Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

28. April – 3. Mai 2026
in Oberhausen!

In memoriam Alexander Kluge (1932-2026)

Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

In Memoriam Alexander Kluge (1932 – 2026)

Die Kurzfilmtage trauern um Alexander Kluge, einer der großen Regisseure und Autoren des deutschen Films – und einen der großen Kurzfilmemacher. Als Schriftsteller, Philosoph, Jurist und Fernsehproduzent gehörte er zu den vielseitigsten und einflussreichsten Intellektuellen der deutschen Kulturlandschaft. Er war eine der führenden Persönlichkeiten des Oberhausener Manifests, 1962 moderierte er dessen Verkündung auf den Westdeutschen Kurzfilmtagen Oberhausen und leitete so die Geburt des Neuen Deutschen Films ein.

„Seine Haltung als Filmemacher war über diese Zeit hinaus prägend für die Kurzfilmtage, ebenso wie für meinen eigenen filmgeschichtlichen Werdegang. Ich habe Alexander Kluge erlebt bei der Premiere von Deutschland im Herbst (1978), und seine Filmarbeit sowie seine ‚praktisch-realistische Haltung‘ immer aufmerksam verfolgt. Der Satz ‚Wer sich Mühe gibt, hat Glück gehabt‘ aus einem seiner Filme begleitet mich seitdem. Ich werde nie vergessen, wie Alexander Kluge im Februar 2000 während unserer Filmreihe im Filmmuseum München die Kamerafrau und Filmemacherin Babette Mangolte inmitten der Münchner Sicherheitskonferenz zu einem dctp-Gespräch bat und sich mit ihr über Dur und Moll und feministische Filmarbeit unterhielt, unbeeindruckt von den umstehenden Generälen. Seine vielen Spuren hier bei den Kurzfilmtagen halten wir lebendig, bei aller Trauer,“ so Madeleine Bernstorff, künstlerische Leiterin der Kurzfilmtage.

Alexander Kluges frühe Kurzfilme haben in Oberhausen zahlreiche Preise gewonnen, zum ersten Mal 1961 mit dem Hauptpreis der Stadt Oberhausen für Brutalität in Stein, eine Gemeinschaftsarbeit mit Peter Schamoni. Es folgten Lehrer im Wandel (1963) und Porträt einer Bewährung, 1965 in Oberhausen preisgekrönt, sowie Feuerlöscher E.A. Winterstein (1968). Zum Kurzfilm kehrte Kluge immer wieder zurück, in den 1990er Jahren zeigte Oberhausen unter anderem Das goldene Vlies und die Catch-Penny-Drucke (1991), ein Beitrag aus seiner dctp-Produktion.

Biografie

Alexander Kluge, geboren 1932 in Halberstadt, wurde Anfang der 1960er Jahre als Schriftsteller und Filmemacher bekannt: 1962 las er bei der Gruppe 47 aus dem Band Lebensläufe und veröffentlichte zusammen mit 25 anderen jungen Filmern das Oberhausener Manifest, 1966 erhielt er als erster Deutscher nach dem Krieg den Silbernen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig für Abschied von Gestern mit Alexandra Kluge in der Hauptrolle. Damit öffnete sich in Europa eine Tür für den Neuen Deutschen Film, in dem es dem Kritischen Theoretiker Kluge niemals nur um das Gelingen einzelner Werke ging, sondern um die Herstellung einer authentischen Öffentlichkeit, einer stabilen Verbindung mit dem Publikum, „und das können einzelne nicht alleine“.

Bis Mitte der achtziger Jahre veröffentlichte Kluge 14 abendfüllende Spielfilme, schrieb vier Bände Geschichten und setzt zusammen mit Oskar Negt die Kritische Theorie philosophisch-soziologisch fort. Nach der Aufkündigung der Filmförderung durch die konservative Regierung führte Kluge das Konzept der Politik der Autoren ab 1988 mit seiner Produktionsfirma dctp in sogenannten Kulturfenstern im Privatfernsehen fort (RTL, SAT 1, VOX sowie dem Schweizer Fernsehen). In knapp 20 Jahren entstehen ca. 1500 Stunden Sendezeit aus Gesprächen mit Künstlern, Wissenschaftlern, Musikern, Filmern, Schriftstellern, Politikern, aber auch mit neuen TV-Formaten wie Musikmagazinen, Bildern ohne Worte oder der bekannten Reihe Facts & Fakes. Kluge war bis zuletzt als Schriftsteller aktiv und wurde 2025 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet. Noch im Februar 2026 begleitete er persönlich seine Ausstellung „Nachts träumen die Kulissen von ungesehenen Bildern“ in der Akademie der bildenden Künste Wien.

Die Kurzfilmtage verlieren in Alexander Kluge einen großen Mentor und Begleiter des Festivals bis in die 2000er Jahre hinein.

Oberhausen, 26. März 2026

Pressekontakt: Sabine Niewalda, T +49 (0)208 825-3073, niewalda@kurzfilmtage.de