In memoriam Dóra Maurer (1937–2026)

Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

In memoriam Dóra Maurer (1937–2026)

Die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen trauern um Dóra Maurer, die am 14. Februar in Budapest im Alter von 89 Jahren gestorben ist.

„Wir sind zutiefst betrübt über diese Nachricht. Es war uns eine Ehre und eine große Freude, der ungarischen Künstlerin und Filmemacherin Maurer Dóra im vergangenen Jahr ein Profilprogramm zu widmen und ihr filmisches Œuvre in Oberhausen zu zeigen,“ so Madeleine Bernstorff, die künstlerische Leiterin der Kurzfilmtage.

Dóra Maurer gilt als eine der Schlüsselfiguren der ungarischen Neo-Avantgarde. Als Künstlerin, Filmemacherin und Ausstellungsorganisatorin arbeitet sie mit Druckgrafik, Malerei, Fotografie – und Experimentalfilm. Maurer studierte Grafik an der Universität der Bildenden Künste in Budapest und wurde zu einer der bedeutendsten Künstler*innen der ungarischen Neoavantgarde. Ab 1967 lebte sie zeitweise in Wien, was ihr ermöglichte, in den Westen zu reisen und die Möglichkeiten des metrisch-strukturellen Films weiter zu erforschen. Nachdem sie die Vorträge von Anton Webern ins Ungarische übersetzt hatte, begann sie mit ihren Experimenten, Serialität in die Filmsprache zu übertragen. Diese Einflüsse, untermauert von elementaren Ideen der Grafik – indexikalische Spuren, verschobene Varianten, abweichende Reproduktionen – brachten eine Reihe von Werken hervor, die einen Dialog zwischen Zufall und Absicht, Struktur und Unordnung, Konzeptualität und Verspieltheit bilden. Wir feiern das Vermächtnis ihres Œuvres, das davon zeugt, dass selbst innerhalb strengster Abstraktion Serialität und Modulationen zu größter Freiheit führen können – eine Freiheit, die diejenigen belohnt, die sich den Anforderungen des Materials und der Form anvertrauen. Als eine der einflussreichsten Lehrerinnen in der ungarischen Kunstausbildung gab Maurer diese Inspiration an Generationen von Künstler*innen weiter.

„Ich möchte das Material nicht besiegen, sondern mich ihm anpassen, um seine Möglichkeiten aus ihm „herauszuholen”. (...) Ich suche nach Beispielen für Zufälle, die eigentlich keine Zufälligkeiten  sind, sondern Ereignisse, die aus Irrtümern bei der Ausführung von Handlungen aufgrund eines unvollständigen Verständnisses von Materialien und Prozessen entstehen. Die Wechselwirkungen zwischen den Materialien werfen ein neues Licht auf Regeln, die noch nicht verstanden sind – die mir noch nicht bekannt sind. Sie können beobachtet und wiederholt werden, was eine Erweiterung der Ausdrucksmittel darstellt."

Dóra Maurer in: Rézmetszet, rézkarc (Műhelytitkok sorozat) [Engraving and etching (part of a series entitled “Workshop secrets”)], Budapest: Corvina Kiadó, 1976, S. 40, zitiert in: MAURER Dóra: Quod Libet, Vintage Galéria Budapest, 2020, S. 4.

Oberhausen, 17. Februar 2026

Pressekontakt: Sabine Niewalda, T +49 (0)208 825-3073, niewalda@kurzfilmtage.de