Andere Programme

Thema

Ebenso bedeutsam wie die Wettbewerbe und seit den 1990er Jahren ein zentraler und erfolgreicher Teil des Profils der Kurzfilmtage ist das Thema, ein umfangreiches Programm zu jährlich wechselnden Fragestellungen.

Synchronisieren! Pan-afrikanische Filmnetzwerke

Das Kino wird in weiten Teilen der Welt durch Netzwerke getragen – in der Produktion und dem Vertrieb von Filmen ebenso wie in der Organisation von Festivals, Workshops, Screenings oder anderen Plattformen. Dies gilt umso mehr im afrikanischen/diasporischen Kino. Hier haben Filmemacher*innen seit seinen Anfängen in den 1960ern über Jahrzehnte innovative Infrastrukturen entwickelt, polyzentrische pan-afrikanische Netzwerke gebildet, neue, flexible Arbeitsmodelle gefunden. Was lange als labil und marktinkompatibel eingestuft wurde, zeigt sich zunehmend als wegweisende Arbeitsweise im Hinblick auf zukünftige Strategien des Kinos insgesamt.

In Filmprogrammen und einer Podiumsdiskussion und mit zahlreichen Gästen wirft unser diesjähriges Themenprogramm „Synchronisieren! Pan-afrikanische Filmnetzwerke“ einen Blick auf diese Strukturen und Zusammenhänge. Ausgangspunkt sind dabei Orte, die zeitweise zu Drehkreuzen und Magnetfeldern im polyzentrischen pan-afrikanischen Netzwerk werden. Etwa das Filmfestival in Ouagadougou (FESPACO), das seit seiner Gründung 1969 alle zwei Jahre erneut zum unverzichtbaren Treffpunkt wird für die Filmszene des Kontinents und der Diaspora sowie für das Publikum, um Debatten, neueste Gerüchte und (Film)Politik zu synchronisieren. Oder die Journées Cinématographiques de Carthage, bereits 1966 initiiert und geprägt durch den Filmkritiker Tahar Cheriaa, dessen Blick von Tunesien aus sich eben nicht dem Norden, sondern systematisch dem Süden zuwandte. Aber auch die gigantischen pan-afrikanischen Kulturfestivals in Algier (PACF 1969) oder Lagos (FESTAC 1977) mobilisierten, verdichteten und zelebrierten über nur wenige Wochen sämtliche kreativen Kräfte. Der katalysierende Zündstoff dieser Zusammenkünfte hatte lange Nachwirkungen und ist mittlerweile Gegenstand künstlerischer Forschung. Diese Festivals fanden aber auch Nachhall in Mailand, London, Tashkent, Moskau, Toronto, New York und andernorts, setzten eigene Impulse und öffneten Fenster auf parallele Festival-, Film- und Produktionsgeschichten.

Das Themenprogramm „Synchronisieren! Pan-afrikanische Filmnetzwerke“ bildet diese Geschichte nicht nur ab, sondern setzt sie ein Stück weit fort. Mit Filmemacher*innen einer jüngeren Generation aus Berlin, London, Paris, Tunis, Yaoundé, Dakar, Nouakchott und Kairo gibt es in Oberhausen für einige Tage die Gelegenheit, sich zu synchronisieren, voneinander zu lernen und das Netzwerk zu erweitern.

Die Kuratorinnen:
Kuratiert von Marie-Hélène Gutberlet, Professorin für Film, HfG Offenbach und freie Kuratorin, und Annett Busch, freie Kuratorinund Autorin (beide Women on Aeroplanes, Frankfurt/Main & Trondheim), in Kollaboration mit DOX BOX Berlin. Das Programm wird mit Mitteln im Programm Künstlerkontakte des Instituts für Auslandsbeziehungen, ifa, Stuttgart gefördert/unterstützt.

Solidarität als Störung – Epilog

Das Themenprogramm Solidarität als Störung hat in den letzten drei Jahren eine Reihe von Transformationen durchlaufen, vom ursprünglichen, 2020 für das Kino konzipierten Projekt über die Verschiebung und Umgestaltung für die Online-Festivalausgabe 2021 bis zur Rückkehr in die Kinos 2022 mit einem „Epilog“ aus Filmvorführungen und Diskursveranstaltungen.

Kuratiert von Branka Benčić und Aleksandra Sekulić, wirft dieser Epilog nun erneut einen Blick auf die Möglichkeiten (politischer) Emanzipation, von Poesie, sozialer Fantasie, Befreiung, Übertragung, von Dekolonialisierungskämpfen, von Gesten und Lektionen des Lernens (und Vergessens) durch die Destabilisierung erstarrter herrschender Gesellschaftssysteme, Machtstrukturen, Kunst oder Institutionen. Mit Arbeiten von Vlado Kristl, Dušan Makavejev, Zoran Popović, Jean-Marie Straub und Danièle Huillet, Cecilia Vicuna, Katarina Zdjelar und anderen.

Das Programm bildet außerdem einen losen Abschluss und eine Hommage an das Kino und die Filme, die in den letzten 68 Jahren in Oberhausen ihre Heimat gefunden haben, und reflektiert Lektionen und Botschaften in einer über die (vergangenen?) zwei Pandemiejahre in den digitalen Raum verlagerten sozialen Form.

Die Kuratorinnen:
Branka Benčić ist Kuratorin und Kunsthistorikerin und Leiterin des Museum of Modern and Contemporary Art in Rijeka, Kroatien. Sie hat zahlreiche Ausstellungen und Filmprogramme in Kroatien sowie international kuratiert, ist Mitbegründerin und künstlerische Leiterin des Apoteka – Space for Contemporary Art und des Cinemaniac Think Film Förderprogramms des Pula Film Festivals. Sie kuratierte das Artists Cinema Filmprogramm am Museum of Contemporary Art Zagreb und den kroatischen Pavillon bei der 57. Biennale Venedig. Zuletzt war sie Ko-Kuratorin der Videoretrospektive „Make Up Make Down“ von Sanja Iveković am MMSU/MoMCA, Rijeka (2021-22).

Aleksandra Sekulić ist Literaturwissenschaftlerin und -philologin, Programmkuratorin am Center for Cultural Decontamination (CZKD) in Belgrad und Chefredakteurin des „Beton“-Magazins für Kultur und Politik. In den 2000er Jahren war sie Kuratorin und Produzentin am Belgrader Academic Film Center und Mitglied der Low-Fi Videobewegung, des Projekts Media Archaeology und des Kosmoplovci Kollektivs in Belgrad.

Zusammen und einzeln kuratieren sie Ausstellungen und Diskussionen und publizierten zum Erbe des experimentellen Films, früher Videoproduktionen und Filmclubs im ehemaligen Jugoslawien.

Themen der letzten Jahre

U.a. „Das Auge der Bombe“ (1991), „Werbefilm“ (1992), „HDTV“ (1992), „Konfrontation der Kulturen“ (1993), „Instudriefilmfaszination“ (1995), „Hyper Media“ (1997), „Nützliche Bilder“ (1998), „1968/98“ (1998), „Städte, Territorien“ (1999), „Pop Unlimited?“ (2000), „Sex, Rock'n'Roll and History“ (2000), „Out of Time“ (2001), „Katastrophe“ (2002), „re<lokal>isierung“ (2003), „50 Jahre Kurzfilme in Oberhausen“ (2004), „Der gefallene Vorhang“ (2005), „Radical Closure“ (2006), „Kinomuseum“ (2007), „Dreh Dich nicht um! Kinder, Kindheit, Kino“ (2007),  „Wessen Geschichte?“ (2008) und „Grenzgänger und Unruhestifter“ (2008) „Unreal Asia“ (2009), „Vom Meeresgrund: Das Experiment Film 1898-1918“ (2010), „Das Kino der Tiere. Eine kurze Geschichte des Tierfilms“ (2011), „Provokation der Wirklichkeit: Mavericks, MouveMents, Manifestos“ (2012), „Flatness: Kino nach dem Internet“ (2013), „Memories Can't Wait - Film without Film“ (2014), „Das Dritte Bild – 3D-Kino als Experiment“ (2015), „El pueblo – Auf der Suche nach dem neuen Lateinamerika“ (2016), „Soziale Medien vor dem Internet“ (2017), „Abschied vom Kino – Knokke, Hamburg, Oberhausen“ (1967–1971) (2018), „Die Sprache der Verlockung: Trailer zwischen Werbung und Avantgarde“ (2019), „Solidarität als Störung“ (2021)

Kontakt

Profile

In den Profilen stellen die Kurzfilmtage traditionell herausragende Filmemacherinnen und Filmemacher vor, die sich zum Teil über Jahrzehnte hinweg mit der kurzen Form in allen ihren Facetten beschäftigt haben. Die Programme werden stets persönlich von den Künstlerinnen oder Filmemachern vorgestellt.

Morgan Fisher

In zwei Programmen mit ausgewählten Arbeiten präsentieren die Kurzfilmtage Morgan Fisher, einen der großen nordamerikanischen Experimentalfilmer. Fisher studierte in den 1960er Jahren Kunstgeschichte und Film und begann 1968, Filme zu machen. Sein Thema sind Mittel und Methoden der Bewegtbildproduktion, oft als Expanded Cinema konzipiert. Von sich selbst sagt er: „Meine Filme tendieren dazu, das Filmemachen zu thematisieren.“ Zu seinen bekanntesten filmischen Arbeiten gehört der 35-minütige Standard Gauge von 1984, der 2005 zum Titelgeber der Ausstellung von Fishers Arbeiten im Whitney Museum of American Art wurde. In den 1990er Jahren wandte sich Fisher mehr der Malerei, Zeichnungen und räumlichen Arbeiten zu, kehrte aber 2003 mit () (Parenthesis) zum Filmemachen zurück

Seit den 1970er Jahren haben die Kurzfilmtage wiederholt Arbeiten des Künstlers gezeigt; 2007 produzierte Fisher für Oberhausen eine Version seines Screening Room. Seine Arbeiten waren in zahlreichen Museen und Galerien in der ganzen Welt zu sehen, in Deutschland in Frankfurt, Köln und Mönchengladbach, international in New York, London, Wien, Basel und vielen anderen Städten.

Sohrab Hura

Der indische Magnum-Fotograf und Filmemacher arbeitet an der Schnittstelle von Film, Fotografie, Ton und Text, verbindet in seinen experimentellen Arbeiten Tagebuchformen mit der Befragung einer sich ständig verändernden Welt. 2018 wurde er für The Lost Head & The Bird bei den Kurzfilmtagen mit dem Preis der Jury des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet, 2020 gewann er mit Bittersweet den Hauptpreis der Internationalen Jury.

Huras Arbeiten wurden auf zahlreichen Filmfestivals gezeigt und auf Ausstellungen wie der Liverpool Biennale 2021, der Videonale und im Cincinnati Art Museum präsentiert. Sie finden sich unter anderem in den Sammlungen des MoMA, der Ishara Art Foundation und des Cincinnati Art Museum. Zudem hat er im Eigenverlag unter dem Label „Ugly Dog“ fünf Bücher veröffentlicht, darunter „The Coast“, für das er 2019 den The Aperture – Paris PhotoBook of the Year-Preis gewann. Sohrab Hura lebt und arbeitet in Neu Delhi. Die Kurzfilmtage präsentieren 2022 einen Überblick über sein filmisches Schaffen.

Rainer Komers

Mit Rainer Komers würdigen die Kurzfilmtage einen der wichtigsten Dokumentarfilmer Deutschlands. In drei Programmen während des Festivals in Oberhausen und zusätzlichen Programmen vorab im Kölner Filmhaus präsentieren sie das umfangreiche Gesamtwerk des vielfach preisgekrönten Regisseurs, dessen Ehrungen vom Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft über den Hessischen Filmpreis bis zum deutschen Kurzfilmpreis reichen.

1944 geboren, studierte Komers zunächst Film an der Düsseldorfer Kunstakademie, später Fotografie an der Essener Folkwangschule. Heute lebt er als Regisseur und Autor in Mülheim an der Ruhr und Berlin. Filmprojekte führten ihn auf alle Kontinente dieser Erde. Seine filmischen Gedichte leben von einer visuellen Faszination für die Moderne und ihre industrielle und urbane Ästhetik, die er neu kontextualisiert, mit einem genauen Blick auf die vielfältigen gegenseitigen Abhängigkeiten von Mensch und Natur. Die drei Programme bei den Kurzfilmtagen spannen den Bogen vom ganz frühen We Will Buy (1967) bis zu B 224 (1999); der Schwerpunkt liegt auf frühen Arbeiten, die sich mit der Region beschäftigen. Die begleitenden Programme in Köln präsentieren weitere Arbeiten aus allen Schaffensphasen.

Shalimar Preuss

Sommer, Natur, Erwachsenwerden, diese Themen sind zentral in Shalimar Preuss‘ Werk. Die kanadisch-französische Filmemacherin, geboren 1980, studierte von 2004 bis 2006 in den USA und in Frankreich am Studio Le Fresnoy. Ihre vielfach preisgekrönten Filme wurden unter anderem in Oberhausen, Rotterdam und Clermont-Ferrand gezeigt.

Die Kurzfilmtage haben zwei ihrer Arbeiten in ihren Internationalen Wettbewerben gezeigt: 2010 Rendez-vous à Stella-Plage, für den sie eine Lobende Erwähnung der Jury des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen erhielt und der außerdem für den Europäischen Filmpreis 2010 nominiert war, und 2017 Étrange dit l’ange. Ihr erster Langfilm, Ma belle gosse, kam 2012 in die Kinos und wurde in Belfort als bester französischer Film ausgezeichnet. 2022 zeigen wir einen Überblick über ihr Kurzfilmwerk.

Sylvia Schedelbauer

„Sylvia Schedelbauer gehört zu den beeindruckendsten Bewegtbild-Künstlerinnen des letzten Jahrzehnts.“ (Artforum). Ihre Filme bewegen sich in einem Raum zwischen historischem Narrativ und dem Persönlichen und Psychologischen, den sie durch poetische Manipulationen von Found Footage und Archivmaterial durchmisst. Geboren 1973 in Tokio, lebt Schedelbauer seit 1993 in Berlin, wo sie an der Universität der Künste Berlin bei Katharina Sieverding studierte.

Die Kurzfilmtage haben ihre Arbeiten wiederholt gezeigt, zuletzt 2020 Labor of Love. Außerdem waren ihre Filme auch bei der Berlinale, beim Toronto International Film Festival oder beim London Film Festival zu sehen. Zu ihren zahlreichen Preisen gehören der VG Bildkunst-Preis, der Preis der Deutschen Filmkritik und der Gus Van Sant-Preis für den besten Experimentalfilm. 2019/2020 war sie Arts Fellow am Harvard Radcliffe Institute.

Von 2013 bis 2017 war Schedelbauer Mitglied der Auswahlkommission des Internationalen Wettbewerbs der Kurzfilmtage.

Eszter Szabó

Eszter Szabó studierte an der Ungarischen Akademie der Künste und der Le Fresnoy École des Arts Contemporains. Heute kombiniert sie in ihrer Arbeit Malerei, 2D- und 3D-Animation und Video, oft als animierte Versionen ihrer malerischen Werke. Manifestationen sozialer Prozesse im Alltag, Verwundbarkeit, Trägheit oder unerfüllbare Sehnsüchte gehören zu ihren Themen. Ihre Werke wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen unter anderem in Budapest, Paris, New York und Barcelona präsentiert; 2021 wurde sie mit dem Leopold Bloom Art Award ausgezeichnet. Die Kurzfilmtage zeigten 2021 ihre Arbeit Széphercegnő (Princess Beauty) im Internationalen Online-Wettbewerb.

Eszter Szabó wird bei den 68. Kurzfilmtagen selbst eine Auswahl ihre Arbeiten präsentieren.

Bisherige Profile

Sandor Aguilar (2017), Eija-Lisa Ahtila (2000), Victor Alimpiev/Olga Stolpovskaya (2006), Wojciech Bakowski (2014), Craig Baldwin (2000), Baloji (2021), Melika Bass (2021), Guy Ben-Ner (2007), Majoleine Boonstra (2007), Louise Botkay (2018), Linda Christanell (2012), Raquel Chalfi (2016), Jem Cohen (2001), Josef Dabernig (2016), Kiri Dalena (2019), Amit Dutta (2010), Nicolás Echevarría (2009), Heinz Emigholz (2001), Factory of Found Clothes (2009), Helga Fanderl (2013), Jeanne Faust (2016), Herbert Fritsch (2009), Susannah Gent (2020), Karpo Godina/Želimir Žilnik (2002), Marina Grižnić/Aina Šmid (2003), Bert Haanstra (1998), Anne Haugsgjerd (2016), Stefan Hayn (2005), James Herbert (1999), Yamada Isao (2004), Ito Takashi (2015), Ken Jacobs (1996), Jim Jennings (1998), William E. Jones (2011), Larry Jordan (2001), Aryan Kaganof (2014), Kanai Katsu (2007), Patrice Kirchhofer (2008), Ken Kobland (2007), Eva Könnemann (2018), Andrew Kötting (2008), Petar Krelja, Krsto Papić und Zoran Tadic (2013), Grzegorz Królikiewicz (2011), Mark Lewis (2005), Salomé Lamas (2018), Marie Lukáčová (2021), Dušan Makavejev (2003), Mara Mattuschka (2014), John Maybury (2002), Philbert Aimé Mbabazi Sharangabo (2020), Bjørn Melhus (2017), Deimantas Narkevicius (2014), Erkka Nissinen (2015), Matsumotu Toshio (2009), Münchner Gruppe: Klaus Lemke/Rudolf Thome/Max Zihlmann (2003), Gunvor Nelson (2010), Robert Nelson (2006), Vera Neubauer (2012), Ho Tzu Nyen (2013), No Wave (2010), Jayne Parker (2004), Kayako Oki (2019), Miranda Pennell (2006), Ilppo Pohjola (2012), Luther Price (2013), Laure Prouvost (2013), William Raban (2015), Jennifer Reeder (2015), Lis Rhodes  (2008), Jósef Robakowski (2005), Roee Rosen (2012), Roter Hahn 1907 (2011), Larissa Sansour (2017), Sarajevo Documentary School (2009), Boris Schafgans (2006), Maya Schweizer (2020), John Smith (2002), Alexander Sokurov (2019), Eva Stefani (2019), Barbara Sternberg (2017), Sun Xun (2016), Jaan Toomik (2017), Salla Tykkä (2021), Robert Van Ackeren (2001), Mona Vătămanu & Florin Tudor (2018), Vipin Vijay (2015), Laura Waddington (2005), Orson Welles (2000), Joyce Wieland (2002), Charles Wilp (2001), John Wood & Paul Harrison (1999), Fred Worden (2010), Nina Yuen (2017) und Akram Zaatari (2008).

Profile im Rückblick

Die Profile aus dem letzten Jahr finden Sie hier.

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Katharina Schröder
schroeder(at)kurzfilmtage.de

Podium

Über Filme zu reden war schon immer integraler Teil unserer Festivalphilosophie. In der 2006 eingeführten Podium-Reihe sprechen Experten aus allen Bereichen über aktuelle Themen – ästhetisch, politisch, technisch oder kommerziell – rund um die kurze Form.

2022 planen wir vier Diskussionen vor Ort, darunter „Westlicher Kanon und Lokales Erbe. Fließen unsere Ozeane ineinander?“, moderiert von Harkat Studios (siehe auch Labs), und „Größer als die Leinwand. Die vielen afrikanischen Kinos, die Sie nur zu kennen glauben“, in dem das Themenprogramm „Synchronisieren! Pan-afrikanische Filmnetzwerke“ zum Ausgangspunkt eines genaueren Blicks auf Expanded Cinema in Afrika wird, moderiert von den Kuratorinnen Annett Busch und Marie-Hélène Gutberlet.

Weitere Diskussionen befassen sich mit der Sammlung und Archivierung analoger Filme heute und, zum 20. Jahrestag der AG Kurzfilm, mit dem Thema Filmbildung und Kurzfilm.

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Vassily Bourikas
bourikas(at)kurzfilmtage.de

Carsten Spicher
spicher(at)kurzfilmtage.de
(für AG Kurzfilm)

Verleihe

2006 erweiterten die Kurzfilmtage ihren Markt durch Screenings aus den Katalogen ausgewählter internationaler Verleihe experimenteller und künstlerischer Kurzfilme. Der Erfolg war überwältigend: Vom ersten Tag an waren die Säle voll besetzt und das Interesse des Publikums groß.

Hintergrund

2006 führten die Kurzfilmtage diese Sektion ein und schlossen damit eine Lücke: Eine internationale Plattform für Screenings, Begegnungen und Fachdiskussionen, spezifisch zugeschnitten auf Verleihe von Avantgarde- und Experimentalfilmen, gab es damals nicht. Die Sektion entwickelte sich sehr schnell zum weltweit größten Showcase für Verleihe von künstlerischen Filmen und ist heute eine feste Größe im Terminkalender des an Kurzfilm interessierten Fachpublikums. Vertreter*innen aller Verleihe sind in Oberhausen. Damit ist diese Programmreihe nicht nur Schaufenster aktueller internationaler künstlerischer Bewegtbilder, sondern auch eine lebendige Plattform für Kontaktpflege und Austausch.

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Archive

Seit 2013 rücken die Kurzfilmtage hier ein oft vernachlässigtes Thema in den Vordergrund: die Archivierung und Restaurierung von experimentellen Filmen. Internationale Archive werden eingeladen, ihre Bestände und ihre Arbeit vorzustellen. Von Anfang an stieß diese Sektion auf großes Interesse und hat sich beim Publikum wie beim Fachpublikum schnell als einer der beliebtesten Teile des Festivals etabliert.

Lumiton, Argentinien

Sowohl Museum als auch Archiv, bewahrt die Lumiton das Material des ikonischen Lumiton-Studios, das von 1932 bis 1952 zu den erfolgreichsten Produzenten in Südamerika zählte. Neben den populären Lumiton-Produktionen und Memorabilien bewahrt das Archiv, das zum 2004 gegründeten gleichnamigen Museum gehört, die verschiedensten dokumentarischen, institutionellen und experimentellen Filme. Heute ist Lumiton auch ein dynamischer Ort der Bildung, für Ausstellungen und Medienproduktion. Gezeigt wird eine Auswahl von experimentellen Kurzfilmen aus dem Lumiton-Archiv.

Cinenova, UK

Cinenova, gegründet 1991, widmet sich dem Erhalt und Vertrieb von Arbeiten feministischer Filmemacher*innen. Entstanden aus dem Zusammenschluss von Circles und Cinema of Women, hat Cinenova heute über 300 Titel im Programm, von künstlerischen Bewegtbildern über Experimental- und Spielfilme bis zu Lehrfilmen. Die ältesten Arbeiten stammen aus den frühen 1910er Jahren. Cinenova macht diese Titel zugänglich und berät zu Arbeiten von Frauen, transgender-, gendervarianten und nicht-binären Autor*innen. Die Kurzfilmtage 2022 präsentieren eine Auswahl von Arbeiten aus dem Archiv.

ZKM, Deutschland

Das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe, gegründet 1989, widmet sich sowohl raumbasierten Künsten wie Malerei, Fotografie und Skulptur als auch zeitbasierten Künsten wie Film, Video, Medienkunst, Musik, Tanz, Theater und Performance. In seiner Archivarbeit konzentriert sich das ZKM auf elektronische Künste. Aus dem breiten Bestand zeigen die Kurzfilmtage eine Auswahl von Videoarbeiten aus unterschiedlichen Archiven der 1970er Jahre, die das ZKM bewahrt. Damit präsentieren sie auch die Arbeit des Labors für antiquierte Videosysteme im ZKM, das diese Arbeiten erst zugänglich macht.

Bisher eingeladene Archive

Academy Film Archive, Los Angeles (2015); ACC Film and Video Archive, Gwangju (2018); BFI National Archive, London (2015); Center for Visual Music, Los Angeles (2016); Centre Georges Pompidou, Paris (2016); Cinémathèque de la Ville de Luxembourg und Centre national de l'audiovisuel, Luxemburg (2018); Cinémathèque Française, Paris (2013); Cinemateca Portugesa, Lissabon (2017); Cyland Video Archive, St. Petersburg (2020); Eye Film, Amsterdam (2014); Filmoteca de Catalunya, Barcelona (2018); Filmoteka Muzeum, Warschau (2014); Fundacja Arton, Warschau (2020); Gosfilmofond, Moskau (2017); Harvard Film Archive, Cambridge (2014); Home Movies - Archivio Nazionale del Film di Famiglia, Bologna (2017); Israel Film Archive, Jerusalem (2019); Österreichisches Filmmuseum, Wien (2015); Národní filmový archiv, Prag (2019); National Film Center, Tokyo  (2015); Pacific Film Archive, Berkeley (2013); Slovak Film Institute, Bratislava (2018); Slovenska Kinoteka, Ljubljana (2013), Swedish Film Institute, Stockholm (2017); The Temenos Archive, Zürich (2014); Videokunstarkivet, Oslo (2016); Walker Art Center, Minneapolis (2019); Visual Studies Workshop, Rochester (2021); Collectif Jeune Cinema, Paris (2021).

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Katharina Schröder
schroeder(at)kurzfilmtage.de

Labs

2018 eingeführt, ist Labs analogen Filmlaboren aus der ganzen Welt gewidmet und musste während der Online-Ausgaben unterbrochen werden. Nun nehmen wir die Sektion 2022 wieder auf. Unter dem Obertitel „Workshop Stories“ präsentieren wir in drei Programmen Arbeiten aus rund 18 Laboren. Ein Schwerpunkt liegt auf kanadischen Filmlaboren; dazu gehört auch die Film Farm, die während des Festivals einen Workshop anbieten wird.

Vervollständigt werden die Programme durch Lecture-Performances von Karan Talwar, Mitglied der in Mumbai und Berlin ansässigen Harkat Studios, sowie der Filmemacher Maximilian Le Cain (Irland) und Lea Lanoë (Frankreich).

Labs Hintergrund

Labs: Kollektive Unternehmungen auf Zelluloid
2018 eingeführt, widmet sich „Labs“ den zahlreichen Künstlerlaboren, die ein Netzwerk gebildet haben und mit eigenen Veranstaltungen an die Öffentlichkeit treten (filmlabs.org). Damit setzt die Sektion die Beschäftigung der Kurzfilmtage mit Alternativen zur Herrschaft des Digitalen fort. Hier geht es um die Interaktion zwischen Zelluloid und fotochemischen Verfahren, ebenso wie um kollektive, unabhängige Produktions- und Distributionsmodelle. Die kommerzielle Auswertung des analogen Films geht ihrem Ende entgegen. Welche Perspektiven können der analoge künstlerische Film und kollektive Arbeitsweisen in unserer postkinematografischen Wirklichkeit haben? So wird ein Diskurs über Fragen der Produktion, des Verleihs, der Aufführung sowie der Ästhetik vertieft.

Projektkoordinator

Vassily Bourikas
bourikas(at)kurzfilmtage.de

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Conditional Cinema: Der obsolete Mensch

Der dritte und letzte Teil von Conditional Cinema vereint Arbeiten, die sich auf ein Kino konzentrieren, in dem das menschliche Element vage und manchmal geradezu unnötig geworden ist. Er präsentiert drei spekulative und unscharfe Bedingungen im Fluss – die Leinwand, das Wetter und schließlich nicht-menschliche Akteur*innen.

Die Programme finden mit Live-Elementen vor Ort im Gloria-Saal der Lichtburg statt. Wir beziehen die Bedingungen des klassischen Kinos mit ein: Dunkelheit, Leinwand, gute Sound-Anlage. Streaming unmöglich.

Das Projekt Conditional Cinema schließt mit einem Künstler*innengespräch, das ein Fazit der Entwicklung einer Serie zieht, die drei Jahre lang (seit 2018, mit Unterbrechungen durch Corona 2020 und 2021) untersucht hat, wie „Live-Kino“ auf die globale Onlinekultur, den Niedergang körperlicher Arbeit und das Problem des obsoleten Menschen reagiert.

Conditional Cinema Hintergrund

Die Kurzfilmtage untersuchen in ihren Programmen immer wieder den Kinoraum und seine Möglichkeiten, erkunden Darstellungsformen des Films, die über die reine Projektion hinausgehen. In dieser Reihe steht Mika Taanilas Projekt für Oberhausen, „Conditional Cinema“, in dem es in drei Teilen um Live Cinema als Werkzeug zur Erforschung post-kapitalistischer Utopien in der Kunst geht. Taanila, der 2014 für die Kurzfilmtage das erfolgreiche Thema „Memories Can’t Wait – Film Without Film“ kuratierte, legt hier sein besonderes Augenmerk allem darauf, wie live-„Filme“ auf den Rückgang manueller Arbeit und das Problem des obsoleten Menschen reagieren.

Conditional Cinema 2019: Das Kino der Worte

Mika Taanila und Caspar Stracke bei Conditional Cinema© Kurzfilmtage / Daniel Gasenzer

Manchmal sprechen Worte lauter als Taten. Der zweite Zyklus von Conditional Cinema konzentriert sich auf die menschliche Stimme und Sprache als zentrale filmische Elemente und feiert Spoken Film und das „Kino der Worte“.

Das finnisch-deutsche Künstlerkollektiv Speech Karaoke Action Group lädt das Publikum ein, an einer Echtzeit-Collage von Reden über das Kino teilzunehmen und aus einem riesigen Pool seine Lieblings-„Filmrede“ auszuwählen – und aufzuführen, genau wie ein Lieblingslied beim Karaoke. Peter Miller setzt seine Erkundung des Kinoraums fort und konzentriert sich diesmal auf die menschliche Präsenz und manuell erzeugte Echtzeitklänge. Die mexikanische Filmemacherin Manuela de Laborde spricht über die zweite Phase ihres dreijährigen Filmprojekts Ficciones. Marguerite Duras' Le Camion ist ein echtes Manifest des konditionellen, extrem imaginären Kinos der Möglichkeiten: eine eindringliche Liebesgeschichte, welche die Fähigkeit der Zuschauer, sich den ganzen Film auf Grund minimaler Anhaltspunkte vorzustellen und zu konstruieren, voll ausnutzt.Das auf drei Jahre angelegte Projekt Conditional Cinema bildet Territorien des Kinos und der Kinokultur ab, die als „unfertige Szenarien“ oder „Filmskelette“ bezeichnet werden können. Im Jahr 2020 schließt sich der Kreis mit dem Schwerpunkt auf dem Thema „Der veraltete Mensch“.

Conditional Cinema 1

Mikrofon vor vollem Kinosaal Speech Karaoke Conditional Cinema Internazionale Kurzfilmtage Oberhausen

Film Speeches, Speech Karaoke Action Group/Oliver Kochta-Kalleinen, Finnland, 2019, 90’00”

Beim Speech-Karaoke wählt man, wie der Name schon sagt, eine Rede statt eines Songs. Unter dem Namen The Speech Karaoke Action Group wirken alle zusammen an dem Projekt mit, das stetig erweitert wird. Die SKAG vertritt keine bestimmte politische oder ideologische Überzeugung.

Speech Karaoke Action Group sind eine multidisziplinäre Künstlergruppe aus Helsinki. Bereits seit einigen Jahren veranstaltet die SKAG in Finnland und international partizipative Veranstaltungen – mit gutem Erfolg. Gruppenmitglieder sind die Künstler Frank Brümmel, Krister Gråhn, Tellervo Kalleinen, Oliver Kochta-Kalleinen, Tuomas Aleksander Laitinen, Carl Sebastian Lindberg, Essi Ojanperä, Pilvari Pirtola, Johanna Raekallio, Satu Rautiainen, Pasi Rauhala, Jyrki Riekki, Hanna Saarikoski and Julius Valve.

Conditional Cinema 2

Manuela de Laborde beim Vortrag für Ficciones (rushes), Conditional Cinema bei Internationale Kurzfilmtage Oberhausen 2019

Ficciones (rushes), Manuela de Laborde, Deutschland/Mexiko, 2019, 15’00”

Teil zwei von „Ficciones“ für Conditional Cinema präsentiert Rushes, die moosbewachsene Figuren zeigen, aufgenommen von mehreren, in einer mobilen Struktur angeordneten Kameras. Währendessen trägt die Künstlerin ihre persönlichen, mit der linken Hand geschriebenen Notizen vor.

Peter Miller mit analogfilm am Filmprojektor, Conditional Cinema 2019
This Thing Connecting Us, Peter Miller, Deutschland, 2019, 20’00”

... Ortspezifische ton-/licht-gebundene Überleitung zu ...

Frames per Second (performance), Peter Miller, Deutschland, 2019, 15’00”

Conditional Cinema 3

The Better Way Back to the Soil, Youki Hirakawa, Japan, 2017, 7’30”
Le Camion, Marguerite Duras, Frankreich, 1977, 76’00”

 „...In Youki Hirakawas faszinierendem Kurzfilm The Better Way Back to the Soil arrangiert der Künstler die Titel verschollener Stummfilme zu einer dezenten Komposition. Neben viel Schwarz sind auf der Leinwand nur die Titel und die Produktionsjahre der Filme zu sehen. Auf der Tonspur liest ein Erzähler genau diese Informationen vor; ein Arrangement, das wie ein poetisches Rätsel anmutet. Schätzungen zufolge sind etwa 80% der frühen, bis in die 1930er-Jahre gezeigten Stummfilme für immer verloren. So wird Hirakawas Werk zu einer feinsinnigen Betrachtung von Filmgeschichte und Zeit. Marguerite Duras’ Film Le Camion aus dem Jahr 1977 ist ein echtes Manifest des konditionalen, äußerst fantasievollen Kinos der Möglichkeiten. In dem narrativen Spielfilm, der sich an einem Tisch abspielt, dreht sich alles um das Lesen (nicht das Darstellen!) eines hypothetischen Drehbuchs für einen zukünftigen Film. Im ganzen Film sind nur eine Handvoll Außenaufnahmen zu sehen – vor allem Landschaften an Autobahnen. Erzählt wird eine eindringliche Liebesgeschichte, die die Fähigkeit des Publikums, sich den gesamten Film anhand minimaler Anhaltspunkte vorzustellen und zu konstruieren, voll ausschöpft. Was das Spannungsverhältnis zwischen Realität und Fiktion noch steigert: Die Rollen der Lesenden werden von Marguerite Duras (M. G.) selbst und von Gérard Depardieu (G. D.) gespielt. […] Die Gegenüberstellung von Hirakawa und Duras verdeutlicht die extremen Gegensätze eines potenziellen Films. Während Hirakawa für seinen Film harten, historischen Fakten und ultra-minimalistischen Regeln folgte, malte sich Duras für ihren Film, der eigentlich überhaupt nicht gedreht werden sollte, ein ganzes Universum aus. Jede Geschichte hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Das dreijährige Projekt Conditional Cinema befindet sich nun in der Mitte. Dies ist der Jahresbericht. 2021 wird sich der Kreis mit dem Schwerpunkt „Der obsolete Mensch“ schließen.“ (Mika Taanila)

 

Conditional Cinema 2018: Live Cinema

Ein Grund für IKEAs phänomenalen Erfolg lag in der Idee, den Zusammenbau der Haushaltsgegenstände von den Fabriken ins heimische Wohnzimmer zu verlegen.  Kann man sich Filme vorstellen, die sich der Zuschauer zusammenbauen muss? Das Projekt Conditional Cinema ist der Versuch den trendige Begriff des „live cinema“ als Werkzeug einzusetzen – wie IKEAs Inbusschlüssel –, um die Utopien von Kunst nach dem Kapitalismus zu erforschen. Welche Rolle spielen Kino und Bewegtbild im Postkapitalismus? Der dunkle und im Wesentlichen stille Raum des Kinos ist öffentlich und zugleich extrem privat, nah und doch fern. Was, wenn das Kino das letzte friedliche und intime Refugium ist, das uns in diesen turbulenten Zeiten noch bleibt. Conditional Cinema besteht aus drei Sequenzen, die das Thema in jährlicher Weiterentwicklung von 2018 bis 2020 herausbilden. „Conditional“ im Sinne von etwas bestimmtes voraussetzen wie bei der menschlichen Kondition oder eben auch Vorführbedingungen ... (Mika Taanila)

Live Cinema
Die erste Ausgabe 2018 präsentiert Arbeiten im traditionellen Kinorahmen, aber mit der Maßgabe, das Bewegtbild als fließende Kunstform und nicht als fixiert und final zu verstehen: generative, improvisierte, halbautomatische, systemische oder reduzierte Filme, die erst im jetzt entstehen.

Conditional Cinema 1

This Thing Connecting Us, Peter Miller, Germany, 2018, 20'00''
Set, Peter Miller, Germany, 2016, 09'45''
Stained Glass, Peter Miller, 2016, 10'00''
ST*R, Peter Miller, Germany, 2018

Peter Miller arbeitet schon lange mit Projektion als Performance. Seine subtilen filmischen Werke verschieben den Fokus von vorbestimmten narrativen Ereignissen auf „das Jetzt“, auf die Linse, den Strahl, das Flimmern. Millers Filme sind auf den ersten Blick lieb und nett, aber bohren tief. Hat man sie einmal live erlebt, kommen sie in dunklen Nachtstunden immer wieder. Die zarte Leichtigkeit ihrer Ausführung und die Offenheit des „Inhalts“ sind der schöne, ruhelose Brennstoff für das wahre Kino von jedermanns ureigener imaginärer Welt. Wir werden ein Programm mit poetischen Miller-Werken sehen, die sich um himmlische Themen drehen. So leistungsstark diese planetarischen Werke ihrem konzeptuellen Denken und ihrer Form nach sind, so materialistisch, ja geradezu bodenständig, sind sie per se.

Conditional Cinema 2

The Filmers' Almanac, Owen O'Toole, USA, 1988, 180'00'' 

The Filmers' Almanac war ein Gemeinschafts-Super-8-Film, den der Mail-Art-Künstler und Kinoaktivist Owen O’Toole 1988 von seinem Hauptquartier in Somerville, Maine, aus federführend geleitet hat. Inspiriert von Hollis Framptons unvollendet gebliebenem, kalendarischem Filmzyklus „Magellan“ enthält dieser Gemeinschaftsfilm über 200 Beiträge: Miniaturfilme von Künstlern, Filmemachern und Filmamateuren aus aller Welt. Die Idee bestand darin, dass jeder einzelne Mitwirkende an einem ausdrücklich festgelegten Tag des Jahres 1988 höchstens eine Standard-Super-8-Rolle (max. 15 Meter) drehen und anschließend an O’Toole schicken sollte, der ausnahmslos alles montierte. Mit dieser weltweiten Initiative wollte O’Toole die Rolle des einzelnen Autors verwischen und subjektiven Geschmack sowie eine zwanghafte „Qualitätskontrolle“ umgehen: „Ich will meine eigenen Kapazitäten und die der offenen Tausch-Community ausloten, die über die Post zugänglich wurde. Wir hoffen, eine massive Kollektivsicht auf die Vergänglichkeit zusammenzustellen, womöglich eine Methode, die Dimensionen unseres Planeten auszuloten“.

Das Projekt ist ein faszinierendes Zeitstück, ein kurzer Einblick in die Blütezeit des künstlerischen Super-8-Filmemachens und allgemein des Film-Networkings vor Erfindung des Internets. Die gesamte Korrespondenz zwischen O’Toole und dem Netzwerk seiner Mitkünstler erfolgte per Post. Die Screenings des Gesamtwerks waren jedes Mal anders und improvisiert, je nach den technischen Möglichkeiten des Kinos und der Aufmerksamkeitsspanne des Publikums. Zwischen 1989 und 91 wurde die Arbeit ein paar Dutzend Mal auf verschiedenen kleinen Filmfestivals und bei Kunstveranstaltungen in den USA vorgeführt. In Europa war sie in Braunschweig, Bielefeld, Bonn, Paris und Helsinki zu sehen, wohin O’Toole mit den Filmrollen im Handgepäck reiste. Schließlich führten das MoMA in New York und die San Francisco Cinematheque den The Filmers’ Almanac als Teil ihres extensiven „Big As Life“-Programms vor, das der Kunst des Super-8-Filmemachens gewidmet war. Wir sind stolz darauf, dass wir das Werk in seiner ursprünglichen Pracht präsentieren können, auf Zelluloid und mit einer ganzen Reihe unterschiedlicher Tonquellen,Farbgels, einer „lazy Susan“, Stimmungskurven und anderen rätselhaften Vorführanweisungen. Die Vorführung von The Filmers’ Almanac in Oberhausen, 30 Jahre nach seiner Entstehung, ist eine Hommage an Owen O’Toole, der im letzten Juli einer langen Krankheit erlegen ist.

Conditional Cinema 3

Ficciones, Manuela de Laborde, Mexico, 2018, 30'00''

Manuela de Labordes Werk Ficciones (2018), eine Zusammenarbeit mit dem Soundkünstler David Goldberg für Conditional Cinema, wird zu einem dreijährigen Zyklus werden, einem Prozess, der sich mit der Zeit entwickelt. Eine Reihe von Tonfiguren wurde entwickelt, die Pflanzenformen ähneln, um die „movies“ anhand lebender Objekte zu erforschen. Diese Skulpturen bilden das Darstellerensemble in ihrem Film – organisches Live Cinema in Form von Gärtnern und Pflegen. Im ersten Teil dieses Zyklus werden die Figuren „gepflanzt“ und nackt, wie sie sind, betrachtet, bevor das Wachstum sie in Form einer Performance umgeben wird. In seinem Ablauf kann das Werk Erinnerungen wachrufen an den Einsatz von Zeit in der Filmgeschichte, von Warhols stummen „Screen Test“-Serien (1964–66) zu Richard Linklaters „Boyhood“ (2014). Indem über das Videosignal die dezente Präsenz von Grüntönen auf die Leinwand geworfen wird, wird deren Gegenwart zu filmischer Fiktion erhoben.

Literal Transition, Anton Nikkilä, Finnland, 2018, 30'00''

Anton Nikkilä ist Komponist und Übersetzer. In seinem Kellerstudio ist die Zeit laut dem Museumskalender an der Wand im Jahr 2015 stehen geblieben. Während er auf „Suprematismus“ von Kasimir Malewitsch, 1915, starrte, das auf der letzten Kalenderseite abgebildet war, erträumte Nikkilä sich ein unmögliches Projekt: Es ist an der Zeit, die ästhetischen Ideale der historischen russischen Avantgardekunst irgendwie umzukodieren und mithilfe der Bausteine heutiger Technomusik wieder neu zusammenzustellen. Aber wie soll das gehen, wenn es keine Revolution gibt, die diese Konstruktionen elektrifiziert und animiert? Und warum? Nikkilä hat darauf keine Antwort, macht aber weiter, ohne sich um irgendeine historische oder politische Korrektheit zu scheren, und verwendet alte kryptische Gemälde und theoretische Texte als semi-prozessuale Anleitung zum Komponieren. Literal Translations (2018) ist eine Film-ohne-Film-Performance mit Computermusik für ein vertikal aufgebautes quadrophones anti-immersives 2D-Tonsystem sowie Zwischen- und Untertitel, die im Raum schweben.

Der Kurator

Mika Taanila ist Filmemacher und Künstler und lebt in Helsinki. Seine Arbeiten wurden unter anderem bei der Biennale Venedig 2017, der Aichi Triennale 2013 und der documenta 2012 gezeigt. Einzelausstellungen unter anderem in der Galerie Anhava (2021), im Padiglione Esprit Nouveau Bologna (2020), STUK Leuven (2018), Kiasma Helsinki (2013/14) und CAM St. Louis (2013). Für die Kurzfilmtage kuratierte er 2014 das Thema „Film without Film“.

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re-selected

Seit 2018 nimmt die Sektion re-selected das Archiv der Kurzfilmtage zum materiellen Ausgangspunkt für Recherchen und kuratierte Programme. Auch bei den 68. Kurzfilmtagen bringen vier Programme das Archiv als zeitgeschichtlichen Akteur ins Spiel: Im Mittelpunkt stehen der Dokumentarfilmer Peter Nestler, eine Revision des Kurzfilmtage-Projekts „Konfrontation der Kulturen“ von 1993 sowie jugoslawische Filme, für die das Kurzfilmtage-Archiv zum Exil wurde.

Durch die jahrzehntelange politische Brückenfunktion der Kurzfilmtage ist das Filmland Jugoslawien im Archiv besonders gut vertreten. Zwischen 1958 und 1992 sind von dort um die 100 Filmkopien in der Preisträgersammlung in Oberhausen verblieben. Eine von Petra Belc und Aleksandra Miljković kuratierte Filmauswahl wirft ein kritisches Schlaglicht auf dieses „Archiv im Exil“, seine künstlerische und filmhistorische Relevanz – und den heute provokanten Anachronismus der Länderbezeichnung „Jugoslawien“, unter der diese Filme archiviert sind.

In zwei Filmprogrammen knüpft re-selected nach fast 30 Jahren an das Kurzfilmtage-Programm „Konfrontation der Kulturen“ von 1993 an, eine Werkschau von Arbeiten Schwarzer Autor*innen aus Großbritannien, Nordamerika und der Karibik und bereits damals der Versuch einer „De-Kolonialisierung des Blicks“ (Angela Haardt). Die Künstlerin und Wissenschaftlerin Karina Griffith skizziert den spekulativen Ort Schwarzer deutscher Autor*innenschaft Anfang der 90er Jahre; der Filmwissenschaftler Merv Espina untersucht die Rolle der Filmworkshops der Goethe-Institute als Labore wechselseitiger Beeinflussung zwischen lokalen Filmemacher*innen und deutschen „Instructors“.

Mit Peter Nestler verbindet die Kurzfilmtage eine lange und wechselhafte Geschichte. 1966 wurde der Oberhausener Eklat um seinen hellsichtigen Film Von Griechenland zum Mitauslöser für seine Emigration nach Schweden. Dennoch blieb Nestler den Kurzfilmtagen verbunden, wurde informeller Berater und Vermittler für die schwedische Filmauswahl und war zwei Mal – 1975 und 1990 – Mitglied der Internationalen Jury. In Anwesenheit von Peter Nestler schlägt das Programm einen assoziativen Bogen von einem seiner ersten Filme, Aufsätze, zu dem zuletzt entstandenen Picasso in Vallauris, der hier als Kinopremiere zu sehen ist.

Über re-selected: Filmgeschichte als Kopiengeschichte

Das 2018 gestartete Projekt re-selected nimmt sich drei Jahre Zeit, um sich am designierten „Ende des analogen Zeitalters“ ausgewählten Filmen aus dem analogen Bestand des Archivs der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen zu widmen und Filmgeschichte als Geschichte individueller Filmkopien zu untersuchen.

Anstatt die digitale „Rettung“ eines filmischen Werkes als Ideal zu propagieren, interessiert sich das Projekt gerade für die Eigenheiten einer Kopie, die bei der Digitalisierung in der Regel getilgt werden. Sie können Aufschluss geben über einen konkreten Werdegang, lokale Öffentlichkeiten und zeitgeschichtliche Konstellationen. Wo und wann wurde ein Film überhaupt gezeigt, wer hat ihn gesehen, in welcher Fassung, in welcher Verfasstheit? Jede Kopie ist ein Original – und das nicht erst, wenn sich erweist, dass sie die einzige verbliebene Kopie eines Films ist.

re-selected ist ein gemeinsames Projekt der Kurzfilmtage mit dem Arsenal - Institut für Film und Videokunst im Rahmen von „Archive außer sich“ in Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt, gefördert im Rahmen von „Das Neue Alphabet“ durch die BKM auf Grundlage eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

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Katharina Schröder
schroeder(at)kurzfilmtage.de

Celluloid Expanded

Mit einer Reihe von Live-Performances in zwei Programmen präsentiert Celluloid Expanded erstmals in Europa einen umfangreichen Überblick über die reiche und vielfältige Landschaft kanadischer Künstlerlabore und -kollektive. Der Schwerpunkt der beiden Programme und eines Künstlergesprächs liegt dabei auf kanadischen Expanded Cinema-Arbeiten.

Unter dem Titel „Das Fleisch der Welt“ werden künstlerische Manipulationen und Neuinterpretationen der Werkzeuge und Materialien des Kinos beleuchtet, unter anderem mit Performances von Alex MacKenzie (Iris Film Collective, Cineworks), Lindsay McIntyre (EMO Collective, Cineworks, FAVA) und Heidi Phillips & Ian Campbell (Winnipeg Film Group, Saskatchewan Filmpool). In „Der Blick heraus, der Blick hinein“ geht es um dokumentarische und tagebuchartige Ansätze mit photochemischen Film, unter anderem mit einer Performance von John Price (Liaison of Independent Filmmakers of Toronto, Niagara Custom Lab).

Ergänzend zu den Performance-Programmen präsentiert Celluloid Expanded eine Podiumsdiskussion mit allen Künstler*innen, moderiert von Erin Weisgerber

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Goethe-Institut Tokyo 2022

Das Goethe-Institut Tokyo feiert im Jahr 2022 seinen 60. Geburtstag. Der Beginn seiner Aktivitäten im Bereich des deutsch-japanischen Kulturaustausches in Tokyo 1962 fällt in eine Zeit, in der sowohl auf politischer und gesellschaftlicher wie auch auf kultureller Ebene Strukturen ins Wanken kommen, die sich in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in beiden Ländern verfestigt hatten. Im Bereich der Künste werden sowohl ästhetische Normen wie auch eingefahrene Produktionsstrukturen zum Teil radikal hinterfragt und neu definiert.

Unter dem Titel „unrest 62|22“ blickt das Goethe-Institut mit einer interdisziplinären Themenreihe aus zeitgenössischer Perspektive auf diese Zeit der produktiven Unruhe zurück. Den Auftakt bildet die simultan in Oberhausen und Tokyo stattfindende Premiere zweier Auftragswerke der Filmemacherinnen Kaori Oda und Sylvia Schedelbauer. In ihren neuen Filmen beziehen sich die beiden Regisseurinnen aus heutiger Sicht auf die filmische Avantgarde der 1960er Jahre, und setzen der sowohl in Japan wie in Deutschland von Männern dominierten Szene dieser Zeit einen anderen Blick entgegen, der über die Rolle der Frauen damals und heute phantasiert. Nach der Filmpremiere werden die beiden Kinosäle in Oberhausen und Tokyo online zusammengeschaltet, und die Filmemacherinnen kommen ins Gespräch.

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Katharina Schröder
schroeder(at)kurzfilmtage.de

Länderfokus

Der Einblick in die Vielfalt der litauischen Kurzfilmproduktion der vergangenen zehn Jahre in drei Programmen, kuratiert von Deimantas Narkevičius, setzt die 2021 begonnene Länderfokus-Serie fort.

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MuVi International

Seit 1998 zeigen die Kurzfilmtage jedes Jahr eine Auswahl an richtungsweisenden internationalen Musikvideos und formal außergewöhnlichen Arbeiten – ein Schaufenster aktueller Entwicklungen im Bereich des Genres Musikvideo.

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Jessica Manstetten
muvi(at)kurzfilmtage.de

MuVi 14+

Ein internationales Musikvideoprogramm für Jugendliche ab 14 Jahren. MuVi 14+ ist ein facettenreicher Streifzug durch die aktuelle Clipproduktion, von handgemacht bis computergeneriert.

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Jessica Manstetten
muvi(at)kurzfilmtage.de

Preisträger anderer Festivals

Am ersten Festivaltag zeigen die Kurzfilmtage traditionell aktuelle Kurzfilme, die bei anderen Festivals ausgezeichnet wurden. Ein Querschnitt durch die vergangene Festivalsaison.

Festival-Highlights

Das Beste vom Besten: Zum Abschluss zeigen die Mitarbeiter der Kurzfilmtage noch einmal ihre Lieblingsfilme aus den Wettbewerben des Festivals.

Filmgeflacker

Das Oberhausener Kunstkollektiv Filmgeflacker präsentiert seit über zehn Jahren jährlich ausgewählte Filme aus den Wettbewerben und lädt Filmemacher*innen zum Gespräch.

The One Minutes

In Kooperation mit der The One Minutes Foundation zeigen die Kurzfilmtage hier seit einigen Jahren Einminüter, eigens kuratiert für die Kurzfilmtage.

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Susannah Pollheim
pollheim(at)kurzfilmtage.de

EFA Shorts

Drei Programme mit interessanten europäischen Kurzfilmen, allesamt nominiert für den Europäischen Kurzfilmpreis des Vorjahres.

Open Screening

Erstmals zeigten die Kurzfilmtage 2009 ein Programm, das nur von den Kurzfilmern und Kurzfilmerinnen selbst gemacht wird: das Open Screening. Hier haben alle, die eine Arbeit für die Wettbewerbe eingereicht haben, aber nicht ausgewählt wurden, und deren Film eine Länge von 15 Minuten nicht überschreiten, die Chance, ihre Arbeit doch noch auf dem Festival zu präsentieren.

Für die Teilnahme am Open Screening ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich: Die begrenzten Programmplätze werden streng nach Reihenfolge der Anmeldung vergeben und sind gewöhnlich in weniger als einer Minute gefüllt.

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Jessica Manstetten
openscreening(at)kurzfilmtage.de

Four Perspectives: Movement

Die Mitgliedsfestivals des Europäischen Kurzfilmnetzwerks stellen vier Programme zum Thema Bewegung vor: Kurzfilmtage (Deutschland), Go Short (Niederlande), Vienna Shorts (Österreich) und Short Waves (Polen).