Ulrike Sprenger, Literaturwissenschaftlerin

Politisierung der Kultur
5.Mai 10-12 Uhr


Lars Henrik Gass, Autor und Festivalleiter
Alexander Karschnia, Theatermacher, Texter und Theoretiker
Benjamin Moldenhauer, Filmkritiker
Shahrzad Eden Osterer, Journalistin (Bayerischer Rundfunk)
Moderation: Dunja Bialas, Filmkritikerin und Filmkuratorin

Podiumsthemen der letzten Jahre

Diese 2006 eingeführte Diskussionsreihe hat sich als ein Ort der Auseinandersetzung mit Film schnell etabliert. Wissenschaftlerinnen, Kuratoren, Künstlerinnen und Autoren diskutieren hier aktuelle ästhetische, technologische, kulturpolitische und wirtschaftliche Fragen rund um den Kurzfilm. Das stetig wachsende Publikum ist eingeladen, sich zu beteiligen. Unter anderem waren bislang in Oberhausen: Catherine David, Chris Dercon, Diedrich Diederichsen, Adrienne Goehler, Alexander Horwath, Oskar Negt, Jonathan Rosenbaum, Martha Rosler und Akram Zaatari.

Podium 2022

Westlicher Kanon und Lokales Erbe. Fließen unsere Ozeane ineinander?
Größer als die Leinwand. Die vielen afrikanischen Kinos, die Sie nur zu kennen glauben
Sammlung und Archivierung analoger Filme heute
20. Jahrestag der AG Kurzfilm: Filmbildung und Kurzfilm

Podium 2019

Zwischen Werbung und Kunst: Das Kino der Verheißungen
Video-on-Demand: Neue Chancen für Filmemacher und Festivals?
Neustart für Zelluloid?
Sind Filmfestivals der Ort für 360° und Virtual Reality?

Podium 2018

Kooperation unter Filmfestivals - der neue Schlüssel zum Erfolg
Abschied vom Kino und die Folgen
after youtube - Musikvideo nach dem Internet
Ausstellen fürs Kino

Mehr Informationen dazu finden Sie in unserem Rückblick

Kontakt

re-selected: Archive zum Leben erwecken

Seit 2018 dient das Archiv der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen der Sektion re-selected als materielle Grundlage für Recherchen und kuratierte Programme. In diesem Jahr erinnern zwei re-selected-Programme an filmische Aufbrüche in Ungarn Ende der sechziger und in der Sowjetunion Mitte der achtziger Jahre, die in Oberhausen eine Plattform fanden, weil sich die Kurzfilmtage stets als „Brücke zwischen Ost und West“ verstanden – eine Entgegensetzung, die ihre Aussagekraft längst eingebüßt hat und womöglich schon damals eher zu Missverständnissen als zu Einsichten führte. Jedenfalls waren sowohl die ungarischen Filme, die Gastkuratorin Borjana Gaković hier zu einer idiosynkratischen Hommage an János Herskó ausgewählt hat, als auch die sowjetischen Filme, die während der Glasnost-Periode ab 1985 nach Oberhausen kamen, zu ihrer Zeit auch deshalb so Aufsehen erregend, weil sie sich auf mal zornige, mal spielerische Weise gegen die Ideologisierung dessen wendeten, was zwischen Menschen stattfindet.

Erstmals werden in diesem Jahr tatsächlich alle Filme in den re-selected Programmen als Originalkopien aus dem Festivalarchiv gezeigt. Zu Gast sind Borjana Gaković und Karola Gramann, Leiterin der Kurzfilmtage Oberhausen von 1985 bis 1989.

Kuratiert wird re-selected seit 2018 von Tobias Hering, freier Filmkurator und Publizist. Er lebt in Berlin und Mecklenburg.

Über re-selected: Filmgeschichte als Kopiengeschichte

Das 2018 gestartete Projekt re-selected widmet sich am designierten „Ende des analogen Zeitalters“ ausgewählten Filmen aus dem analogen Bestand des Archivs der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen und untersucht Filmgeschichte als Geschichte individueller Filmkopien zu untersuchen.

Anstatt die digitale „Rettung“ eines filmischen Werkes als Ideal zu propagieren, interessiert sich das Projekt gerade für die Eigenheiten einer Kopie, die bei der Digitalisierung in der Regel getilgt werden. Sie können Aufschluss geben über einen konkreten Werdegang, lokale Öffentlichkeiten und zeitgeschichtliche Konstellationen. Wo und wann wurde ein Film überhaupt gezeigt, wer hat ihn gesehen, in welcher Fassung, in welcher Verfasstheit?

Jede Kopie ist ein Original – und das nicht erst, wenn sich erweist, dass sie die einzige verbliebene Kopie eines Films ist.

Kontakt

Katharina Schröder
schroeder(at)kurzfilmtage.de

Expanded

Im Kino wundert sich niemand mehr!

Philosophische Spielzeuge sind Objekte und Instrumente, die Prozesse und Wirkungszusammenhänge sinnlich wahrnehm- und nachvollziehbar, anschaulich und begreifbar machen. Im Unterschied zu Modellen, die primär der Demonstration dienen, stehen Philosophische Spielzeuge in der Tradition der Experimentalkultur: Sie sind weniger Endprodukte als Werkzeuge der Erkenntnis. Sie setzen dabei – wie ihr Name schon sagt –  auf einen spielerischen Gebrauch, der das Denken und die Imagination in Bewegung bringt. Seit dem 18. Jahrhundert erfreuen sich die Philosophical Toys grosser Beliebtheit. Viele dieser Spielzeuge wurden anfangs für wissenschaftliche Beobachtungen angefertigt und erst mit der Zeit zum gefragten Objekt für Jung und Alt. Zu den faszinierendsten zählen sicherlich die optisch-kinetischen Spielzeuge und die Jouets Séditieux. Aus Holz gedrechselte Figuren, oft Stelen, Petschafte oder Spazierstockknäufe, welche mittels einer Lichtquelle an die Wand geworfen, in ihrem Schattenriss Profile, etwa von politischen Persönlichkeiten, erkennen lassen. Mit dem Programm Expanded gehen wir der Frage nach, wie Philosophisches Spielzeug heute aussieht und funktioniert. In diesem Spannungsfeld zeigen wir Versuchsanordnungen, bei denen autonome Maschinen auf einem Overheadprojektor ein Schattenspiel kreieren, das durch Interaktionen von Hand und Bewegung den Prozess der Klangerzeugung sichtbar macht. In einer elektrochemischen Maschinenperformance wird ein Geflecht aus flüssigem Metall von mehreren Kameras aufgenommen und live auf eine Leinwand projiziert. Von einer begleitenden Klanglandschaft, generiert durch eine direkte Umsetzung der elektrochemischen Prozesse der Flüssigkeit, werden wir dazu eingeladen, über eine heterogene technologische Kultur zu spekulieren. Während das humorvolle Duett einer Roboter-Ziege mit einer Performance- und Installationskünstlerin verblüfft, irritiert – und am Ende vertraute Seh- und Hörgewohnheiten zur Disposition stellt.

 

Expanded 1: Uncontrolled Manifold 
songs from my analogue utopia

2.5., 22:30 Uhr
Verein für aktuelle Kunst

Expanded 2: Tintin Patrone
Caprizaen

3.5., 22:30 Uhr
Verein für aktuelle Kunst

Expanded 3: Ralf Baecker
A Natural Histroy of Networks/Softmachine

4.5., 22:30 Uhr
Verein für aktuelle Kunst

Der Kurator

Jan Ehlen springt hier und da ein, wenn jemand ausfällt und konnte seine Leidenschaft für audiovisuelle Medien durch die langjährige Arbeit für die Sammlung Nekes füttern. Seit über 10 Jahren arbeitet er als Teil der RaumZeitPiraten und ist als professioneller Dilettant dauerhaft überfordert.

Kontakt

Für Filmemacher*innen aus NRW

Individuelle Beratung durch das Filmbüro NW
Ein kostenfreies Angebot an alle Filmemacher*innen aus NRW, die sich in Oberhausen von Vertreter*innen des Filmbüro NW zu Fragen rund um Produktion, Förderung und Festivalplatzierung von Kurzfilmen beraten lassen können. Nur mit Anmeldung!

Anmeldung: dw(at)kurzfilmtage.de

Mehr

ESFAA Shorts

Neun Publikumspreisträger von anderen europäischen Kurzfilmfestivals demonstrieren die kreative Vielfalt des europäischen Kinos in zwei Programmen.

European Short Film Network (ESFN)

Als European Short Film Network (ESFN) betreiben die Kurzfilmtage zusammen mit fünf weiteren, europäischen Kurzfilmfestivals die Streaming-Plattform THIS IS SHORT. Zur Abwechslung zeigt das Netzwerk hier ein Programm im Kino, mit Lieblingsfilmen der beteiligten Festivals zum Thema „Die Welt, in der wir leben". Die Auswahl wird bei allen fünf Festivals im Laufe des Jahres 2024 zu sehen sein.

Filmgeflacker

Das Oberhausener Kunstkollektiv Filmgeflacker präsentiert Filme aus den Wettbewerben und lädt Filmemacher*innen zum Gespräch.

Für Wolfgang J. Ruf

Ein persönliches Programm des ehemaligen Kurzfilmtage-Leiters anlässlich seines 80. Geburtstags mit Filmen von Wojciech Wiszniewski, Vuk Babić und Zbigniew Rybczynski.

Lieblingsfilme des Festivalteams 2024

Teamfavoriten: Zum Abschluss stellen die Mitarbeiter*innen der Kurzfilmtage ihre Lieblingsfilme aus den diesjährigen Wettbewerben persönlich vor.

MuVi International

Seit 1998 zeigen die Kurzfilmtage jedes Jahr eine Auswahl an richtungsweisenden internationalen Musikvideos und formal außergewöhnlichen Arbeiten – ein Schaufenster aktueller Entwicklungen im Bereich des Genres Musikvideo.

MuVi 14+

Ein internationales Musikvideoprogramm für Jugendliche ab 14 Jahren. MuVi 14+ ist ein facettenreicher Streifzug durch die aktuelle Clipproduktion, von handgemacht bis computergeneriert.

NRW Persönlich

Filmemacher*innen aus NRW erhalten Carte Blanche für ein Programm mit eigenen Filmen und prägenden Arbeiten anderer Filmemacher*innen. Dieses Jahr von und mit Carolin Schmitz aus Köln.

Preisträger 2024

Am Tag nach der Preisverleihung zeigen wir die wichtigsten Preisträger der fünf Wettbewerbe der Kurzfilmtage 2024 in einem Programm.

Preisträger anderer Festivals

Am ersten Festivaltag zeigen die Kurzfilmtage traditionell aktuelle Kurzfilme, die bei anderen Festivals ausgezeichnet wurden. Ein Querschnitt durch die vergangene Festivalsaison.

The One Minutes

In Kooperation mit der The One Minutes Foundation zeigen die Kurzfilmtage hier seit einigen Jahren Einminüter, eigens kuratiert für die Kurzfilmtage.

Kontakt
Xenia Fehrholz
orga(at)kurzfilmtage.de

The One Minutes Jr.

42 Einminüter aus Europa von und für junge Menschen gemacht.

Verleihe

2006 erweiterten die Kurzfilmtage ihren Markt durch Screenings aus den Katalogen ausgewählter internationaler Verleihe experimenteller und künstlerischer Kurzfilme. Der Erfolg war überwältigend: Vom ersten Tag an waren die Säle voll besetzt und das Interesse des Publikums groß.

Kontakt
Jessica Manstetten
muvi(at)kurzfilmtage.de

Filme außer Gebrauch?

Vernetzungstreffen für Sammler*innen, Kurator*innen und Forscher*innen im Feld des Gebrauchsfilms

Alle am Lehr- und Gebrauchsfilm Interessierten sind eingelanden, im Rahmen der Kurzfilmtage gemeinsam einen Überblick über die verschiedenen Archive und Sammlungen zu gewinnen, Einblicke in ihre Projekte und Aktivitäten zu ermöglichen und Herausforderungen in der Arbeit mit diesem besonderen Filmerbe zu erörtern.

Organisiert von Julia Eckel und Stephan Ahrens (Universität Paderborn).

Mehr Infos

Übersehene Filme

Auf den 12. Oberhausener Kurzfilmtagen 1966 führte die damalige Festivalleitung als Korrektiv zu den Entscheidungen der offiziellen Jurys einen „Preis für den verkannten Film“ ein. Dieser später schlicht als „Mitarbeiterpreis“ und heute als "ZONTA-Preis" vergebenen Auszeichnung verdanken die Kurzfilmtage einige ihrer wertvollsten Archivschätze, von denen hier einige der wichtigsten Arbeiten, u.a. von Rubén Gámez, Robert Nelson und Virpi Suutari, in zwei Programmen erneut zur Aufführung kommen.