Andere Programme

Thema

Umwege zum Nachbarn – Der Film der DDR in Oberhausen

1954 wurden die Kurzfilmtage gegründet, bereits 1955 zeigten sie erste Filme aus der DDR. Dies markierte den Beginn einer komplexen Beziehung: Bis 1990 liefen über 150 DDR-Filme in Oberhausen, nirgendwo sonst war das ostdeutsche Filmschaffen der westlichen Öffentlichkeit in vergleichbarer Kontinuität und Breite zugänglich. Dennoch wurde dieses Kapitel der Festivalgeschichte bislang kaum aufgearbeitet.

Der „Weg zum Nachbarn“ – so das langjährige Motto des Festivals – war zur DDR ein ganz besonderer, denn darin spiegelte sich stets auch das Selbstverständnis beider deutscher Staaten. Die Zusammenarbeit verlief selten konfliktfrei, war in vielerlei Hinsicht ein Politikum. Lange musste das Ringen der DDR um diplomatische Anerkennung mit Widerstand aus der bundesrepublikanischen Politik austariert werden, immer wieder machte der diffizile Prozess der Filmauswahl ästhetische und ideologische Bruchlinien sichtbar.

Kuratiert von Felix Mende umfasst das große Themenprogramm der 71. Kurzfilmtage in zehn Programmblöcken, darunter ein Programm für Jugendliche, zahlreiche Arbeiten aus der DDR, die für Oberhausen von besonderer Bedeutung waren. Die Auswahl reicht von den ebenso einfallsreichen wie ethisch höchst ambivalenten Agitationsfilmen aus dem Studio Heynowski & Scheumann über die essayistischen ersten Hochschulübungen von Helke Misselwitz bis hin zu experimentellen Arbeiten Jürgen Böttchers oder Lutz Dammbecks, die vom Festival zwar eingeladen wurden, seitens der DDR jedoch keine Freigabe erhielten. So zeichnet das Programm, zu dem zahlreiche Gäste erwartet werden, ein klareres Bild davon, wie diese deutsch-deutsche Beziehung die Filmgeschichte mitgeprägt hat.

Die Filmprogramme werden durch eine Podiumsdiskussion ergänzt.

Gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Thema – Hintergrund

Ebenso bedeutsam wie die Wettbewerbe und seit den 1990er Jahren ein zentraler und erfolgreicher Teil des Profils der Kurzfilmtage ist das Thema, ein umfangreiches Programm zu jährlich wechselnden Fragestellungen. Die Kurzfilmtage stellen hier die enorme Ausdifferenzierung der kurzen Form, ob Avantgarde-, Werbe- oder Wissenschaftsfilm, ob erweitertes Kino oder lineare Installations-Auskoppelung, innerhalb thematischer Kontexte dar. So schaffen sie ein Forum für filmische und gesellschaftliche Diskussionen, die sich, ausgehend vom Kurzfilm, weit über filmbezogene Fragestellungen hinaus erstrecken und einen übergreifenden Dialog über Bildproduktion in den Künsten, den neuen Technologien und Wissenschaften führen.

Themen der letzten Jahre

U.a. „Das Auge der Bombe“ (1991), „Werbefilm“ (1992), „HDTV“ (1992), „Konfrontation der Kulturen“ (1993), „Instudriefilmfaszination“ (1995), „Hyper Media“ (1997), „Nützliche Bilder“ (1998), „1968/98“ (1998), „Städte, Territorien“ (1999), „Pop Unlimited?“ (2000), „Sex, Rock'n'Roll and History“ (2000), „Out of Time“ (2001), „Katastrophe“ (2002), „re<lokal>isierung“ (2003), „50 Jahre Kurzfilme in Oberhausen“ (2004), „Der gefallene Vorhang“ (2005), „Radical Closure“ (2006), „Kinomuseum“ (2007), „Dreh Dich nicht um! Kinder, Kindheit, Kino“ (2007),  „Wessen Geschichte?“ (2008) und „Grenzgänger und Unruhestifter“ (2008) „Unreal Asia“ (2009), „Vom Meeresgrund: Das Experiment Film 1898-1918“ (2010), „Das Kino der Tiere. Eine kurze Geschichte des Tierfilms“ (2011), „Provokation der Wirklichkeit: Mavericks, MouveMents, Manifestos“ (2012), „Flatness: Kino nach dem Internet“ (2013), „Memories Can't Wait - Film without Film“ (2014), „Das Dritte Bild – 3D-Kino als Experiment“ (2015), „El pueblo – Auf der Suche nach dem neuen Lateinamerika“ (2016), „Soziale Medien vor dem Internet“ (2017), „Abschied vom Kino – Knokke, Hamburg, Oberhausen“ (1967–1971) (2018), „Die Sprache der Verlockung: Trailer zwischen Werbung und Avantgarde“ (2019), „Solidarität als Störung“ (2021), „Solidarität als Störung – Epilog“ (2022), „Synchronisieren! Pan-afrikanische Filmnetzwerke“ (2022), "Against Gravity. The Art of Machinima - Kunst, Animation, Gaming" (2023), "Sport im Film: Historische Sportfilme im Fokus" (2024)

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Profile

In den Profilen stellen die Kurzfilmtage traditionell herausragende Filmemacherinnen und Filmemacher vor, die sich zum Teil über Jahrzehnte hinweg mit der kurzen Form in allen ihren Facetten beschäftigt haben. Die Programme werden stets persönlich von den Künstlerinnen oder Filmemachern vorgestellt.

Die verbindende Kraft eines Kunstwerks: Die Filme von Dóra Maurer

Dóra Maurer, geboren 1937, gilt als eine der Schlüsselfiguren der ungarischen Neo-Avantgarde. Als Künstlerin, Filmemacherin und Ausstellungsorganisatorin arbeitet sie mit Druckgrafik, Malerei, Fotografie – und Experimentalfilm. Oberhausen zeigt den bislang umfangreichsten Überblick außerhalb Ungarns über Maurers filmisches Werk, darunter wegweisende Arbeiten wie Timing (1973-1980), Looking for Dózsa (1972-73) und Space Painting (1983).

Die beiden Programme nähern sich auf zwei Arten dem Verständnis der Rolle von Film in Maurers Gesamtwerk. Eines untersucht die Arbeiten unter dem Blickwinkel von Rhythmus und Struktur, das zweite präsentiert eine Art Erweiterung ihrer Malerei, Filme, die im Geist der Kunst entstanden sind. Ausgewählt von dem Filmkritiker und Kurator Simon Petri-Lukács.

Dietrich Schubert. Von der Kohle zu den Bäumen und nie zurück

Anlässlich von Dietrich Schuberts nahendem 85. Geburtstag stellen die Kurzfilmtage eine Retrospektive seiner (und Katharina Schuberts) Arbeiten aus einer fast 50 Jahre währenden Karriere als Filmemacher und politischer Dokumentarist vor. Es ist eine Rückkehr nach Oberhausen entlang mehrerer, sich zu einem Gesamtbild verknotender roter Fäden: Politischer Aufbruch, Sackgassen und Lehren aus der Vergangenheit, Umweltfragen, Arbeitsbedingungen in der Stadt wie auf dem Land, die Enge des Urbanen sowie das Heilsversprechen der räumlichen Weite, die Heimat, die man fand, aber auch das, was sie für jene bedeutet, die schon immer dort waren.

Zusammengestellt von den Filmkritiker André Malberg und der Kuratorin Lydia Kayß folgt das Profil in vier Programmen chronologisch Schuberts Entwicklung als Filmemacher, von frühen Arbeiten wie Soldat (1966) oder Lieder gegen Rechts (1973) bis zu den späteren, in seiner Wahlheimat Eifel entstandenen Produktionen wie Blumenthal – vom Eisen in der Eifel (1983).

Susanna Wallin

Die schwedisch-amerikanische Filmemacherin Susanna Wallin wurde im schwedischen Lund geboren und lebt und arbeitet in London und Tampa, USA. Ihre preisgekrönten Filme werden sowohl im Kino wie auch in Galerien gezeigt, die Kurzfilmtage haben ihre Filme regelmäßig im Wettbewerb präsentiert, von Night Practice (2006) im Jahr 2007 bis zu Lizzy (2023) beim Festival 2024.

Wallins Hauptinteresse gilt der Fähigkeit von Film, unseren Blick auf die Welt, unsere subjektive Zeiterfahrung zu verändern. Ihre Themenauswahl reicht von der Inszenierung wilder Tiere in Marker (2009) über ein Re-Enactment der Vorbereitungen für eine Lightshow im mehrfach preisgekrönten Electric Light Wonderland (2010) bis hin zu Teenagern, die proben, jemand anders zu sein, in Someone Else (2011).

Die Kurzfilmtage zeigen eine Auswahl ihrer Arbeiten in zwei Programmen.

Bisherige Profile

Sandor Aguilar (2017), Eija-Lisa Ahtila (2000), Victor Alimpiev/Olga Stolpovskaya (2006), Wojciech Bakowski (2014), Craig Baldwin (2000), Baloji (2021), Melika Bass (2021), Guy Ben-Ner (2007), Majoleine Boonstra (2007), Louise Botkay (2018), Marcel Broodthaers (2023), Yamashiro Chikako (2023), Linda Christanell (2012), Raquel Chalfi (2016), Jem Cohen (2001), Josef Dabernig (2016), Kiri Dalena (2019), Amit Dutta (2010), Nicolás Echevarría (2009), Teboho Edkins (2023), Heinz Emigholz (2001), Factory of Found Clothes (2009), Helga Fanderl (2013), Jeanne Faust (2016), Morgan Fisher (2022), Herbert Fritsch (2009), Susannah Gent (2020), Karpo Godina/Želimir Žilnik (2002), Marina Grižnić/Aina Šmid (2003), Alexandra Gulea (2023), Bert Haanstra (1998), Anne Haugsgjerd (2016), Stefan Hayn (2005), James Herbert (1999), Sohrab Hura (2022), Yamada Isao (2004), Ito Takashi (2015), Ken Jacobs (1996), Jim Jennings (1998), William E. Jones (2011), Larry Jordan (2001), Aryan Kaganof (2014), Kanai Katsu (2007), Patrice Kirchhofer (2008), Ken Kobland (2007), Rainer Komers (2022), Eva Könnemann (2018), Andrew Kötting (2008), Petar Krelja, Krsto Papić und Zoran Tadic (2013), Grzegorz Królikiewicz (2011), Mark Lewis (2005), Salomé Lamas (2018), Marie Lukáčová (2021), Dušan Makavejev (2003), Mox Mäkelä (2024), Davorin Marc (2024), Mara Mattuschka (2014), John Maybury (2002), Philbert Aimé Mbabazi Sharangabo (2020), Bjørn Melhus (2017), Deimantas Narkevicius (2014), Erkka Nissinen (2015), Matsumotu Toshio (2009), Münchner Gruppe: Klaus Lemke/Rudolf Thome/Max Zihlmann (2003), Gunvor Nelson (2010), Robert Nelson (2006), Vera Neubauer (2012), Ho Tzu Nyen (2013), No Wave (2010), Jayne Parker (2004), Kayako Oki (2019), Miranda Pennell (2006), Ilppo Pohjola (2012), Shalimar Preuss (2022), Luther Price (2013), Laure Prouvost (2013), William Raban (2015), Abraham Ravett (2024), Jennifer Reeder (2015), Lis Rhodes  (2008), Jósef Robakowski (2005), Roee Rosen (2012), Roter Hahn 1907 (2011), Lynne Sachs (2023), Larissa Sansour (2017), Sarajevo Documentary School (2009), Boris Schafgans (2006), Sylvia Schedelbauer (2022), Maya Schweizer (2020), John Smith (2002), Alexander Sokurov (2019), Eva Stefani (2019), Barbara Sternberg (2017), Sun Xun (2016), Eszter Szabó (2022), Jaan Toomik (2017), John Torres (2024), Salla Tykkä (2021), Robert Van Ackeren (2001), Mona Vătămanu & Florin Tudor (2018), Vipin Vijay (2015), Laura Waddington (2005), Orson Welles (2000), Joyce Wieland (2002), Charles Wilp (2001), John Wood & Paul Harrison (1999), Fred Worden (2010), Nina Yuen (2017) und Akram Zaatari (2008).

Profile im Rückblick

Die Profile aus dem letzten Jahr finden Sie hier.

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Podium

2025 diskutieren die Kurzfilmtage in der Reihe Podium unter anderem über Ideologiemaschinen (in Zusammenarbeit mit dem ESFN), DDR-Filme und Globalismus.

Podium

30.4.-4.5. täglich 10 h im Festival Space

30. April
Who Goes Fascist? – Wer wird Faschist?
Gibt es psychologische und neurologische Prädispositionen, die Menschen zur extremen Rechten treiben – und welche könnten das sein?
Mit Prof. Emilie A. Caspar, Dozentin für soziale und kognitive Neurologie, Universität Ghent; Dr. Agnieszka Golec de Zavala, Dozentin für Psychologie, Goldsmiths, London; Artur Zmiejewski, Künstler, Warschau; Rod Dickinson, Künstler, Bristol.
Moderiert von Galit Eilat.

1. Mai
Umwege zum Nachbarn. Der Film der DDR in Oberhausen
Dieses Podium erörtert die starke Präsenz des DDR-Filmschaffens bei den Kurzfilmtagen: nie selbstverständlich, nie konfliktlos!
Mit Helke Misselwitz, Filmemacherin und Professorin, Filmuniversität Babelsberg; Wolfgang J. Ruf, Leiter Kurzfilmtage 1975-1984; Felix Mende, Kurator des Themenprogramms.
Moderiert von Cornelia Klauß.

2. Mai
Ideologiemaschinen. Die Konformismus-Falle in der Kultur und ihren Institutionen
Ein Gespräch mit dem Autor Harry Lehmann über sein Buch „Ideologiemaschinen“ und die Frage, wie sich Kulturinstitutionen inmitten digitaler Empörung, politischer Skandale und innerer Konformitätszwänge als unabhängig behaupten können.
Mit Gertrud Koch, Professorin der Filmwissenschaft i.R., Berlin; Harry Lehmann, Autor / Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Luxemburg, Berlin.
Moderiert von Jonathan Guggenberger.
In Kooperation mit dem European Short Film Network (ESFN).

3. Mai
Ästhetik des Widerstands: Wirklich jetzt?! Ästhetische Strategien zwischen Immunität und Resilienz
Podiumsdiskussion mit Filmemacher*innen zur Frage, wie es um die politische Ästhetik der Gegenwart steht. Wo ihre Formen noch widerständig sind und wo sie zur Geste wird – zum leeren Versprechen auf Radikalität, Fortschritt und Heilung in einer Welt voller Krisen.
Mit Elena Kulesh, Director (Мякиш (Crumb), Internationaler Wettbewerb); Roee Rosen, Künstler und Filmemacher, Tel Aviv; Franz Wanner, Künstler, Berlin.
Moderiert von Michel Wagenschütz und Jonathan Guggenberger.

4. Mai
Kritische Nähe, produktive Distanz: Filme des Festivals und ihre Verhältnisse
Das Festival durchleuchtet sich selbst im Gespräch mit Filmemacher*innen, Juror*innen und Mitgliedern der Auswahlkommission. Im Zentrum steht die Frage: Wie setzt man den eigenen Blick ins Verhältnis? Und umgekehrt: Was machen die Verhältnisse mit dem eigenen Blick?
Mit Philipp Gufler, Künstler, Amsterdam/München; Silke Schönfeld, Filmemacherin, Amsterdam/Dortmund; Philbert Aimé Mbabazi Sharangabo, Filmemacher, Kigali.
Moderiert von Michel Wagenschütz und Jonathan Guggenberger.

Podiumsthemen der letzten Jahre

Diese 2006 eingeführte Diskussionsreihe hat sich als ein Ort der Auseinandersetzung mit Film schnell etabliert. Wissenschaftlerinnen, Kuratoren, Künstlerinnen und Autoren diskutieren hier aktuelle ästhetische, technologische, kulturpolitische und wirtschaftliche Fragen rund um den Kurzfilm. Das stetig wachsende Publikum ist eingeladen, sich zu beteiligen. Unter anderem waren bislang in Oberhausen: Catherine David, Chris Dercon, Diedrich Diederichsen, Adrienne Goehler, Alexander Horwath, Oskar Negt, Jonathan Rosenbaum, Martha Rosler und Akram Zaatari.

Podium & Tagung 2024

Tagung

Sehnsucht nach Widerspruchsfreiheit. Kultur und Öffentlichkeit 1
Auseinandersetzungen mit Sexismus, Rassismus und anderen Formen von Menschenfeindlichkeit haben in den vergangenen Jahren zur kritischen Überprüfung von Programmatik und Haltung von Kulturinstitutionen geführt. Mittlerweile scheinen die entstandenen Ansprüche jedoch in eine Falle zu laufen. Immer häufiger ist von dem ursprünglich durch rechte Akteure eingeführten Begriff „Cancel Culture“ die Rede, Boykottaufrufe und Proteste entstehen gegen die Zusammenarbeit mit Personen oder Institutionen ihrer Positionierung wegen, die Idee von Kritik droht in Konformismus umzuschlagen. Ausgehend von einer Kampagne gegen die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen diskutieren Befürworter, Gegner und Beobachter dieser und ähnlicher Kampagnen die Frage: Kommt die größte Gefahr für kritische Diskussionen über den Umgang mit politischen Themen innerhalb des Kulturbetriebs aus dem Kulturbetrieb selbst?

Keynote Bazon Brock

Podium Kulturtheorie
Bazon Brock, Kunsttheoretiker
Sara Rukaj, Autorin
Lea Wohl von Haselberg, Filmwissenschaftlerin und Festivalleiterin
Moderation: Ute Cohen, Schriftstellerin und Journalistin

Podium Kulturbetrieb
Sergio Edelsztein, Kurator
Ruth Herzberg, Autorin
Andreas Hoffmann, Geschäftsführer documenta
Ronya Othmann, Schriftstellerin und Journalistin
Moderation: Ute Cohen, Schriftstellerin und Journalistin

Podium im Rahmen der Festivaleröffnung
Lars Henrik Gass, Festivalleiter
Alexandra Schauer, Soziologin
Rüdiger Suchsland, Filmkritiker

Podium

Wozu Festivals? Kultur und Öffentlichkeit 2
Mit dem Wandel der Filmkultur und des Kinofilms in den letzten beiden Jahrzehnten, bedingt durch die Durchsetzung des Internets als Massenmedium und die Digitalisierung und Ökonomisierung aller Lebensbereiche, sind Filmfestivals mit zahlreichen neuen Aufgaben und Herausforderungen konfrontiert. Das Kino als Schauplatz von Filmfestivals und öffentlichem Diskurs ist ins gesellschaftliche Abseits geraten; nach der großen Pandemie und mit kriegerischen Auseinandersetzungen verschlechtern sich zudem die ökonomischen Rahmenbedingungen rasant. Angesichts dessen stellt sich die Frage, was vom ursprünglichen universalistischen Selbstverständnis von Filmfestivals noch geblieben ist und ob und wie sie ihren Auftrag noch werden erfüllen können. Dieser Frage gehen die Kurzfilmtage in vier Podiumsdiskussionen nach.

Sind Festivals noch ein universalistisches Projekt?
Harald Kimpel, Kunstwissenschaftler
Andreas Kilb, Filmkritiker (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
Ariel Schweitzer, Filmkritiker (Cahiers du cinéma)
Lea Wohl von Haselberg, Filmwissenschaftlerin und Festivalleiterin
Moderation: Dunja Bialas, Filmkritikerin und Filmkuratorin

Was legitimiert Festivals?
Martina Genetti, Filmkuratorin
Daniel Hadenius-Ebner, Vienna Shorts
Keiko Okamura, Filmkuratorin
Heinz Peter Schwerfel. Kunstkritiker und Festivalleiter
Moderation: Dunja Bialas, Filmkritikerin und Filmkuratorin

International Style
Moritz Baßler, Literaturwissenschaftler
Susanne Heinrich, Autorin und Filmemacherin
Marco Müller, Filmkurator und Festivalleiter
Moderation: Ulrike Sprenger, Literaturwissenschaftlerin

Politisierung der Kultur
Lars Henrik Gass, Autor und Festivalleiter
Alexander Karschnia, Theatermacher, Texter und Theoretiker
Benjamin Moldenhauer, Filmkritiker
Shahrzad Eden Osterer, Journalistin (Bayerischer Rundfunk)
Moderation: Dunja Bialas, Filmkritikerin und Filmkuratorin

Podium & Talks 2023

The Soul of the Festival
Wie funktionieren Filmfestivals heute; wer ist drin und wer ist draußen? Was ist die Verantwortung von Filmfestivals angesichts zurückgehender Besucherzahlen nach Corona, sinkender Förderung und eine Teuerungskrise, und wie bewahren sie ihre Relevanz und Integrität? Zusammen denken wir laut über den aktuellen Stand der Dinge nach und darüber, wer sich um die Seele des Festivals kümmert.

Moderiert von Ben Cook (LUX)
 

25 Jahre MuVi-Preis: Zur Rettung der Popkultur
Eine Bestandsaufnahme und ein Ausblick auf das zukünftige Potenzial des Musikvideos: Videomacher*innen, Publizisten, Labels und Musiker*innen diskutieren aus Anlass des 25. MuVi-Preises.

Moderiert von: Liz Remter, ByteFM
Hosted by ByteFM

Zwischen Kino und Videospiel: Das schillernde Medium Machinima
Eine Diskussion über die Beziehung zwischen Videospielen und Kino, insbesondere über die Ursprünge, Herausforderungen und Chancen, aber auch die Einzigartigkeit einer im wesentlichen interdisziplinären Kunstform.

Mit: Alice Bucknell (Künstlerin und Autorin, London), Ip Yuk-Yiu (Filmemacher, Medienkünstler, Kunstlehrer und Kurator, Hongkong), Gemma Fantacci (Kuratorin, Milan Machinima Festival), Tracy Harwood (Professor of Digital Culture, De Montfort University, Leicester).

Moderiert von den Kuratoren Vladimir Nadein and Dmitry Frolov

Podium 2022

Westlicher Kanon und Lokales Erbe. Fließen unsere Ozeane ineinander?
Größer als die Leinwand. Die vielen afrikanischen Kinos, die Sie nur zu kennen glauben
Sammlung und Archivierung analoger Filme heute
20. Jahrestag der AG Kurzfilm: Filmbildung und Kurzfilm

Podium 2019

Zwischen Werbung und Kunst: Das Kino der Verheißungen
Video-on-Demand: Neue Chancen für Filmemacher und Festivals?
Neustart für Zelluloid?
Sind Filmfestivals der Ort für 360° und Virtual Reality?

Podium 2018

Kooperation unter Filmfestivals - der neue Schlüssel zum Erfolg
Abschied vom Kino und die Folgen
after youtube - Musikvideo nach dem Internet
Ausstellen fürs Kino

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Expanded

Expanded: Zeitbasierte Experimentalkultur mit Shiny Toys

Die Kurzfilmtage setzen ihre Serie Expanded fort mit Shiny Toys, dem Festival für zeitbasierte Experimentalkultur. Positionen lokaler und internationaler Künstler*innen, kuratiert von dem Medienkünstler Jan Ehlen, erweitern die Leinwand mit Performances, Installationen oder audiovisuellen Konzepten. Die Grenzen des Mediums werden hier neu gedacht, erforscht – und über den Haufen geworfen. Es geht um das, was Werner Nekes, der Shiny Toys bis zu seinem Tod 2017 begleitet hat, „Cinema as an optical toy“ genannt hat.

Experimentelle Musik, Performance und Lichtkunst, autonome Maschinen und elektrochemische Maschinenperformances erweitern die Filmprojektion; Projektoren werden zu Musikinstrumenten, Akkuschrauber treiben ein Praxinoskop an: spielerische Projekte, die vertraute Seh- und Hörgewohnheiten zur Disposition stellen.

Die Reihe beginnt bei den Kurzfilmtagen und wird im Juni und September im Theater an der Ruhr und im soziokulturellen Kunsthaus Makroscope Mülheim sowie im Künstlerhaus Dortmund fortgesetzt.

Gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Programm Neue Künste Ruhr.

Der Kurator

Jan Ehlen springt hier und da ein, wenn jemand ausfällt und konnte seine Leidenschaft für audiovisuelle Medien durch die langjährige Arbeit für die Sammlung Nekes füttern. Seit über 10 Jahren arbeitet er als Teil der RaumZeitPiraten und ist als professioneller Dilettant dauerhaft überfordert.

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Omnibusfilme in der Filmgeschichte

Reisegefährten – Omnibusfilme in der Filmgeschichte

Historisch betrachtet zählt der Omnibusfilm zu den wichtigsten Präsentationsformen des Kurzfilms: als einzige Möglichkeit, Kurzfilme „regulär“ kommerziell auszuwerten. Doch obwohl das Genre bis in die 1930er Jahre zurückreicht und rund 100 Produktionen umfasst, fristete der Omnibusfilm (oder Episodenfilm) zumeist ein filmhistorisches Schattendasein. In einer Zeit, in der der Kurzfilm sich einerseits neue Plattformen in der digitalen Welt erobert, andererseits im Alltagsbetrieb des Kinos selbst in Nischen kaum noch präsent ist, brechen die Kurzfilmtage mit dieser auf mehrere Jahre angelegten Reihe eine Lanze für die spezifische Aufmerksamkeitsform einer konzentrierten Zerstreuung, die das hybride Format des Omnibusfilms, als Zwitterwesen zwischen Lang- und Kurzfilm, möglich macht.

„Reisegefährten“, kuratiert von dem Journalisten und Kurator Lukas Foerster, soll keine repräsentative Geschichte des Genres abbilden, sondern konzentriert sich auf motivische, narrative oder produktionstechnische Schwerpunkte. Wo, wann und für wen wurde der Omnibusfilm historisch eine interessante Präsentationsform? Welche Themen und Interessen bedient das Genre vorrangig? Unter welchen Voraussetzungen werden diese Produktionen zu einem auch kommerziell relevanten Format?

Das Auftaktprogramm unter dem Titel „Gegenblicke“ konzentriert sich in vier Filmprogrammen auf bundesdeutsche Episodenfilme aus den 1980er Jahren von vorwiegend weiblichen Regieteams, zu denen Regisseurinnen wie Chantal Akerman, Valie Export, Monika Funke Stern, Ebba Jahn, Ulrike Ottinger, Maxi Cohen, Renate Sami oder Helke Sander gehörten. Auf dem Programm: Aus heiterem Himmel (1982), Sieben Frauen – Sieben Sünden (1986), Die Gedächtnislücke. Filmminiaturen über den täglichen Umgang mit Gift (1983) und Ama Zone (1983).

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What’s Left – Maulwürfe des Archivs

Die Filmgeschichte beginnt mit der Niederlegung der Arbeit – la sortie de l’usine – und der Überwachung des Proletariats, da es die Besitzer der Fabrik selbst waren, die Brüder Lumière, die den Moment der Trennung zwischen Arbeit und Freizeit gefilmt haben. Dieser symbolische Ursprung schmiedet ein unverbrüchliches Band zwischen dem Kino – selbst eine buchstäbliche und metaphorische Massenbewegung – und Arbeitskämpfen.

In diesem Geist taucht What’s Left in unser Archiv ein, um Filme zu würdigen, die an Orten von Ausbeutung, Konsum, Bildung und Freizeit präsent waren und in Frauen, Arbeiter*innen, Studierenden und anderen einen Funken kollektiver Selbsterkenntnis entzündet haben. Im weiteren Sinne untersucht die Reihe, was es bedeutet, politisch links zu liegen – und in einem Archiv zu liegen. Die zwei Programme, kuratiert von Simon Petri-Lukács, zeigen eine breit gestreute Auswahl filmischer Arbeiten, in denen der westdeutsche Geist von 1968 nachhallt. Darunter sind Für Frauen – 1. Kapitel (Christina Perincioli, 1971), Helfen können wir uns nur selbst (Gardi Deppe, 1974), Maulwürfe der Revolution (Horst Schwaab, 1969) and Von der Revolte zur Revolution (Filmemacher Cooperative Hamburg, Kurt Rosenthal, 1969).

The Making of Claude Lanzmann’s “Shoah”

Ein Workshop-Programm, gestaltet von Christoph Hesse, das einen genauen Blick auf die Outtakes von Claude Lanzmanns Shoah wirft und so den Prozess seiner Konzeption und Entstehung beleuchtet. 210 Stunden Film, das gesamte gefilmte Material, sind seit kurzem zugänglich – bislang unbekannte Interviews, Zeugnisse von Rettung und Widerstand, Material, das aus rechtlichen Gründen nicht in den Film aufgenommen wurde. Zum Auftakt des auf mehrere Jahre angelegten Projekts werden in zwei Programmen Auszüge aus den Einsatzgruppen-Interviews und aus einem langen Gespräch mit Inge Deutschkron, die den Holocaust versteckt in Berlin überlebte, analysiert.

Entfernte Bilder, entrückter Klang

Der Berliner Klangforscher Dirk Schäfer stellt experimentelle Filmsoundtracks vor – die Leinwand bleibt dunkel, das Kino spielt im Kopf.

Für Filmemacher*innen aus NRW

Individuelle Beratung durch das Filmbüro NW
Ein kostenfreies Angebot an alle Filmemacher*innen aus NRW, die sich in Oberhausen von Vertreter*innen des Filmbüro NW zu Fragen rund um Produktion, Förderung und Festivalplatzierung von Kurzfilmen beraten lassen können. Nur mit Anmeldung!

Anmeldung: dw@kurzfilmtage.de

Mehr

Distributors‘ Collection

Dieses neue Format tritt die Nachfolge unserer Distributors‘ Screenings an. Internationale Verleihe von experimentellen Kurzfilmen präsentieren nach wie vor Arbeiten aus ihren Katalogen. Neu ist, dass der Schwerpunkt nicht mehr ausschließlich auf Neuerwerbungen liegt, sondern dass die Verleihe auch ältere Arbeiten aus ihren Katalogen oder Archiven zeigen. Zum Auftakt sind dabei: Arsenal ­­­– Institut für Film und Videokunst e.V. (Deutschland), EYE Experimental (Niederlande), Filmform (Schweden) und sixpackfilm (Österreich).

ESFAA Shorts

Neun Publikumspreisträger von anderen europäischen Kurzfilmfestivals demonstrieren die kreative Vielfalt des europäischen Kinos in zwei Programmen.

European Short Film Network (ESFN)

Als European Short Film Network (ESFN) betreibt Oberhausen gemeinsam mit fünf weiteren europäischen Kurzfilmfestivals die Streaming-Plattform THIS IS SHORT. Zur Abwechslung zeigt das Netzwerk ein Programm zu den Ursprüngen des digitalen Films im Kino. Die Auswahl wird im Laufe des Jahres 2025 auf allen Netzwerkfestivals zu sehen sein.

Das Programm präsentiert eine vielfältige Auswahl an experimentellen audiovisuellen Arbeiten, die die Komplexität der digitalen Bildverarbeitung erkunden. Durch die Kombination einer breiten Palette von Techniken und Konzepten bietet das Programm einen Einblick in die laufende Entwicklung digitaler Bildverarbeitungstechniken und in die Art und Weise, wie Künstler sie in den letzten Jahrzehnten erforscht haben.

Filmgeflacker

Das Oberhausener Kunstkollektiv Filmgeflacker präsentiert Filme aus den Wettbewerben und lädt Filmemacher*innen zum Gespräch.

Lieblingsfilme des Festivalteams 2025

Teamfavoriten: Zum Abschluss stellen die Mitarbeiter*innen der Kurzfilmtage ihre Lieblingsfilme aus den diesjährigen Wettbewerben persönlich vor.

MuVi International

Seit 1998 zeigen die Kurzfilmtage jedes Jahr eine Auswahl an richtungsweisenden internationalen Musikvideos und formal außergewöhnlichen Arbeiten – ein Schaufenster aktueller Entwicklungen im Bereich des Genres Musikvideo.

MuVi 14+

Ein internationales Musikvideoprogramm für Jugendliche ab 14 Jahren. MuVi 14+ ist ein facettenreicher Streifzug durch die aktuelle Clipproduktion, von handgemacht bis computergeneriert.

NRW Persönlich

Filmemacher*innen aus NRW erhalten Carte Blanche für ein Programm mit eigenen Filmen und prägenden Arbeiten anderer Filmemacher*innen. In diesem Jahr von und mit Katharina Huber aus Köln, der Gewinnerin des Deutschen Kurzfilmpreis 2020 für ihren Animationsfilm Der natürliche Tod der Maus. Katharina Huber wurde zuletzt auch für ihren ersten Langfilm Ein Schöner Ort vom Locarno Film Festival 2023 als beste Nachwuchsregisseurin ausgezeichnet. 

Preisträger 2025

Am Tag nach der Preisverleihung zeigen wir die wichtigsten Preisträger der fünf Wettbewerbe der Kurzfilmtage 2025 in einem Programm.

Preisträger anderer Festivals

Am ersten Festivaltag zeigen die Kurzfilmtage traditionell aktuelle Kurzfilme, die bei anderen Festivals ausgezeichnet wurden. Ein Querschnitt durch die vergangene Festivalsaison.

The One Minutes

In Kooperation mit der The One Minutes Foundation zeigen die Kurzfilmtage hier seit einigen Jahren Einminüter, eigens kuratiert für die Kurzfilmtage.

Kontakt
Susannah Pollheim
pollheim(at)kurzfilmtage.de

Kinemathek im Ruhrgebiet

Seit über 40 Jahren sammelt und restauriert die Kinemathek im Ruhrgebiet historisches Filmmaterial des Reviers. Auf den Kurzfilmtagen zeigt die Initiative erneut Highlights aus den eigenen Beständen, unter anderem mit Arbeiten von den namhaften Ruhrgebietsautoren Rainald Schnell und Lucas Maria Böhmer, die beide in diesem Jahr ihren 90. Geburtstag feiern. Präsentation und Einführung durch Leiter Paul Hofmann.

Die Oberhausen Auswahl

Das Besondere an diesem Programm: Die Auswahl der Filme übernehmen Oberhausener Bürgerinnen und Bürger zwischen 65 und 90 Jahren. Traditionell feiert die Oberhausen Auswahl, die 2015 gestartet wurde, ihre Premiere während des Festivals, ab Herbst geht sie dann auf Tournee.

Kontakt
Susannah Pollheim
pollheim@kurzfilmtage.de

Aus dem Filmverleih des Festivals

Der Verleih der Kurzfilmtage beruht auf einer der ältesten und bedeutendsten Kurzfilm-Sammlungen weltweit. Jedes Jahr kaufen die Kurzfilmtage ca. 50 neue Arbeiten aus dem aktuellen Festivalprogramm neu an. Hier zeigen wir ein Auswahlprogramm mit fünf Filmen aus dem Internationalen Wettbewerb 2024, in denen das Verhältnis des Menschen zu Natur und Tieren eine zentrale Rolle einnimmt.